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Pa­ket­bran­che auf Hoch­tou­ren

Schnäpp­chen­ta­ge ver­schaf­fen den Pa­ket­dienst­leis­tern jähr­lich vol­le Auf­trags­bü­cher. Doch de­ren Freu­de ist ver­hal­ten
Versandhandel, Paketlager, Mitarbeiter am Fließband, Amazon

28.11.2019. (dpa/fle) - Schnäpp­chen­jä­ger rund um den Black Fri­day set­zen Deutsch­lands Pa­ket­bran­che un­ter Druck.

Denn die Ra­batt­ak­tio­nen des Han­dels trei­ben die Pa­ket­ber­ge wei­ter in die Hö­he: So rech­net der Lo­gis­ti­ker Her­mes in die­sem Jahr mit 10 Pro­zent mehr Sen­dun­gen beim Black Fri­day und der an­schlie­ßen­den Cy­ber Week im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum, wie die Fir­ma mit­teil­te.

Der Wo­chen-Höchst­wert an Her­mes-Pa­ke­ten im gan­zen Jahr könn­te in die­sem Zeit­raum lie­gen - und nicht mehr kurz vor Weih­nach­ten. Beim Kon­kur­ren­ten DPD war dies be­reits 2018 der Fall - we­ni­ge Ta­ge nach dem Black Fri­day lie­fer­ten Zu­stel­ler so vie­le Pa­ke­te aus wie sonst nie in dem Jahr.

Mit Ra­bat­ten zum Black Fri­day will der Han­del den Kon­sum an­hei­zen. Vie­le Händ­ler ha­ben den Ak­ti­ons­tag er­wei­tert um den Cy­ber Mon­day, al­so den di­rekt fol­gen­den Mon­tag oder so­gar auf ein bis zwei Son­der­an­ge­bots­wo­chen, et­wa die Black Fri­day Week oder die Cy­ber Week. Für die Pa­ket­bran­che sind die­se Ra­batt­schlach­ten grund­sätz­lich ei­ne gu­te Sa­che, weil sich das Weih­nachts­ge­schäft da­durch nach vor­ne ver­la­gert: Vie­le Men­schen be­stel­len ih­re Ge­schen­ke nicht mehr erst we­ni­ge Ta­ge vor Weih­nach­ten, son­dern sie de­cken sich schon En­de No­vem­ber oder An­fang De­zem­ber da­mit ein.

So ei­ne Glät­tung des Weih­nachts­ge­schäft ma­che es für ei­nen Lo­gis­ti­ker "ope­ra­tiv ein­fa­cher", sagt Post-Fi­nanz­vor­stand Me­la­nie Kreis. Die Lo­gik da­hin­ter: Gä­be es kei­nen Black Fri­day, wä­ren die Pa­ket­ber­ge in der Wo­che vor Weih­nach­ten noch hö­her als oh­ne­hin schon - und die Lo­gis­ti­ker müss­ten noch mehr zu­sätz­li­che Sai­son­kräf­te be­schäf­ti­gen.

Das be­reits im No­vem­ber be­gon­ne­ne Weih­nachts­ge­schäft ist die ar­beits­in­ten­sivs­te Zeit für die Lo­gis­tik­bran­che. So rech­net der Markt­füh­rer, die Deut­sche Post DHL, in die­ser Zeit mit bis zu 11 Mil­lio­nen Pa­ke­te pro Ar­beits­tag - im Jah­res­durch­schnitt liegt der Ta­ges­wert bei fünf Mil­lio­nen. Im­mer wich­ti­ger wird der Black Fri­day, ei­ne Her­mes-Spre­che­rin nennt ihn "ei­nen star­ken Im­puls­ge­ber für das Weih­nachts­ge­schäft". Die Pa­ket­ber­ge sind enorm: Die Ham­bur­ger Fir­ma be­rich­tet von 40 Pro­zent mehr Sen­dungs­vo­lu­men in der Black-Fri­day-Wo­che ver­gli­chen mit ei­ner Durch­schnitts­wo­che.

Das Pro­blem für die Bran­che: Mehr Nach­fra­ge heißt zwar mehr Um­satz, die Ge­winn­quo­te aber sackt ab. Denn um die Pa­ket­ber­ge meis­tern zu kön­nen, müs­sen die Fir­men Tau­sen­de zu­sätz­li­che Ar­beits­kräf­te ein­stel­len und we­sent­lich mehr Fahr­zeu­ge auf die Stra­ßen schi­cken. "Es ist nicht so, dass der De­zem­ber, was die Pro­fi­ta­bi­li­tät an­be­langt, der bes­te Mo­nat ist", sagt Fi­nanz­vor­stand Kreis. "Ganz im Ge­gen­teil: Man muss da ein sehr, sehr gro­ßes Au­gen­merk ha­ben, dass uns die Kos­ten nicht aus dem Ru­der lau­fen." Vom Kon­kur­ren­ten Her­mes wird ähn­li­ches ver­laut­bart.

Ein Spre­cher der Deutsch­land-Toch­ter der fran­zö­si­schen Post, DPD, spricht von ei­nem Kraft­akt. "Ar­beits­kräf­te und Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten sind in den Wo­chen vor Weih­nach­ten be­son­ders kan­pp." Die Pa­ket­men­gen sei­en nicht nur deut­lich hö­her als sonst, son­dern es ge­be auch gro­ße Schwan­kun­gen beim Vo­lu­men ein­zel­ner Ta­ge. "Die Zu­stell­kos­ten stei­gen da­durch über­pro­por­tio­nal."

Der Black Fri­day (Schwar­zer Frei­tag) ist in den USA stets der Tag nach dem Ern­te­dank­fest Thanks­gi­ving. Er gilt dort als Be­ginn der Weih­nachts­ein­kaufs­sai­son. Als der Black Fri­day vor ei­ni­gen Jah­ren aus den USA nach Eu­ro­pa im­por­tiert wur­de und die hei­mi­sche Pa­ket­bran­che da­mit zu­recht­kom­men muss­te, gab es durch­aus Pro­ble­me. So ist in ei­nem drei Jah­re al­ten Blog-Ein­trag auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ver­ban­des E-Com­mer­ce und Ver­sand­han­del (BVEH) die Re­de da­von, dass es "ver­stärkt zu Eng­päs­sen bei der Lie­fe­rung" ge­kom­men sei.

Doch das sei lang her, hebt ei­ne Ver­bands­spre­che­rin her­vor: Lo­gis­ti­ker, Händ­ler und Kun­den ha­ben da­zu­ge­lernt." Der On­line­han­del und die Lo­gis­tik sei­en gut vor­be­rei­tet auf den vir­tu­el­len Weih­nachts­bum­mel der Ver­brau­cher.

Tat­säch­lich tref­fen die Pa­ket­mas­sen die Bran­che al­les an­de­re als un­vor­be­rei­tet: Händ­ler und Lo­gis­ti­ker füh­ren seit dem Som­mer in­ten­si­ve Ge­sprä­che zum Weih­nachts­ge­schäft, auf Ba­sis von Ver­kaufs­pro­gno­sen der Händ­ler ha­ben die Pa­ket­dienst­leis­ter ihr Per­so­nal und ih­re Fuhr­parks auf­ge­stockt.

Und was be­deu­tet der Black Fri­day für die Be­leg­schaft? "Die Ar­beits­be­las­tung ist hoch, aber dank der Ver­di-Ta­rif­ver­trä­ge hält sie sich in den rich­ti­gen Gren­zen", sagt Uwe Köp­ke von der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft. Über­stun­den wür­den auf­ge­schrie­ben. Soll­ten Vor­ge­setz­te das nicht wol­len, müss­ten Zu­stel­ler am En­de ih­rer re­gu­lä­ren Ar­beits­zeit Schluss ma­chen und die üb­rig ge­blie­be­nen Pa­ke­te zu­rück ins De­pot fah­ren. Sor­gen­fal­ten be­kommt Köp­ke beim Blick auf die Post-Kon­kur­renz, die vor al­lem auf ex­ter­ne Dienst­leis­ter als Zu­stel­ler setzt, al­so nicht auf ei­ge­ne Fah­rer. Die Ta­rif­bin­dung sei bei die­sen Su­b­un­ter­neh­mern ge­ring, mo­niert der Ge­werk­schaf­ter. "Und wo es kei­ne Ta­rif­bin­dung gibt, kommt der Ar­beit­neh­mer schlecht weg."

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Letzte Überarbeitung: 28. November 2019

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