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Wel­che Fol­gen hat die Kon­junk­tur­flau­te?

Han­dels­kon­flik­te und Brex­it be­las­ten die Kon­junk­tur im­mer mehr. Doch wel­che Fol­gen könn­te die­se Kon­junk­tur­flau­te ha­ben?
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02.10.2019. (dpa/fle) - Die deut­sche Wirt­schaft schrammt nach Ein­schät­zung der füh­ren­den Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­te knapp an ei­ner grö­ße­ren Re­zes­si­on vor­bei.

"Aber wir sind nicht drin und ge­ra­ten nach un­se­rer Pro­gno­se auch nicht rein", sag­te Tors­ten Schmidt vom Es­se­ner Leib­niz-In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung am Mitt­woch in Ber­lin.

Trotz­dem bli­cken die In­sti­tu­te skep­tisch auf die Kon­junk­tur, vor al­lem in der In­dus­trie geht es berg­ab. Auch auf dem Ar­beits­markt er­war­ten die Ex­per­ten zu­min­dest ei­nen Dämp­fer.

Im 2. und 3. Quar­tal dürf­te die Wirt­schafts­leis­tung in Deutsch­land ge­schrumpft sein, sa­gen die For­schungs­in­sti­tu­te in ih­rem Herbst­gut­ach­ten. Die Grün­de se­hen sie vor al­lem in den von den USA an­ge­sto­ße­nen Han­dels­kon­flik­ten so­wie dem an­ste­hen­den Brex­it. Schnel­le Bes­se­rung er­war­ten sie nicht - statt­des­sen senk­ten sie ih­re Pro­gno­sen für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in Deutsch­land. Für 2019 er­war­ten die In­sti­tu­te wie die Bun­des­re­gie­rung nur noch ei­nen An­stieg des Brut­to­in­lands­pro­dukts von 0,5 Pro­zent und da­mit 0,3 Pro­zent­punk­te we­ni­ger als im Früh­jahr. Für 2020 ge­hen sie von 1,1 Pro­zent aus - da­von ent­fal­len al­ler­dings 0,4 Punk­te al­lein auf mehr Ar­beits­ta­ge im Ka­len­der.

Trotz­dem war­nen die Ex­per­ten vor Alar­mis­mus. "Von ei­ner tie­fen Kon­junk­tur­kri­se kann nicht ge­spro­chen wer­den", sag­te Claus Mi­chel­sen vom Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW). Um­fas­sen­de Kon­junk­tur­pa­ke­te sei­en nicht nö­tig, die in das So­zi­al­sys­tem ein­ge­bau­ten au­to­ma­ti­schen Sta­bi­li­sa­to­ren wie das Kurz­ar­bei­ter­geld reich­ten aus, um das Tief ab­zu­fan­gen.

Auch von Ab­wrack­prä­mi­en, die zur vor­zei­ti­gen Ver­schrot­tung ei­gent­lich lang­le­bi­ger Kon­sum­gü­ter füh­ren, hal­ten die Wirt­schafts­for­scher nichts. Sie wi­der­sprä­chen "wirt­schaft­li­cher Ra­tio­na­li­tät", sag­te Mi­chel­sen. Statt­des­sen wer­ben die For­scher da­für, im Bun­des­haus­halt neue Schul­den auf­zu­neh­men. "Ein Fest­hal­ten an der schwar­zen Null wä­re [...] schäd­lich", schrei­ben sie in ih­rem Gut­ach­ten. So spa­re man dem Ab­schwung hin­ter­her und ver­stär­ke eher noch ne­ga­ti­ve Ten­den­zen. Wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) da­ge­gen warn­te vor dem Weg in ei­ne neue Po­li­tik der Ver­schul­dung. Er sei für Ent­las­tun­gen bei Steu­ern, So­zi­al­ab­ga­ben und Bü­ro­kra­tie, sag­te er.

Die Schwä­che der deut­schen Wirt­schaft ist in ers­ter Li­nie ei­ne Schwä­che der In­dus­trie. Seit gut ein­ein­halb Jah­ren ist die Pro­duk­ti­on rück­läu­fig, da die Nach­fra­ge in wich­ti­gen Ab­satz­märk­ten schwä­chelt. Al­lein im Kraft­fahr­zeug­bau ging die Pro­duk­ti­on seit Mit­te 2018 um mehr als ein Fünf­tel zu­rück. Die In­dus­trie be­fin­de sich tat­säch­lich in ei­ner Re­zes­si­on, ei­nem Ab­wärts­sog, sagt Mi­chel­sen - und all­mäh­lich strah­le die­se Ent­wick­lung auch auf den Dienst­leis­tungs­sek­tor aus.

Vor al­lem hät­ten die Han­dels­kon­flik­te der USA mit Chi­na und der EU so­wie die Un­klar­heit über den Brex­it Un­ter­neh­men welt­weit ver­un­si­chert. "Und Un­si­cher­heit ist Gift für die In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit", be­ton­te Mi­chel­sen. Deutsch­land tref­fe ei­ne sol­che Ent­wick­lung als Ex­port­na­ti­on be­son­ders.

Für den Ar­beits­markt sind die Wirt­schafts­for­scher op­ti­mis­ti­scher. Die schwa­che Kon­junk­tur wer­de sich nicht eins zu eins aus­wir­ken. Zwar ha­be die Dy­na­mik nach­ge­las­sen und ei­ni­ge Un­ter­neh­men hät­ten zu­letzt Stel­len ab­ge­baut. Trotz­dem wer­de es in die­sem Jahr 380.000 neue Ar­beits­plät­ze ge­ben. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sin­ke wei­ter, al­ler­dings nur noch leicht auf 4,9 Pro­zent im Jahr 2021.

Zu­gleich aber steigt die Kurz­ar­beit. Zwar sei sie noch auf nied­ri­gem Ni­veau und auf ein­zel­ne Bran­chen kon­zen­triert, sag­te Mi­chel­sen. Ti­mo Woll­mers­häu­ser vom Münch­ner Ifo-In­sti­tut aber gab zu be­den­ken, je­de Kurz­ar­beit be­deu­te Ein­kom­mens­ver­lus­te für die Ar­beit­neh­mer, die sich über kurz oder lang auch auf das Kon­sum­ver­hal­ten aus­wirk­ten.

Die Ex­per­ten ge­hen trotz­dem da­von aus, dass die Bür­ger En­de des Jah­res mehr im Geld­beu­tel ha­ben. Die ef­fek­ti­ven St­un­den­ver­diens­te dürf­ten 2019 noch um drei Pro­zent stei­gen, in den Fol­ge­jah­ren dann we­ni­ger. Da die Ver­brau­cher­prei­se um 1,5 Pro­zent zu­leg­ten, stei­ge die Kauf­kraft der pri­va­ten Haus­hal­te. Da­zu kom­men die Kin­der­geld­er­hö­hung, Mit­te 2020 ein An­stieg der Ren­ten und 2021 für die meis­ten die Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schlags. "All dies stützt die Kauf­kraft und da­mit den Kon­sum der pri­va­ten Haus­hal­te", sa­gen die For­scher.

Die In­sti­tu­te ge­hen in ih­rer Pro­gno­se da­von aus, dass sich die welt­wei­ten Han­dels­kon­flik­te nicht noch wei­ter ver­schär­fen und dass Groß­bri­tan­ni­en ge­ord­net aus der EU aus­tritt. Soll­ten die Kon­flik­te zü­gig bei­ge­legt wer­den, dürf­ten Un­ter­neh­men auf der gan­zen Welt schnell wie­der in­ves­tie­ren. Ei­ne Ver­schär­fung da­ge­gen wür­de die deut­sche Wirt­schaft zu­sätz­lich schwä­chen. Das glei­che gilt für ei­nen un­ge­ord­ne­ten Brex­it: Dann dürf­te die deut­sche Wirt­schaft nach Pro­gno­se der Ex­per­ten fak­tisch sta­gnie­ren. Un­si­cher sind die In­sti­tu­te auch hin­sicht­lich der Fra­ge, ob die Wirt­schafts­flau­te le­dig­lich ein nor­ma­ler Ab­schwung ist, der al­le paar Jah­re vor­kommt oder et­was be­son­de­res. "Wir ha­ben ei­ne sehr ra­pi­de Ab­küh­lung der Kon­junk­tur er­lebt", sag­te Mi­chel­sen. Da­her kön­ne man sich fra­gen, ob auf Deutsch­land nicht doch grö­ße­re Pro­ble­me zu­kä­men.

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Letzte Überarbeitung: 2. Oktober 2019

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