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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/028

Weib­lich, männ­lich oder di­vers?

Seit ei­nem Jahr spre­chen Stel­len­aus­schrei­bun­gen nicht mehr nur zwei Ge­schlech­ter an. Der An­drang ist bis­her über­schau­bar
Regenbogenflagge Homosexualität, Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung

10.02.2020. (dpa/fle) - Ein Jahr nach der Ein­füh­rung der drit­ten Ge­schlechts­ka­te­go­rie "di­vers" sind in deut­schen Groß­kon­zer­nen bis­lang kaum ent­spre­chen­de Be­wer­bun­gen ein­ge­gan­gen.

Seit sich in­ter­se­xu­el­le Men­schen seit An­fang 2019 in der Ka­te­go­rie "di­vers" ins Ge­bur­ten­re­gis­ter ein­tra­gen las­sen kön­nen, müs­sen auch Ar­beit­ge­ber ih­re Stel­len­an­zei­gen ge­schlechts­neu­tral for­mu­lie­ren.

Dies kann et­wa mit den Ab­kür­zun­gen (m/w/d) ge­sche­hen.

Vie­le Un­ter­neh­men ha­ben bis­her kei­ne ein­zi­ge Be­wer­bung in der drit­ten Ka­te­go­rie er­hal­ten, wie ei­ne Um­fra­ge der Deut­schen Pres­se-Agen­tur er­ge­ben hat. Da­zu ge­hö­ren der Phar­ma­kon­zern Bay­er, das Es­se­ner En­er­gie­un­ter­neh­men Eon, die Deut­sche Bank oder Vo­da­fo­ne. An­de­re Un­ter­neh­men ge­ben an, das Ge­schlecht nicht zu er­fas­sen, so die Com­merz­bank oder die Con­ti­nen­tal-Ver­si­che­rung.

Ei­nen Aus­rei­ßer in der Um­fra­ge stellt die Deut­sche Post dar, bei der nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits 700 Be­wer­bun­gen mit der Ge­schlechts­an­ga­be "di­vers" ein­ge­gan­gen sein sol­len. Es kön­ne aber sein, dass sich Men­schen dort ein­grup­piert hät­ten, weil sie sich nicht zu ih­rem Ge­schlecht äu­ßern möch­ten, sag­te ei­ne Spre­che­rin.

Wäh­rend sich die Stel­len­aus­schrei­bun­gen flä­chen­de­ckend an­ge­passt ha­ben, so gibt es im­mer noch gro­ßen Auf­hol­be­darf bei On­line-Shops. Wenn man dort sei­ne Kon­takt­da­ten an­ge­ben muss, so hat man wei­ter­hin oft nur die Aus­wahl zwi­schen "Herr" und "Frau".

Den Än­de­run­gen liegt ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu­grun­de, die die bis­he­ri­ge Pflicht, sich zwi­schen männ­lich und weib­lich ent­schei­den zu müs­sen, als Ver­stoß ge­gen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot wer­te­te. Bei in­ter­se­xu­el­len Men­schen sind die Ge­schlechts­merk­ma­le, al­so et­wa Chro­mo­so­men, Hor­mo­ne und Ge­ni­ta­li­en, nicht ein­deu­tig aus­ge­prägt. Die Nach­fra­ge nach Um­tra­gun­gen blieb in den ers­ten Mo­na­ten nach der Neu­re­ge­lung je­doch sehr ge­ring. Bei den Stan­des­äm­tern der gro­ßen deut­schen Städ­te gab es le­dig­lich ei­ni­ge Dut­zend An­fra­gen zu ver­mel­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. Februar 2020

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