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Teil­ha­be­chan­cen­ge­setz be­ginnt zu wir­ken

Da­mit auch Lang­zeit­ar­beits­lo­se vom Be­schäf­ti­gungs­boom pro­fi­tier­ten, hilft der Staat. Nun sind die ers­ten Er­fol­ge er­kenn­bar
Schreiben der Bundesagentur für Arbeit mit darauf liegenden Geldscheinen

05.11.2019. (dpa/fle) - Das neue Teil­ha­be­chan­cen­ge­setz des Bun­des zur In­te­gra­ti­on von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen im Ar­beits­le­ben be­ginnt in Meck­len­burg-Vor­pom­mern zu wir­ken.

Der­zeit wür­den im Land rund 1.100 Per­so­nen von der seit Jah­res­be­ginn mög­li­chen För­de­rung pro­fi­tie­ren, teil­te Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Gla­we (CDU) am Diens­tag in Schwe­rin mit.

Zu­dem bie­te die mit EU-Mit­teln fi­nan­zier­te Bür­ger­ar­beit, in die im Nord­os­ten ins­ge­samt et­wa 380 Men­schen in­te­griert sei­en, ei­ne trag­fä­hi­ge Brü­cke zu ei­nem fes­ten Job. "Wer lan­ge Zeit fern vom Ar­beits­markt war, der braucht ei­ne Chan­ce und auch Zeit, sich wie­der her­an­zu­ar­bei­ten. Das Sys­tem von för­dern und for­dern funk­tio­niert", zeig­te sich Gla­we si­cher.

Die seit Jah­res­be­ginn gel­ten­den För­der­kon­di­tio­nen sei­en at­trak­tiv, kon­sta­tier­te der Mi­nis­ter und hob zu­gleich das En­ga­ge­ment der Un­ter­neh­mer her­vor: "Hier steckt aber auch viel En­ga­ge­ment der Be­trie­be drin, wenn sie Frau­en und Män­ner, die lan­ge nicht im Er­werbs­le­ben stan­den, wie­der ei­ne Chan­ce in ih­rem Be­trieb ge­ben."

Im Rah­men des mit vier Mil­li­ar­den EUR aus­ge­stat­te­ten und über fünf Jah­re lau­fen­den Teil­ha­be­ge­set­zes er­hal­te Meck­len­burg-Vor­pom­mern im lau­fen­den Jahr zehn Mil­lio­nen EUR, sag­te Mar­git Haupt-Ko­op­mann, Che­fin der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Nord der Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Bis­lang wür­den da­mit fünf­jäh­ri­ge Ein­glie­de­rungs­pro­gram­me für 836 schwer ver­mit­tel­ba­re Ar­beit­neh­mer fi­nan­ziert. Ar­beit­ge­ber er­hiel­ten da­bei im ers­ten Jahr den zu zah­len­den Ta­rif­lohn voll­stän­dig er­stat­tet. Die staat­li­che Zu­wen­dung sin­ke dann um jähr­lich 10 Pro­zent. Wei­te­re 280 Lang­zeit­ar­beits­lo­se sei­en in ei­nem über zwei Jah­re lau­fen­den Ein­glie­de­rungs­pro­gramm un­ter­ge­bracht.

Nach An­ga­ben von Haupt-Ko­op­mann kön­nen bis zum Jah­res­en­de ins­ge­samt 300 wei­te­re Stel­len in bei­den Pro­gram­men be­setzt wer­den. "Wir ge­ben das kla­re Si­gnal, dass wir kei­nen auf­ge­ben", sag­te die Agen­tur­che­fin. Zum ei­nen su­che die Wirt­schaft hän­de­rin­gend nach Ar­beits­kräf­ten und zum an­de­ren bräuch­ten Men­schen oh­ne Ar­beit wie­der be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven.

"Es geht nicht um Ein-Eu­ro-Jobs, es geht um so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung zu Ta­rif­löh­nen", be­ton­te sie. Fast ein Vier­tel der Lang­zeit­ar­beit­lo­sen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern sei vier Jah­re und län­ger oh­ne re­gu­lä­ren Job. Die­sen Men­schen wie­der ein ge­re­gel­tes Ar­beits­le­ben zu er­mög­li­chen, mit Coa­ches, die auch über Klip­pen im All­tag hin­weg­hel­fen, sei auch von gro­ßer so­zia­ler Be­deu­tung für die be­trof­fe­nen Fa­mi­li­en: "Wir wol­len nicht, dass sich Hartz IV ver­erbt", be­ton­te Haupt-Ko­op­mann.

En­de Ok­to­ber wa­ren in Meck­len­burg-Vor­pom­mern noch 53.500 Men­schen ar­beits­los ge­mel­det. Rund 18.900 da­von wa­ren län­ger als ein Jahr oh­ne Job und gel­ten so­mit als lang­zeit­ar­beits­los. Das war je­der Drit­te. Doch mach­te Gla­we dar­auf auf­merk­sam, dass sich die Zahl der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen im Nord­os­ten in den zu­rück­lie­gen­den fünf Jah­ren von 33.000 auf nun knapp 19.000 ver­rin­gert ha­be.

Der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on im Land­tag, Tors­ten Ko­p­lin, warn­te vor ver­früh­ten Lo­bes­hym­nen auf das Teil­ha­be­chan­cen­ge­setz. "Über das In­stru­ment, wel­ches das Bun­des­pro­gramm "So­zia­le Teil­ha­be am Ar­beits­markt" ab­ge­löst hat, wer­den un­term Strich in M-V ge­ra­de ein­mal 214 Frau­en und Män­ner mehr ge­för­dert als vor ei­nem Jahr", kon­sta­tier­te Ko­p­lin. Es blei­be zu­dem ab­zu­war­ten, wie nach­hal­tig die För­de­rung wir­ke und ob die Män­ner und Frau­en auch oh­ne För­de­rung noch in Be­schäf­ti­gung blei­ben.

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Letzte Überarbeitung: 7. November 2019

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