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ARBEITSRECHT AKTUELL // 18/033

Pi­lot­ab­schluss in der Me­tall­in­dus­trie

Nach fünf er­geb­nis­lo­sen Ta­rif­run­den in der Me­tall- und Elek­tro­bran­che konn­te nun im süd­west­li­chen Ta­rif­be­zirk ein ers­ter Ab­schluss er­zielt wer­den
Schweißer, Industrie

06.02.2018. (dpa/wie) - Nach lan­gen Ver­hand­lun­gen und in­ten­si­ven Streiks in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie (wir be­rich­te­ten u.a. in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 18/027 IG Me­tall ruft zu ers­ten Ta­ges­streiks auf) gibt es nun im Süd­wes­ten Deutsch­lands ei­nen ers­ten Ta­rif­ab­schluss zu ver­mel­den.

Et­wa 13 St­un­den dau­er­te die sechs­te Ver­hand­lungs­run­de in Ba­den-Würt­tem­berg, in der sich die Ta­rif­par­tei­en auf ei­nen Ge­halts­an­stieg, ei­ne lan­ge Lauf­zeit des Ver­trags und ei­nen Kom­pro­miss hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung ei­ni­gen konn­ten.

Der neue Ta­rif­ver­trag gilt für die nächs­ten 27 Mo­na­te und sieht ein Ge­halts­plus von 4,3 Pro­zent ab April 2018 so­wie ei­ne Ein­mal­zah­lung von 100 Eu­ro für die ers­ten drei Mo­na­te die­ses Jah­res vor. Zu­dem er­hal­ten die Be­schäf­tig­ten ab dem nächs­ten Jahr ein jähr­li­ches ta­rif­li­ches Zu­satz­geld in Hö­he von 27,5 Pro­zent des Brut­to­mo­nats­ge­halts und ei­nen Fest­be­trag von 400 Eu­ro.

Dar­über hin­aus kön­nen die Ar­beit­neh­mer fort­an ih­re Ar­beits­zeit für bis zu zwei Jah­re auf 28 St­un­den pro Wo­che sen­ken und im An­schluss wie­der auf 35 St­un­den hoch­schrau­ben. Da­für er­hal­ten die Un­ter­neh­men die Mög­lich­keit, bei ho­hen Teil­zeit­quo­ten mehr 40-St­un­den-Ver­trä­ge mit ih­ren Be­schäf­tig­ten ab­zu­schlie­ßen. Neu ist auch das Mo­dell ei­nes kol­lek­ti­ven be­trieb­li­chen Ar­beits­vo­lu­mens von durch­schnitt­lich 35,9 St­un­den pro Be­schäf­tig­ten. Da­mit kann die feh­len­de Ar­beits­zeit von Teil­zeit­kräf­ten von an­de­ren Mit­ar­bei­tern aus­ge­gli­chen wer­den.

Für be­stimm­te Grup­pen wie Schicht­ar­bei­ter, pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge oder El­tern jun­ger Kin­der for­der­te die IG Me­tall die Mög­lich­keit der Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung mit ei­nem Zu­schuss für ent­gan­ge­nen Lohn. Dies konn­te die Ge­werk­schaft nicht durch­set­zen. Statt­des­sen kön­nen sich die Be­trof­fe­nen im Fal­le ei­ner Ver­kür­zung der Wo­chen­stun­den zwi­schen dem ta­rif­li­chen Zu­satz­geld und zu­sätz­li­chen acht Ur­laubs­ta­gen ent­schei­den.

"Ich glau­be, das neue Ta­rif­sys­tem ist ver­nünf­tig aus­ba­lan­ciert", zeig­te sich Süd­west­me­tall-Chef Ste­fan Wolf im An­schluss an die Ver­hand­lun­gen zu­frie­den. "Wir ha­ben um je­des De­tail hart ge­run­gen", kom­men­tier­te IG-Me­tall-Ver­hand­lungs­füh­rer Ro­man Zit­zels­ber­ger die Ta­rif­run­de. Ge­samt­me­tall-Prä­si­dent Rai­ner Dul­ger be­zeich­ne­te den Ab­schluss gar als "den Grund­stein für ein fle­xi­bles Ar­beits­zeit­sys­tem für das 21. Jahr­hun­dert".

Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ver­bands der Baye­ri­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie, Ber­tram Bros­sardt, hät­te sich da­ge­gen ei­nen "we­ni­ger kom­ple­xen Ta­rif­ver­trag ge­wünscht". Den­noch sprach sich der Ver­band für die Über­nah­me des Ver­trags in Bay­ern aus. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass sich auch die an­de­ren Ta­rif­be­zir­ke an dem Pi­lot­ab­schluss ori­en­tie­ren wer­den.


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Letzte Überarbeitung: 23. Februar 2018

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