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Pfle­ge-An­bie­ter leh­nen Ta­rif­vor­ga­ben ab

Die Bun­des­re­gie­rung sucht nach ei­ner Ta­rif­ver­trags­lö­sung im Pfle­ge­sek­tor. Bei den Pfle­ge-An­bie­tern beißt sie aber auf Gra­nit
erschöpfter Krankenpfleger, Krankenschwester, Pflegekräfte, Personalnot in Krankenhäusern

30.07.2019. (dpa/fle) - Bei der Su­che nach drin­gend be­nö­tig­ten Fach­kräf­ten in der Pfle­ge set­zen pri­va­te Al­ten­pfle­ge-An­bie­ter auch auf hö­he­re Löh­ne, aber oh­ne flä­chen­de­cken­de Ta­rif­vor­ga­ben.

Ei­ne be­ste­hen­de Kom­mis­si­on sol­le ei­nen Min­dest­lohn aus­han­deln, der bei 2.500 EUR im Mo­nat lie­gen kön­ne, teil­te der Ar­beit­ge­ber­ver­band Pfle­ge (AGVP) am Diens­tag in Ber­lin mit.

Der von der Bun­des­re­gie­rung fa­vo­ri­sier­te Weg wer­de schei­tern, ei­nen von der Ge­werk­schaft Ver­di und ei­ni­gen Ar­beit­ge­bern aus­zu­han­deln­den Ta­rif­ver­trag für all­ge­mein­ver­bind­lich zu er­klä­ren. Wich­tig sei­en zu­dem fle­xi­ble­re Vor­ga­ben für die Per­so­nal­aus­stat­tung.

Auch Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat­te ei­nen Mo­nats­lohn von min­des­tens 2.500 EUR für Fach­kräf­te als Ziel ge­nannt, um da­mit vor al­lem An­ge­stell­te in Ost­deutsch­land bes­ser­zu­stel­len. Laut Mi­nis­te­ri­um ver­dien­ten Fach­kräf­te 2017 im Wes­ten im Schnitt 2.855 EUR brut­to, im Os­ten 2.356 EUR. Hilfs­kräf­te ka­men im Wes­ten auf 2.026 EUR, im Os­ten auf 1.759 EUR. Für Hel­fer hat ei­ne Kom­mis­si­on schon ei­nen Min­dest­lohn be­stimmt. Die Un­ter­gren­ze soll bis 2020 auf 11,35 EUR pro St­un­de in West­deutsch­land und 10,85 EUR im Os­ten stei­gen. Dies liegt über dem ge­setz­li­chen Min­dest­lohn, der bis 2020 auf 9,35 EUR stei­gen soll.

Das Ka­bi­nett hat­te im Ju­ni ein Ge­setz für hö­he­re Löh­ne in der Al­ten- und Kran­ken­pfle­ge auf den Weg ge­bracht. Ziel ist es, dass mög­lichst in der gan­zen Bran­che künf­tig Ta­rif­löh­ne ge­zahlt wer­den. Als Ba­sis da­für soll ein neu ge­grün­de­ter Ar­beit­ge­ber­ver­band mit Ver­di ei­nen Ta­rif­ver­trag aus­han­deln. Der AGVP pro­tes­tier­te er­neut ge­gen ei­nen "Zwangs­ta­rif­ver­trag", bei dem drei Vier­tel der Ar­beit­ge­ber nicht mit­mach­ten. "Wir wol­len ei­ne Ab­si­che­rung nach un­ten", sag­te Prä­si­dent Tho­mas Grei­ner. In der oh­ne­hin stark re­gu­lier­ten Bran­che müss­ten aber zu­min­dest Rest­be­stän­de un­ter­neh­me­ri­scher Frei­heit er­hal­ten blei­ben.

Die Pfle­ge­be­auf­trag­te der SPD im Bun­des­tag, Hei­ke Ba­eh­rens, nann­te es ei­nen "Af­front ge­gen­über al­len Be­schäf­tig­ten", dass der Ver­band sich nach wie vor ge­gen Ta­rif­be­din­gun­gen sper­re. "Pfle­ge ver­dient gu­te Stan­dards und nicht nur ein Min­dest­maß." Die Ge­set­zes­plä­ne von Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) se­hen als Al­ter­na­ti­ve vor, die Min­dest­löh­ne an­zu­he­ben und in Ost und West zu ver­ein­heit­li­chen.

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band, der nach ei­ge­nen An­ga­ben die gro­ßen pri­va­ten Al­ten­pfle­ge-Un­ter­neh­men mit zwei Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz ver­tritt, for­der­te zu­dem Klar­heit über die Fi­nan­zie­rung hö­he­rer Löh­ne. Es sei ein Skan­dal, dass die Po­li­tik da­zu wei­ter­hin nichts sa­ge - zu­mal auch hö­he­re Zu­zah­lun­gen für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge im Raum stün­den. Ge­rech­net wird mit jähr­li­chen Mehr­kos­ten von bis zu fünf Mil­li­ar­den EUR.

Der Ver­band for­der­te zu­dem, Vor­ga­ben für die Per­so­nal­aus­stat­tung der Ein­rich­tun­gen fle­xi­bler zu ge­stal­ten. Da­zu ge­hö­re die star­re Quo­te, dass im Ver­hält­nis zu Hel­fern 50 Pro­zent des Per­so­nals Fach­kräf­te sein müs­sen. Künf­tig sol­le et­wa auch Lo­go­pä­den oder Phy­sio­the­ra­peu­ten die Ar­beit in Hei­men er­mög­licht wer­den. Die Grü­nen kri­ti­sier­ten, die Fach­kraft­quo­te für an­de­re Ge­sund­heits­be­ru­fe zu öff­nen, sei Quatsch.

Nur Fach­kräf­te kön­nen die Ver­sor­gung pla­nen, steu­ern, durch­füh­ren und eva­lu­ie­ren und ei­ne gu­te Pfle­ge si­cher­stel­len, sag­te Fach­po­li­ti­ke­rin Kor­du­la Schulz-Asche. Lo­go­pä­die, Er­go- und Phy­sio­the­ra­pie könn­ten er­gän­zend, aber nicht "pfle­ge­er­set­zend" ein­ge­setzt wer­den.

In der Al­ten- und Kran­ken­pfle­ge ar­bei­ten 1,6 Mil­lio­nen Men­schen. Fast 40.000 Stel­len sind aber un­be­setzt, die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wächst. In man­chen Ein­rich­tun­gen könn­ten gan­ze Stock­wer­ke man­gels Per­so­nal nicht be­legt wer­den, sag­te AGVP-Prä­si­dent Grei­ner. Er mahn­te zu­dem er­neut an, den Zu­gang für aus­län­di­sche Kräf­te zu er­leich­tern.

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Letzte Überarbeitung: 2. Oktober 2019

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