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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/007

Wie er­reicht man ei­ne ge­sun­de Kör­per­hal­tung am Schreib­tisch?

Bei or­tho­pä­di­schen Pro­ble­men auf­grund von Bild­schirm­ar­beit soll­te man sich fal­sche Po­si­tio­nen be­wusst ma­chen
Bildschirmarbeit

08.01.2019. (dpa/fle) - Rund 30 Se­kun­den lang ex­tra-krumm vor dem Bild­schirm sit­zen: Das schla­gen For­scher vor, da­mit je­dem be­wusst wird, was ei­ne schlech­te Hal­tung für den Kör­per heißt.

Das Team aus den USA und den Nie­der­lan­den prä­sen­tiert im Jour­nal "Bio­feed­back" noch wei­te­re Ex­pe­ri­men­te zur Kör­per­hal­tung.

Ist der Rü­cken auf­ge­rich­tet und ge­ra­de, so kön­nen die Rü­cken­mus­keln leicht das Ge­wicht des Kop­fes tra­gen, so Mit­au­tor Erik Pe­per von der San Fran­cis­co Sta­te Uni­ver­si­ty. Wenn der Kopf da­ge­gen um 45 Grad nach vor­ne ge­neigt wird, wer­de der Hals zu ei­ner Art lan­gem He­bel und die Be­las­tung ver­viel­fäl­ti­ge sich. Es sei da­her nicht ver­wun­der­lich, dass Men­schen bei die­ser Hal­tung stei­fe Na­cken so­wie Schul­ter- und Rü­cken­schmer­zen be­kä­men.

In der Stu­die soll­ten zu­nächst 87 Stu­den­ten auf­recht sit­zen und den Kopf nach bei­den Sei­ten dre­hen. Dann soll­ten sie ih­ren Kopf nach vor­ne nei­gen und das­sel­be tun. Ers­tes Er­geb­nis: 92 Pro­zent konn­ten ih­ren Kopf nicht mehr so gut dre­hen wie zu­vor. In ei­nem wei­te­ren Ver­such soll­ten 125 Stu­den­ten 30 Se­kun­den in die­ser vor­ge­beug­ten Hal­tung ver­har­ren.

Da­nach be­rich­te­ten 98 Pro­zent von ir­gend­ei­ner Art Schmer­zen im Kopf, im Na­cken oder im Be­reich der Au­gen. Sol­che Ex­pe­ri­men­te, die ei­ne Wir­kung deut­lich ma­chen, sei­en hilf­rei­cher für ei­ne gu­te Hal­tung vor dem Bild­schirm als stän­di­ge Er­mah­nun­gen, ge­ra­de zu sit­zen, schrei­ben die For­scher. Die meis­ten Pro­ban­den sei­en auch über­rascht ge­we­sen, dass sie den Kopf nicht mehr so gut dre­hen konn­ten.

Zwölf Stu­den­ten wur­den per Elek­tro­myo­gra­phie un­ter­sucht. Er­geb­nis: die Hals- und die Tra­pez­mus­keln, die zwi­schen Schul­ter und Wir­bel­säu­le sit­zen und bis zum Na­cken hin­auf­ge­hen, wa­ren in der nach vor­ne ge­neig­ten Po­si­ti­on stär­ker an­ge­spannt.

Bei Kopf-, Na­cken- oder Rü­cken­schmer­zen durch Bild­schirm­ar­beit soll­te man prü­fen, ob der Kopf stets auf­recht in ei­ner Li­nie mit dem Hals ist, ra­ten die For­scher. Um die Auf­merk­sam­keit für ei­ne gu­te Hal­tung zu stei­gern, soll­te man ab­sicht­lich wie­der­holt in die vor­ge­beug­te Hal­tung wech­seln, sie ge­ge­be­nen­falls et­was über­trei­ben und den Sym­pto­men nach­spü­ren. So kön­ne man sich der krum­men Hal­tung be­wusst wer­den und da­mit auf­hö­ren.

In ei­nem wei­te­ren Test soll­ten 125 Stu­den­ten erst ge­ra­de sit­zen und dann das Kinn 30 Se­kun­den lang leicht vor­stre­cken, so dass der Na­cken Fal­ten warf. 98 Pro­zent be­rich­te­ten über Sym­pto­me wie stei­fen Na­cken oder Kopf­weh und wa­ren ver­wun­dert, dass sie so schnell et­was spür­ten. Ei­ni­ge von ih­nen re­gis­trier­ten da­bei je­doch, dass sie vor dem Bild­schirm ge­ne­rell zu die­ser Hal­tung neig­ten und lös­ten das Pro­blem mit ei­ner Bril­le oder durch Grö­ßer­stel­len der Schrift.

Um ein Zu­sam­men­sin­ken in­ner­halb des Ta­ges zu ver­mei­den, ra­ten die For­scher da­zu, mor­gens den Bild­schirm - wie auch die Spie­gel im Au­to bei lan­gen Fahr­ten - op­ti­mal ein­zu­stel­len und spä­ter am Tag nicht mehr zu ver­stel­len.

Die Übun­gen in der Stu­die mach­ten den Teil­neh­mern die Sym­pto­me be­wusst, die bei schlech­ter Hal­tung ent­ste­hen kön­nen. "Füh­len und Se­hen - Selbst­er­fah­rung - ist sehr viel wir­kungs­vol­ler als Teil­neh­mern zu sa­gen, sie soll­ten ih­re Hal­tung kor­ri­gie­ren", schrei­ben die Au­to­ren. 

"Das ist ei­ne ver­nünf­ti­ge Stu­die", sag­te der Ge­ne­ral­se­kre­tär der Deut­schen Ge­sell­schaft für Or­tho­pä­die und Un­fall­chir­ur­gie (DGOU), Bernd Klad­ny. Sie zei­ge Wir­kun­gen, die vom "Han­dy-Na­cken" her schon be­kannt sei­en. "Das sich Be­wusst­ma­chen von sol­chen Ef­fek­ten ist schon mal der ers­te Schritt. Die Fra­ge ist, wie lan­ge solch ein Ef­fekt an­hält."

Lang­zeit­ver­su­che ha­ben die Au­to­ren in der Stu­die nicht un­ter­nom­men. Die For­scher ra­ten bei­spiels­wei­se beim Lap­top zu ei­nem von der Tas­ta­tur ge­trenn­ten Bild­schirm. Der Bild­schirm soll­te in Au­gen­hö­he ste­hen.

"Ge­ne­rell ist der Lap­top nicht ge­dacht für lan­ges Ar­bei­ten", be­tont Klad­ny, der Chef­arzt an der m&i-Fach­kli­nik in Her­zo­ge­nau­rach ist. "Für ei­ne dau­er­haf­te Zwangs­hal­tung ist un­ser Kör­per nicht vor­ge­se­hen." Gut sei ein zwei­ter, hö­he­rer Mo­ni­tor. Bes­ser sei­en aber ei­ne Tas­ta­tur und ein Bild­schirm mit Do­cking­sta­ti­on, an die der Lap­top an­ge­schlos­sen wer­den kann. "Die Zeit am Lap­top soll­te man li­mi­tie­ren und zu­dem ge­le­gent­lich die Ar­beits­po­si­ti­on än­dern." So kön­ne man den Lap­top auch ein­fach mal auf ei­nen Ge­gen­stand stel­len, am bes­ten auf ein Steh­pult.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. März 2019

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