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ARBEITSRECHT AKTUELL // 17/283

Sie­mens: Ge­werk­schaft und Be­triebs­rat kri­ti­sie­ren Kon­zern­füh­rung

Die IG Me­tall und der Sie­mens Ge­samt­be­triebs­rat be­män­geln in ei­nem of­fe­nen Brief den Um­gang mit den Be­schäf­tig­ten im Hin­blick auf die ge­plan­te Neu­aus­rich­tung.
Stellenabbau, Entlassungen, Entlassungswelle

09.11.2017. (dpa/wie) - Nach­dem der Elek­tro­nik-Kon­zern Sie­mens be­reits im Mai ein Maß­nah­men­pa­ket zur Neu­aus­rich­tung ei­ni­ger Un­ter­neh­mens­tei­le vor­ge­stellt hat, um sich für den di­gi­ta­len Wan­del zu wapp­nen (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/131 Neu­aus­rich­tung bei Sie­mens soll Jobs kos­ten), gibt es nun wei­te­re Spar­ten, in de­nen Stel­len­strei­chun­gen dro­hen.

Wie im Ok­to­ber be­kannt wur­de, könn­ten in­ter­nen Ein­spa­rungs­plä­nen zu­fol­ge in der Kraft­werks­par­te und im Be­reich Pro­zess­in­dus­trie und An­trie­be tau­sen­de Ar­beits­plät­ze weg­fal­len. Auf­grund von Auf­trags­flau­ten und ho­hem Preis­druck sol­len vie­le Stand­or­te ge­schlos­sen wer­den.

Dass sich die­se Nach­richt über die Me­di­en ver­brei­te­te und nicht von der Kon­zern­füh­rung kom­mu­ni­ziert wur­de, sorg­te für Un­mut u.a. bei der IG Me­tall. "Wir be­wer­ten es als un­säg­lich, dass er­neu­te tau­sen­de Mit­ar­bei­ter auf die­se Wei­se ver­un­si­chert wer­den", sag­te ein Spre­cher da­mals. Au­ßer­dem sei­en wei­te­re Maß­nah­men in der Kraft­werks­par­te nicht nach­voll­zieh­bar, da dort be­reits ein Spar­pro­gramm um­ge­setzt wer­den und man "im No­vem­ber mit ei­nem sehr statt­li­chen Ge­winn für das Ge­samt­jahr" rech­ne.

Das Un­ter­neh­men woll­te die Be­rich­te nicht nä­her kom­men­tie­ren. Man wür­de sich "kon­ti­nu­ier­lich Ge­dan­ken über die stra­te­gisch rich­ti­ge Auf­stel­lung un­se­rer Ge­schäf­te ma­chen", er­klär­te ein Spre­cher.

In ei­nem of­fe­nen Brief an Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser und Per­so­nal­che­fin Ja­ni­na Ku­gel ver­schärf­ten Ge­samt­be­triebs­rats­che­fin Bir­git St­ein­born und IG-Me­tall-Vor­stands­mit­glied Jür­gen Ker­ner den Ton noch­mals. An­lass war die wei­ter­hin man­gel­haf­te Kom­mu­ni­ka­ti­on des Elek­tro­un­ter­neh­mens. So sei der Ge­samt­be­triebs­rat erst über den Ter­min für die ent­schei­den­de Sit­zung des Wirt­schafts­aus­schus­ses un­ter­rich­tet wor­den, als die­ser be­reits in den Me­di­en kur­sier­te. In die­sem Aus­schuss sol­len die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter über die De­tails der Plä­ne in­for­miert wer­den.

Die Vor­ge­hens­wei­se der Kon­zern­füh­rung sei "un­wür­dig und be­schä­mend" und ein "Schlag ins Ge­sicht der Mit­ar­bei­ter und der Mit­be­stim­mungs­kul­tur", heißt es auf der the­men­be­zo­ge­nen Web­sei­te "Sie­mens Dia­log" der Ge­werk­schaft. "Un­se­re Be­leg­schaf­ten müs­sen be­tei­li­gungs­ori­en­tiert und fair ein­be­zo­gen wer­den."

Kri­tik gab es auch auf po­li­ti­scher Ebe­ne. Da ins­be­son­de­re der Os­ten von den Um­bau­maß­nah­men be­trof­fen sein soll, mel­de­ten sich die Re­gie­rungs­chefs der öst­li­chen Bun­des­län­der zu Wort. Soll­te Sie­mens be­schlie­ßen, "die Stand­or­te in un­se­ren Län­dern zu re­du­zie­ren bzw. er­satz­los zu schlie­ßen, kön­nen und wer­den wir dies nicht ak­zep­tie­ren", hieß es in ei­ner ge­mein­sa­men Mit­tei­lung von Mi­cha­el Mül­ler (SPD, Ber­lin), Diet­mar Wo­id­ke (SPD, Bran­den­burg), Sta­nislaw Til­lich (CDU, Sach­sen) und Bo­do Ra­me­low (Lin­ke, Thü­rin­gen).

Die IG Me­tall plant für die heu­ti­ge Sie­mens-Bi­lanz-Pres­se­kon­fe­renz ei­ne Pro­test­ak­ti­on vor der Kon­zern­zen­tra­le in Mün­chen.


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Letzte Überarbeitung: 9. November 2017

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