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Per­so­nal­kri­se bei der Ar­beits­agen­tur

Per­so­nal­che­fin Va­le­rie Hols­bo­er muss den BA-Vor­stand ver­las­sen. Die Ab­be­ru­fung reißt in der Be­hör­de tie­fe Grä­ben auf
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16.07.2019. (dpa/fle) - Die bis­her ein­zi­ge Frau im Vor­stand der Bun­des­agen­tur für Ar­beit muss vor­zei­tig ih­ren Pos­ten räu­men.

Ei­ne Mehr­heit des Ver­wal­tungs­rats der Bun­des­agen­tur be­schloss am Frei­tag die Ab­be­ru­fung der Fi­nanz- und Per­so­nal­che­fin Va­le­rie Hols­bo­er (42) nach nur zwei Jah­ren im Amt.

Vie­le Be­schäf­tig­te hat­ten mit der Ma­na­ge­rin gro­ße Hoff­nun­gen auf ei­nen Kul­tur­wan­del bei der Mam­mut­be­hör­de ver­bun­den. Doch die Sei­te der Ar­beit­ge­ber im Ver­wal­tungs­rat war un­zu­frie­den mit der Ar­beit der Vor­stands­frau. Der Fünf-Jah­res-Ver­trag von Hols­bo­er wä­re re­gu­lär erst im Jah­re 2022 aus­ge­lau­fen.

Nach Be­rich­ten aus Teil­neh­mer­krei­sen stimm­ten die je­weils sie­ben Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ge­schlos­sen für Hols­bo­ers vor­zei­ti­ge Ab­be­ru­fung. Dem Vo­tum muss al­ler­dings for­mal noch die Bun­des­re­gie­rung zu­stim­men.

Hols­bo­ers vor­zei­ti­ge Ab­be­ru­fung war nach In­for­ma­tio­nen aus dem Um­feld des Ver­wal­tungs­rats vor al­lem von der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­trie­ben wor­den. Ins­be­son­de­re der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Gre­mi­ums, Pe­ter Cle­ver, ist dem Ver­neh­men schon län­ger mit Hols­bo­ers Ar­beit un­zu­frie­den. Er hat­te sie selbst für die Po­si­ti­on im von Det­lef Schee­le ge­führ­ten Vor­stand vor­ge­schla­gen, sei aber schon bald von ih­rer Ar­beit ent­täuscht ge­we­sen. So ha­be die Voll­ju­ris­tin den Um­bau der Bun­des­agen­tur in Zei­ten des Struk­tur­wan­dels nicht aus­rei­chend schnell vor­an­ge­trie­ben.

In ei­ner Er­klä­rung be­dau­er­te Cle­ver, "dass die von der Ar­beit­ge­ber­grup­pe an­ge­bo­te­nen Ge­sprä­che um ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung von ihr ab­ge­lehnt wur­den". Nun gel­te es, sich wie­der auf die Auf­ga­ben der BA zu kon­zen­trie­ren und nach vorn zu bli­cken. Längst über­fäl­lig sei un­ter an­de­rem die Qua­li­fi­zie­rung der Mit­ar­bei­ter für neue an­spruchs­vol­le Be­ra­tungs­auf­ga­ben. Cle­ver ist zu­gleich Mit­glied der Haupt­ge­schäfts­füh­rung der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de.

Nicht nä­her ging hin­ge­gen die der­zei­ti­ge Vor­sit­zen­de des Ver­wal­tungs­rats, An­ne­lie Bun­ten­bach, auf die Hin­ter­grün­de des Kon­flikts zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Hols­bo­er ein. Das Mit­glied im DGB-Bun­des­vor­stand be­schränk­te sich in ih­rer Er­klä­rung dar­auf fest­zu­stel­len: "Wenn die Ar­beit­ge­ber­grup­pe im Ver­wal­tungs­rat der BA das Ver­trau­en zu dem von ihr selbst vor­ge­schla­ge­nen Mit­glied im BA-Vor­stand für un­wi­der­ruf­lich zer­rüt­tet er­klärt, ist kei­ne trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für die wei­te­re Ar­beit des Vor­stan­des mehr ge­ge­ben."

Nach lang­jäh­ri­ger Ge­pflo­gen­heit ist es im Ver­wal­tungs­rat üb­lich, dass bei­de "Bän­ke" die Per­so­nal­ent­schei­dun­gen der je­wei­li­gen an­de­ren Sei­te ak­zep­tie­ren.

Die vor­zei­ti­ge Ab­be­ru­fung hat­te sich nach ei­nem er­bit­ter­ten Macht­kampf zwi­schen Kri­ti­kern und Un­ter­stüt­zern der 42 Jah­re al­ten Voll­ju­ris­tin be­reits seit Wo­chen ab­ge­zeich­net. Bei­de Sei­ten hat­ten sich da­bei in Me­di­en­be­rich­ten Un­red­lich­keit im Um­gang mit der je­weils an­de­ren Sei­te vor­ge­wor­fen und da­mit die Ar­beit der Bun­des­agen­tur stark be­las­tet. Auch in­ner­halb der Be­leg­schaft riss der Macht­kampf um Hols­bo­ers Zu­kunft tie­fe Grä­ben auf. In ei­ner On­line-Pe­ti­ti­on ha­ben sich mehr als 1.200 Un­ter­zeich­ner für ih­ren Ver­bleib an der BA-Spit­ze aus­ge­spro­chen.

Ei­nen ähn­li­chen Vor­fall hat es in der Ge­schich­te der Nürn­ber­ger Bun­des­be­hör­de nur ein­mal ge­ge­ben: im Jahr 2004 mit der vor­zei­ti­gen Ab­be­ru­fung des da­ma­li­gen BA-Chefs Flo­ri­an Gers­ter. Der frü­he­re SPD-Po­li­ti­ker war über um­strit­te­ne Be­ra­ter­ver­trä­ge bei der BA ge­stol­pert.

Mitt­ler­wei­le ist klar, dass die jüngs­te Per­so­nal­kri­se nun auch den Ver­wal­tungs­rat der Bun­des­be­hör­de er­reicht und dort für ein Nach­be­ben sorgt. Auch Pe­ter Cle­ver hat nun über­ra­schend sei­nen Rück­tritt er­klärt. Cle­ver, der dem Ver­wal­tungs­rat seit 15 Jah­ren an­ge­hört, hat­te Hols­bo­ers Ab­be­ru­fung maß­geb­lich be­trie­ben.

Cle­ver schrieb am Diens­tag in ei­nem Brief an den Ver­wal­tungs­rat, er ha­be Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) um Ent­bin­dung von sei­nem Amt ge­be­ten. Das Schrei­ben lag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur vor. Cle­ver schrieb, er wol­le mit dem Schritt den Weg frei ma­chen für ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit in den Gre­mi­en.

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Letzte Überarbeitung: 31. Juli 2019

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