HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/040

Was be­deu­tet ein har­ter Brex­it für den deut­schen Ar­beits­markt?

Ei­ner ak­tu­el­len Pro­gno­se Hal­len­ser Wis­sen­schaft­ler zu­fol­ge wür­de ein un­ge­re­gel­ter Brex­it 100.000 deut­sche Ar­beits­plät­ze ge­fähr­den
Europa, Europäische Union, Landesflaggen

13.02.2019. (dpa/fle) - Ein un­ge­ord­ne­ter Brex­it könn­te nach neu­en Be­rech­nun­gen die Ar­beits­plät­ze von 100.000 Per­so­nen in Deutsch­land ge­fähr­den.

Das er­gab ei­ne Si­mu­la­ti­on von Wis­sen­schaft­lern des Leib­niz-In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung Hal­le (IWH) und der Mar­tin-Lu­ther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg.

Ob es ei­ne Ei­ni­gung gibt und vor al­lem wann, ist bis­her un­klar. Am Sonn­tag be­stä­tig­te ei­ne Spre­che­rin der bri­ti­schen Re­gie­rung, dass Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May das Par­la­ment in Lon­don noch ein­mal um mehr Zeit für Nach­ver­hand­lun­gen mit der EU bit­ten wol­le.

Für ei­ne Ab­stim­mung über das wei­te­re Vor­ge­hen ist dem­nach nun der 27. Fe­bru­ar vor­ge­se­hen. Die Op­po­si­ti­on wirft May vor, Zeit zu schin­den, um die Ab­ge­ord­ne­ten kurz vor dem Brex­it-Da­tum am 29. März in ei­ner Friss-oder-stirb-Ab­stim­mung vor die Wahl zwi­schen ih­rem Ver­trag mit der EU und ei­nem un­ge­re­gel­ten Brex­it zu stel­len.

Dass es über­haupt ein Ab­kom­men Groß­bri­tan­ni­ens mit der EU gibt, dürf­te auch für deut­sche Ar­beit­neh­mer von In­ter­es­se sein, wenn man der Un­ter­su­chung aus Hal­le folgt: "In kei­nem an­de­ren Staat ist der Ef­fekt auf die Ge­samt­be­schäf­ti­gung so groß wie in Deutsch­land", sag­te ei­ner der Stu­di­en­au­to­ren, Oli­ver Hol­te­m­öl­ler, der Zei­tung.

Nach ei­nem un­ge­re­gel­ten Brex­it wür­den wie­der Zöl­le auf Im­por­te nach Groß­bri­tan­ni­en er­ho­ben. Die Si­mu­la­ti­on der Wis­sen­schaft­ler er­fas­se nur Jo­beffek­te, die auf den dar­aus fol­gen­den Ex­port­ein­bruch zu­rück­zu­füh­ren sei­en. Wei­te­re Brex­it-Ge­fah­ren für den Ar­beits­markt, et­wa sin­ken­de In­ves­ti­ti­ons­be­reit­schaft, bil­de­ten die Zah­len nicht ab.

In Deutsch­land sei dem­nach von ei­nem Ex­port­rück­gang vor al­lem die Au­to­in­dus­trie be­trof­fen. Die größ­ten Aus­wir­kun­gen gä­be es - ge­mes­sen an der Ge­samt­zahl der Be­schäf­tig­ten - am VW-Stand­ort Wolfs­burg und am BMW-Stand­ort Din­gol­fing-Land­au in Nie­der­bay­ern. Für Wolfs­burg ha­be die For­mel er­ge­ben, dass 500 Ar­beit­neh­mer po­ten­zi­ell be­trof­fen sei­en, für Din­gol­fing-Land­au sei­en es 265. In bei­den Fäl­len ent­sprä­che das rund 0,4 Pro­zent der ge­sam­ten Be­schäf­tig­ten.

Vie­le Ar­beit­neh­mer (726 oder rund 0,3 Pro­zent) müss­ten dem­nach auch im Land­kreis Böb­lin­gen bei Stutt­gart um ih­re Stel­len fürch­ten. Dort sit­zen Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne wie IBM oder Sie­mens, auch Daim­ler hat ein Werk. Ähn­lich sei die Si­tua­ti­on im Mär­ki­schen Kreis im süd­li­chen West­fa­len, wo vie­le mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men mit Aus­lands­ge­schäft sit­zen - laut der For­mel sind hier 703 Stel­len oder 0,3 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten po­ten­zi­ell be­droht.

Zu­sam­men­ge­fasst: Ge­fah­ren se­hen die Wis­sen­schaft­ler vor al­lem für Land­krei­se in Ba­den-Würt­tem­berg, Bay­ern und Nord­rhein-West­fa­len. Jobs in Ost­deutsch­land sei­en da­ge­gen kaum ge­fähr­det.

Nach Deutsch­land sei Frank­reich das EU-Land, des­sen Ar­beits­markt durch ei­nen un­ge­re­gel­ten Brex­it am stärks­ten be­droht sei. Hier sei­en fast 50.000 Ar­beit­neh­mer be­trof­fen. In Chi­na sei­en es knapp 59.000. Ge­mes­sen an der Ge­samt­be­völ­ke­rung sei­en die Aus­wir­kun­gen in Mal­ta und Ir­land am größ­ten. Welt­weit könn­ten den Be­rech­nun­gen zu­fol­ge nach ei­nem un­ge­re­gel­ten Brex­it 612.000 Men­schen ih­re Ar­beit ver­lie­ren.

Die Zah­len sind Er­geb­nis­se ei­ner Si­mu­la­ti­ons­rech­nung: Für die Un­ter­su­chung sind die Au­to­ren da­von aus­ge­gan­gen, dass die Im­por­te Groß­bri­tan­ni­ens nach ei­nem un­ge­ord­ne­ten Brex­it um 25 Pro­zent ein­bre­chen - ein Wert, der gän­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Schät­zun­gen ent­spre­che. Sie ent­wi­ckel­ten ei­ne For­mel, mit der sie be­rech­nen konn­ten, wie sich ein sol­cher Im­port­ein­bruch auf wel­che In­dus­trie und wel­ches Land aus­wirkt. Grund­la­ge da­für wa­ren Da­ten der World In­put Out­put Da­ta­ba­se (WIOD), die die Welt­han­dels­ver­flech­tun­gen von Staa­ten do­ku­men­tiert.

An­de­re Brex­it-Nach­rich­ten dürf­ten Ar­beit­neh­mern in der EU da­ge­gen Hoff­nung ma­chen. Das nie­der­län­di­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um teil­te am Sams­tag mit, dass 42 bri­ti­sche Un­ter­neh­men seit 2018 in die Nie­der­lan­de um­ge­zo­gen sei­en. Da­mit wa­ren dem­nach 291 Mil­lio­nen EUR In­ves­ti­tio­nen ver­bun­den, et­wa 2.000 Ar­beits­plät­ze sei­en ge­schaf­fen wor­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. August 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de