HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/018

Un­ge­wöhn­li­ches Si­gnal der IG-Me­tall

Die IG-Me­tall bie­tet den Ver­zicht auf ei­ne kon­kre­te Lohn­for­de­rung in der kom­men­den Me­tall-Ta­rif­run­de an
Streik_Arbeiter_

24.01.2020. (dpa/fle) - Die IG Me­tall will in der an­ste­hen­den Ta­rif­run­de für die deut­sche Me­tall-und Elek­tro­in­dus­trie zu­nächst auf ei­ne kon­kre­te Lohn­for­de­rung ver­zich­ten.

Am Frei­tag for­der­te der Ers­te Vor­sit­zen­de Jörg Hof­mann die Ar­beit­ge­ber zu Ver­hand­lun­gen über ein "Zu­kunfts­pa­ket" für die rund 4 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten auf.

Die Un­ter­neh­men soll­ten bis zum 3. Fe­bru­ar er­klä­ren, ob sie an Ver­hand­lun­gen über Kün­di­gungs­ver­zicht, künf­ti­ge In­ves­ti­tio­nen, Kurz­ar­beit und Qua­li­fi­zie­run­gen teil­neh­men wol­len. Ziel sei ei­ne Ei­ni­gung zu ta­rif­li­chen As­pek­ten des Zu­kunfts­pa­kets und Ent­gelt noch vor En­de der Frie­dens­pflicht am 28. April. Soll­ten die Ar­beit­ge­ber zu die­sem "Mo­ra­to­ri­um für ei­nen fai­ren Wan­del" nicht be­reit sein, wer­de die IG Me­tall doch noch ei­ne Lohn­for­de­rung auf­stel­len und ei­ne "kon­flik­tä­re" Ta­rif­run­de star­ten, die dann halt ent­spre­chend spä­ter zu ei­nem Ab­schluss kom­me.

Nach Vor­stel­lun­gen der Ge­werk­schaft soll­te je­des Un­ter­neh­men mit­ten im di­gi­ta­len und öko­lo­gi­schen Wan­del kon­kre­te Plä­ne für die Zu­kunft ent­wi­ckeln. Rund die Hälf­te der Be­trie­be ha­be da­zu aber noch kei­ne oder kei­ne aus­rei­chen­den Stra­te­gie, kri­ti­sier­te Hof­mann. Die IG Me­tall ver­lan­ge da­her Ver­hand­lungs­be­reit­schaft zu be­trieb­li­chen Zu­kunfts­ver­trä­gen mit kon­kre­ten In­ves­ti­ti­ons- und Be­schäf­ti­gungs­per­spek­ti­ven.

Mit den Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den wol­le man den "Werk­zeug­kas­ten" zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung er­wei­tern, sag­te Hof­mann. Die Ge­werk­schaft ver­langt hier mehr Al­ters­teil­zeit, mehr Rech­te zur be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung so­wie die mög­lichst ein­kom­mens­neu­tra­le Ab­sen­kung des Ar­beits­vo­lu­mens, wenn die Aus­las­tung sinkt. Die ta­rif­ge­bun­de­nen Fir­men sol­len sich für das Mo­ra­to­ri­um be­reit er­klä­ren, kei­ne ein­sei­ti­gen Job­strei­chun­gen oder Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen zu ver­an­las­sen. Statt Stel­len­strei­chun­gen sol­len kür­ze­re Ar­beits­zei­ten, Kurz­ar­beit und Wei­ter­bil­dung grei­fen.

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall re­agier­te po­si­tiv auf den Ver­hand­lungs­vor­schlag. "Wir be­grü­ßen, dass die IG Me­tall den Ernst der La­ge an­er­kennt", hieß es beim Ver­band in Ber­lin. Je­des Un­ter­neh­men prü­fe be­reits un­un­ter­bro­chen, ob Pro­duk­te, Pro­duk­ti­on, Ge­schäfts­mo­del­le und Wert­schöp­fungs­ket­ten noch pass­ten. "Wel­che Vor­aus­set­zun­gen not­wen­dig sind, den Struk­tur­wan­del an­zu­ge­hen, und wie wir als So­zi­al­part­ner un­se­ren Bei­trag da­zu leis­ten kön­nen, muss auch aus un­se­rer Sicht im Mit­tel­punkt der Ta­rif­run­de ste­hen."

Die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Un­ter­neh­men ha­be als Ga­rant je­der Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung obers­te Prio­ri­tät, mahn­te NRW-Me­tall-Prä­si­dent Arndt Kirch­hoff. "In dem vom Vor­sit­zen­den der IG Me­tall vor­ge­schla­ge­nen Pro­zess kann es nur dar­um ge­hen, ef­fi­zi­en­te ta­rif­li­che In­stru­men­te zu ent­wi­ckeln, die die Un­ter­neh­men der Bran­che in ei­nem sehr schwie­ri­gen Um­feld un­ter­stüt­zen."

Der Schwer­punkt zur Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung war be­reits bei den Auf­takt­sit­zun­gen der re­gio­na­len Ta­rif­kom­mis­sio­nen in den ver­gan­ge­nen Wo­chen deut­lich ge­wor­den. Hö­he­re Ent­gel­te für die rund 4 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie sol­len zwar eben­falls durch­ge­setzt wer­den, ste­hen aber nicht im Mit­tel­punkt der ge­werk­schaft­li­chen De­bat­te. Auch Hof­mann be­ton­te, dass die Kauf­kraft der Be­schäf­tig­ten ge­stärkt wer­den müs­se. Das wür­de ei­nen Ab­schluss ober­halb der In­fla­ti­on be­deu­ten. Ein En­de der Ent­gel­ter­hö­hun­gen wer­de es mit der IG Me­tall nicht ge­ben, sag­te der Ge­werk­schaf­ter.

Der Ver­zicht auf ei­ne kon­kre­te Zahl ist bei der IG Me­tall kein No­vum. Be­reits in der Ta­rif­run­de 2010 hat­te die Ge­werk­schaft an­ge­sichts der welt­wei­ten Wirt­schafts- und Fi­nanz­kri­se nach der Leh­man-Plei­te die Job­si­che­rung in den Vor­der­grund ge­stellt. 2018 hat­te sie 6,0 Pro­zent ver­langt.

Ers­te Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit den Ar­beit­ge­bern sol­len auf re­gio­na­ler Ebe­ne im März be­gin­nen. Die be­ste­hen­den Ta­rif­ver­trä­ge lau­fen zum 31. März aus, die Frie­dens­pflicht en­det am 28. April. Ab dem Fol­ge­tag sind Warn­streiks mög­lich.

Die Ge­werk­schaft agiert nach ei­ge­ner Ein­schät­zung aus ei­ner Po­si­ti­on der Stär­ke. En­de ver­gan­ge­nen Jah­res ha­be man gut 2,26 Mil­lio­nen Mit­glie­der ge­habt, rund 8.000 we­ni­ger als ein Jahr zu­vor. Die Bei­trags­ein­nah­men sei­en den­noch auf den Re­kord­be­trag von 598 Mil­lio­nen EUR ge­stie­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 24. Januar 2020

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2020:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de