HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/225

Über­nah­me von Os­ram ge­schei­tert

Der ös­ter­rei­chi­sche Sen­sor­her­stel­ler AMS schei­tert mit dem Plan, Os­ram zu über­neh­men. Die Zu­kunft von Os­ram ist nun un­ge­wiss
Glühlampe in dunklem Raum

04.10.2019. (dpa/fle) - Die ge­plan­te Über­nah­me des Be­leuch­tungs­her­stel­lers Os­ram ist ge­platzt

Der ös­ter­rei­chi­sche Sen­sor­her­stel­ler AMS hat das selbst ge­setz­te Ziel ver­fehlt, 62,5 Pro­zent der Os­ram-An­tei­le un­ter sei­ne Kon­trol­le zu brin­gen, wie das Un­ter­neh­men aus der Stei­er­mark am Frei­tag­abend mit­teil­te.

AMS-Vor­stands­chef Alex­an­der Ever­ke brach­te le­dig­lich die Ei­gen­tü­mer von et­was mehr als der Hälf­te der Os­ram-Ak­ti­en auf sei­ne Sei­te, die die Of­fer­te von 41 EUR je Ak­tie an­nah­men. Der Kurs der Os­ram-Ak­tie rutsch­te an­schlie­ßend im au­ßer­börs­li­chen Han­del so­fort ab.

Ever­ke will sei­nen Traum von der Er­schaf­fung ei­nes Welt­cham­pi­ons für op­ti­sche Sen­so­ren und Op­to­elek­tro­nik aber nicht auf­ge­ben: "Un­se­re Vi­si­on mit Os­ram ist es, ei­nen glo­bal füh­ren­den An­bie­ter von Sen­so­rik­lö­sun­gen und Pho­to­nik zu schaf­fen, der auf eu­ro­päi­scher Tech­no­lo­gie ba­siert und da­mit si­cher­stellt, dass Eu­ro­pa sei­ne welt­wei­te Spit­zen­stel­lung bei op­ti­schen Tech­no­lo­gi­en bei­be­hält", er­klär­te der Ma­na­ger.

Doch Os­ram wür­de lie­ber selbst­stän­dig blei­ben: "Nach dem Schei­tern der bis­he­ri­gen Über­nah­me­ver­su­che be­hal­ten wir jetzt un­se­re Ei­gens­tändig­keit und ge­stal­ten un­se­re Zu­kunft selbst", er­klär­te an­schlie­ßend Olaf Ber­li­en, Vor­stands­chef von Os­ram. Das Ma­nage­ment des Münch­ner Be­leuch­tungs­her­stel­lers lud die AMS-Führung zu Ge­sprächen ein, "wie ei­ne sinn­vol­le und für bei­de Un­ter­neh­men vor­teil­haf­te Ko­ope­ra­ti­on im Rah­men der ge­setz­li­chen Vor­ga­ben aus­se­hen könn­te".

Os­ram-Vor­stand und Auf­sichts­rat hat­ten das Über­nah­me­an­ge­bot von AMS zwar be­für­wor­tet, aber mit so vie­len Be­den­ken, dass dies von vie­len als ver­steck­tes Nein ge­wer­tet wur­de. Die IG Me­tall lehnt ei­ne Über­nah­me durch AMS oh­ne­hin strikt ab, weil die Ge­werk­schaft ei­ne Zer­schla­gung Os­rams fürch­te­te. Die mehr­wö­chi­ge Bie­ter­schlacht war von zwei US-Fi­nanz­in­ves­to­ren ge­star­tet wor­den, die aber nur 35 EUR je Ak­tie bo­ten und des­halb kei­ne Chan­ce hat­ten.

Os­ram bleibt nun selbst­stän­dig, doch schreibt das Un­ter­neh­men ho­he Ver­lus­te. AMS hat im Ver­lauf der Bie­ter­schlacht knapp 20 Pro­zent der Os­ram-Ak­ti­en an der Bör­se ge­kauft und ist da­mit jetzt größ­ter An­teils­eig­ner. Ei­ne Haupt­sor­ge bei Os­ram war die Fi­nan­zie­rung. Os­ram-Vor­stands­chef Olaf Ber­li­en und der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de Pe­ter Bau­er hat­ten sich ent­schie­den, ih­re ei­ge­nen Ak­ti­en nicht an AMS zu ver­kau­fen.

Denn um Os­ram über­neh­men zu kön­nen, woll­te die we­sent­lich klei­ne­re AMS un­ge­ach­tet ei­ner jetzt schon ho­hen lang­fris­ti­gen Ver­schul­dung von mehr als 1,4 Mil­li­ar­den EUR wei­te­re Kre­di­te in Hö­he von knapp 3,9 Mil­li­ar­den EUR auf­neh­men. Aus die­sem Grund sind auch die IG Me­tall und der Os­ram-Be­triebs­rat ge­gen die Über­nah­me - die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter fürch­ten ei­ne Zer­schla­gung Os­rams, da­mit wür­den letzt­lich die welt­weit 24.000 Mit­ar­bei­ter die Kos­ten der Über­nah­me tra­gen.

"Wir be­kräf­ti­gen un­se­re For­de­rung nach Zu­kunfts­in­ves­ti­tio­nen für Os­ram und den Ab­schluss rechts­si­che­rer Ver­ein­ba­run­gen zur Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung", sag­te Ire­ne Schulz, ge­schäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der IG Me­tall. "Nur mit In­ves­ti­tio­nen und Si­cher­heit für die Be­schäf­tig­ten wird Os­ram in der Trans­for­ma­ti­on er­folg­reich be­ste­hen."

Fri­sches ei­ge­nes Geld woll­te sich AMS mit ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung be­schaf­fen - der Plan sah vor, neue Ak­ti­en für 1,5 Mil­li­ar­den EUR aus­zu­ge­ben und zu ver­kau­fen.

Os­ram-Vor­stand und Auf­sichts­rat hat­ten ur­sprüng­lich ei­ne Über­nah­me durch die zwei US-Fi­nanz­in­ves­to­ren Bain Ca­pi­tal und Car­lyle be­für­wor­tet. We­gen des ra­san­ten tech­no­lo­gi­schen Wan­dels in der Be­leuch­tungs­bran­che sind laut Os­ram-Füh­rungs­eta­ge per­ma­nen­te In­ves­ti­tio­nen not­wen­dig.

Doch da das über 110 Jah­re al­te Un­ter­neh­men der­zeit Ver­lus­te schreibt, ist die Fi­nan­zie­rung von Zu­kunfts­pro­jek­ten sehr schwie­rig. Die Über­nah­me durch die In­ves­to­ren hät­te Os­ram nach Ein­schät­zung des Ma­nage­ments so­wohl Geld als auch Pla­nungs­si­cher­heit für die nächs­ten Jah­re ver­schafft. AMS-Chef Ever­ke will je­den­falls auf Grund­la­ge des 19,99 Pro­zent-An­teils an Os­ram sei­ne Über­nah­me­plä­ne wei­ter ver­fol­gen. 

Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­ter Hu­bert Ai­wan­ger (Freie Wäh­ler) for­der­te: "Wich­tig sind lang­fris­ti­ge Be­schäf­ti­gungs­per­spek­ti­ven für die Mit­ar­bei­ter der Os­ram Licht AG, der Er­halt der baye­ri­schen Stand­or­te so­wie die Bei­be­hal­tung be­zie­hungs­wei­se Wei­ter­ent­wick­lung der Mar­ke Os­ram am Haupt­sitz in Mün­chen."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. Oktober 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de