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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/035

Re­al wur­de ver­kauft

Der Ver­kauf von Re­al steht fest, doch für die Be­schäf­tig­ten geht das Ban­gen über das Schick­sal ein­zel­ner Fi­lia­li­en wei­ter
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19.02.2020. (dpa/fle) - Die Su­per­markt­ket­te Re­al ist nach mo­na­te­lan­gem Tau­zie­hen end­lich ver­kauft: Doch für die 34.000 Be­schäf­tig­ten in den 276 Fi­lia­len und für Mil­lio­nen Re­al-Kun­den geht die Un­ge­wiss­heit wei­ter.

Es dürf­te noch Mo­na­te dau­ern, bis sie Klar­heit be­kom­men, ob "ih­re" Fi­lia­le wei­ter­be­trie­ben, ver­kauft oder ge­schlos­sen wird.

Ver­di-Bun­des­vor­stands­mit­glied Ste­fa­nie Nut­zen­ber­ger sprach am Mitt­woch von ei­nem "bit­te­ren Tag für die Re­al-Be­schäf­tig­ten". Die Ge­werk­schaf­te­rin warn­te vor der mög­li­chen Ver­nich­tung von mehr als 10.000 Ar­beits­plät­zen im Zu­ge der Über­nah­me.

Der neue Re­al-Be­sit­zer, der Fi­nanz­in­ves­tor SCP, will Re­al nach der Über­nah­me zer­schla­gen, wie SCP und Me­tro nach der Ver­trags­un­ter­zeich­nung in der Nacht zum Mitt­woch in ei­ner ge­mein­sa­men Mit­tei­lung be­kräf­tig­ten. Ein Groß­teil der 276 Re­al-Märk­te soll an Wett­be­wer­ber wie Kauf­land, Glo­bus oder Ede­ka ver­kauft wer­den. Nur ein Kern von 50 Fi­lia­len soll noch 24 Mo­na­te un­ter dem Na­men Re­al wei­ter­ge­führt wer­den. Rund 30 Fi­lia­len sol­len man­gels Zu­kunfts­per­spek­ti­ven ge­schlos­sen wer­den.

Mit wel­cher Fi­lia­le was ge­sche­hen soll, lie­ßen die Be­tei­lig­ten al­ler­dings zu­nächst of­fen. Da ein Wei­ter­ver­kauf vom Bun­des­kar­tell­amt ge­prüft wer­den müss­te, kann es auch noch dau­ern, bis hier Klar­heit herrscht.

Bei der Ge­werk­schaft Ver­di lie­ßen die An­kün­di­gun­gen von SCP und Me­tro aber die Alarm­glo­cken schril­len. Der Bun­des­fach­grup­pen­lei­ter Ein­zel­han­del, Or­han Ak­man, sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur: "Es wirkt wie ei­ne Be­ru­hi­gungs­pil­le, dass an­geb­lich nur 30 Fi­lia­len ge­schlos­sen wer­den sol­len. Wir be­fürch­ten, dass die Zahl noch deut­lich stei­gen könn­te. Denn was am En­de aus den 50 Fi­lia­len wird, die erst ein­mal wei­ter­be­trie­ben wer­den sol­len, ist völ­lig un­klar. Die SCP hat ja kei­ner­lei Er­fah­rung mit dem Le­bens­mit­tel­han­del."

SCP-Group-Che­fin Mar­jo­rie Bra­bet-Friel kün­dig­te an, der Fi­nanz­in­ves­tor wer­de ver­su­chen, "Schlie­ßun­gen und Ent­las­sun­gen so weit wie mög­lich zu ver­mei­den". Doch hän­ge das wei­te­re Vor­ge­hen von SCP auch vom künf­ti­gen En­ga­ge­ment der an­de­ren Be­tei­lig­ten, von den Mit­ar­bei­tern, Be­triebs­rä­ten und Ge­werk­schaf­ten über die Po­li­tik bis hin zu den Ver­mie­tern ab.

Dem "Han­dels­blatt" sag­te Bra­bet-Friel, "wir tref­fen kei­ne über­has­te­ten Ent­schei­dun­gen und ge­ben Re­al ei­ne fai­re Chan­ce". Ziel ist es, "so vie­le Ar­beits­plät­ze wie mög­lich zu ret­ten". Kei­ne Zu­kunft sieht sie für den On­line­markt­platz re­al.de im Un­ter­neh­men: "Den wol­len wir nicht sel­ber be­trei­ben, für die­sen Teil des Un­ter­neh­mens su­chen wir ei­nen Käu­fer."

Die Su­per­markt­ket­te Re­al war zu­letzt das Sor­gen­kind bei dem Düs­sel­dor­fer Han­dels­rie­sen und hat­te im Ge­schäfts­jahr 2018/19 für tief­ro­te Zah­len bei der Me­tro ge­sorgt. Die meist auf der grü­nen Wie­se ge­le­ge­nen Hy­per­märk­te lit­ten seit Jah­ren un­ter den ver­än­der­ten Ein­kaufs­ge­wohn­hei­ten in Deutsch­land. Im­mer öf­ter lie­ßen die Kun­den die Hy­per­märk­te links lie­gen und kauf­ten lie­ber in Su­per­märk­ten und bei Dis­coun­tern in ih­ren Wohn­vier­teln.

Die Me­tro er­war­tet durch den Ver­kauf ei­nen Net­to-Mit­tel­zu­fluss in Hö­he von rund 300 Mil­lio­nen EUR. Das sind 200 Mil­lio­nen EUR we­ni­ger als noch vor we­ni­gen Mo­na­ten er­hofft.

Me­tro-Chef Koch zeigt sich er­leich­tert, dass der größ­te Teil der Re­al-Stand­or­te nach den Plä­nen des Käu­fers auch in Zu­kunft wei­ter für Ein­zel­han­del ge­nutzt wer­den soll. "Vie­le der er­fah­re­nen und qua­li­fi­zier­ten Re­al-Mit­ar­bei­ter ha­ben ei­ne gu­te Chan­ce auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung", mein­te er. Für Be­schäf­tig­te, die aus be­trieb­li­chen Grün­den ih­re Stel­le ver­lie­ren, wur­de ei­ne Ab­fin­dungs­re­ge­lung ver­ein­bart. Für die Me­tro sei der Ver­kauf der letz­te gro­ße Schritt auf dem Weg zum rei­nen Groß­händ­ler, be­ton­te Koch.

Der Ver­trag steht noch un­ter dem Vor­be­halt der Ge­neh­mi­gung des Auf­sichts­gre­mi­ums der rus­si­schen Sis­te­ma PJSFC, die die Fi­nan­zie­rung der Über­nah­me si­cher­stellt. Sis­te­ma teil­te eben­falls am Diens­tag in Mos­kau mit, dass man da­für bis zu 263 Mil­lio­nen EUR zur Ver­fü­gung stel­le. Auch die Wett­be­werbs­be­hör­den müs­sen noch zu­stim­men.

Die Me­tro hat­te be­reits 2018 an­ge­kün­digt, die Su­per­markt­ket­te ab­ge­ben zu wol­len, um sich ganz auf das Groß­han­dels­ge­schäft mit Gas­tro­no­men und klei­nen Händ­lern kon­zen­trie­ren zu kön­nen. Doch er­wies sich der Ver­kaufs­pro­zess als deut­lich schwie­ri­ger als er­war­tet.

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Letzte Überarbeitung: 20. Februar 2020

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