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Su­per­märk­te sol­len Le­bens­mit­tel spen­den statt weg­zu­wer­fen

Nach Ab­lauf des Min­dest­halt­bar­keits­da­tums lan­den vie­le gu­te Le­bens­mit­tel im Müll. Ham­burgs Ver­brau­cher­schutz­se­na­to­rin will Su­per­märk­te in die Ver­ant­wor­tung neh­men
Mitarbeiter und Mitarbeiterin im Supermarkt, Einzelhandel

07.08.2019. (dpa/fle) - Su­per­märk­te sol­len noch ess­ba­re Le­bens­mit­tel künf­tig nicht mehr in den Ab­fall wer­fen, son­dern an Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ab­ge­ben müs­sen.

Für ein sol­ches Ge­setz plä­diert Ham­burgs Ver­brau­cher­schutz­se­na­to­rin Cor­ne­lia Prü­fer-Storcks (SPD).

"Le­bens­mit­tel, die noch ge­nieß­bar sind, ge­hö­ren nicht auf den Müll", sag­te die Se­na­to­rin am Mitt­woch bei ei­nem Be­such des Ver­eins Ham­bur­ger Ta­fel im Stadt­teil Jen­feld. Der Se­nat wer­de in Kür­ze ei­ne Bun­des­rats­in­itia­ti­ve be­schlie­ßen. Da­mit soll der Bund auf­ge­for­dert wer­den, die Ver­pflich­tung zum Spen­den ge­setz­lich zu re­geln.

Deutsch­land ha­be sich im Rah­men der UN ver­pflich­tet, die Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung auf Ein­zel­han­dels- und Ver­brau­che­r­e­be­ne bis 2030 zu hal­bie­ren, be­grün­de­te Prü­fer-Storcks ih­ren Vor­stoß. Frank­reich, Bel­gi­en, Ita­li­en und Tsche­chi­en hät­ten be­reits Ge­set­ze die­ser Art er­las­sen. Bun­des­er­näh­rungs­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner (CDU) set­ze auf Frei­wil­lig­keit, kri­ti­sier­te Prü­fer-Storcks und füg­te hin­zu: "Ich bin der Mei­nung, die­ses Prin­zip funk­tio­niert nicht."

Rund 180 Su­per­märk­te be­lie­fern be­reits die Ham­bur­ger Ta­fel, die die Le­bens­mit­tel kos­ten­los an Hartz-IV-Emp­fän­ger und an­de­re Be­dürf­ti­ge wei­ter­gibt, wie der Vor­sit­zen­de der Or­ga­ni­sa­ti­on, Mats Re­gen­bo­gen, sag­te. Es ge­be aber deut­lich mehr Su­per­märk­te, und "es wä­re schön, wenn sich noch mehr be­tei­li­gen wür­den."

Er be­grüß­te die Initia­ti­ve der Ge­sund­heits­se­na­to­rin: "Be­reits vor 25 Jah­ren war die Ret­tung von ge­nieß­ba­ren Le­bens­mit­teln zu Guns­ten Be­dürf­ti­ger aus­schlag­ge­bend für mei­ne Groß­mut­ter (An­ne­ma­rie Do­se), die Ham­bur­ger Ta­fel e.V. zu grün­den." Prü­fer-Storcks be­ton­te, dass sie die ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen aber nicht zur Ab­nah­me der Le­bens­mit­tel­spen­den ver­pflich­ten wol­le.

Sie zi­tier­te ei­ne Stu­die der Um­welt­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on WWF aus dem Jahr 2015, wo­nach jähr­lich 18 Mil­lio­nen Ton­nen Nah­rungs­mit­tel in Deutsch­land im Ab­fall lan­den. 14 Pro­zent da­von gin­gen im Groß- und Ein­zel­han­del ver­lo­ren, 39 Pro­zent beim End­ver­brau­cher. Mit ih­rer Initia­ti­ve wol­le sie beim Han­del an­set­zen, weil dort der An­teil noch ver­wert­ba­rer Le­bens­mit­tel be­son­ders hoch sei, sag­te Prü­fer-Storcks. Laut WWF sind es 2,4 Mil­lio­nen Ton­nen.

Sie rief zu­gleich die Ver­brau­cher auf, Jo­gurt, Milch, Nu­deln und vie­le an­de­re Pro­duk­te auch nach Ab­lauf des Min­dest­halt­bar­keits­da­tums noch zu es­sen. Das Halt­bar­keits­da­tum sa­ge über­haupt nichts über die Ver­wend­bar­keit aus. Die Ver­brau­cher soll­ten viel­mehr ih­rem Ge­schmack und In­stinkt trau­en, emp­fahl die Se­na­to­rin.

Die Ham­bur­ger Ta­fel ver­teilt nach ei­ge­nen An­ga­ben pro Wo­che 40 Ton­nen Le­bens­mit­tel an 20.000 Be­dürf­ti­ge in Ham­burg und ganz Nord­deutsch­land. Wie viel von den ei­ge­nen Wa­ren im Ab­fall lan­det, konn­te Vor­stand Wolf­gang De­mel nicht sa­gen. Fri­sche Le­bens­mit­tel wür­den noch am sel­ben Tag wei­ter­ge­ge­ben, län­ger halt­ba­re Pro­duk­te kom­men zu­nächst ins La­ger nach Jen­feld.

Das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum spielt bei der Ab­nah­me der Spen­den ei­ne zen­tra­le Rol­le. "Mit Le­bens­mit­tel­in­fek­tio­nen und Schim­mel­pilz­gif­ten ist nicht zu spa­ßen", heißt es in ei­nem im La­ger aus­lie­gen­den Merk­blatt der Ver­brau­cher­schutz­zen­tra­le Ham­burg. Mehr als 200.000 Men­schen er­krank­ten dar­an pro Jahr.

Ne­ben Kon­ser­ven, Mi­ne­ral­was­ser und Scho­ko­la­den-Os­ter­ha­sen la­ger­te bei der Ta­fel am Mitt­woch auch ei­ne Pa­let­te mit Wein. Al­ko­hol wer­de aber nicht wei­ter­ge­ge­ben, be­ton­te Vor­stands­mit­glied Ju­lia Bau­er. Der Wein sei für die Fei­er zum 25. Grün­dungs­ju­bi­lä­um der Or­ga­ni­sa­ti­on im No­vem­ber ge­dacht.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 7. August 2019

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