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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/157

Zu we­nig Ein­satz für Schwer­be­hin­der­te?

Im Hin­blick auf die Teil­ha­be be­hin­der­ter Men­schen an der Ar­beits­welt hat sich viel ge­tan. Fach­leu­te for­dern wei­te­ren Ein­satz
Diskriminierungsverbote - Behinderung, Schutz vor Diskriminierung von Menschen mit Behinderung

03.07.2019. (dpa/fle) - Un­ter­neh­men sol­len mehr Schwer­be­hin­der­te an­stel­len - das hat der Be­hin­der­ten­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Jür­gen Du­sel, ge­for­dert.

Es sei in­ak­zep­ta­bel, dass in Deutsch­land ein Vier­tel der da­zu ver­pflich­te­ten Ar­beit­ge­ber kei­nen ein­zi­gen Schwer­be­hin­der­ten be­schäf­ti­ge, sag­te er am Mitt­woch in Stutt­gart bei ei­nem Fest­akt.

An­lass war das In­kraft­tre­ten der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on in Deutsch­land vor rund zehn Jah­ren.

So­zi­al­mi­nis­ter Man­ne Lu­cha (Grü­ne) be­män­gel­te, dass die Lan­des­ver­wal­tung zum drit­ten Mal in Fol­ge die Quo­te von fünf Pro­zent Be­schäf­ti­gung für Men­schen mit Schwer­be­hin­de­rung nicht schaf­fe. Die Lan­des­re­gie­rung wer­de ih­rer Bei­spiel­funk­ti­on nicht ge­recht, teil­te Sa­bi­ne Wöl­f­le, be­hin­der­ten­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Land­tags­frak­ti­on, mit.

In Deutsch­land sind Be­trie­be mit 20 oder mehr Be­schäf­tig­ten da­zu ver­pflich­tet, fünf Pro­zent der Ar­beits­plät­ze für Men­schen mit Schwer­be­hin­de­rung be­reit­zu­stel­len. Tun sie dies nicht, müs­sen sie ei­ne Ab­ga­be zah­len. Pri­va­te Un­ter­neh­men im Süd­wes­ten ka­men nach An­ga­ben des Ar­beit­ge­ber­ver­bands Ba­den-Würt­tem­berg im Jahr 2017 auf 4,3 Pro­zent. Den­noch sei­en in kei­nem an­de­ren Bun­des­land so vie­le Schwer­be­hin­der­te be­rufs­tä­tig wie im Süd­wes­ten, sag­te ein Spre­cher wei­ter. Das lie­ge auch an der ins­ge­samt gu­ten Be­schäf­ti­gungs­la­ge.

Hin­zu kä­me, dass ver­mut­lich mehr Schwer­be­hin­der­te in Un­ter­neh­men ar­bei­ten, als be­kannt sei. Vie­le Men­schen er­hiel­ten erst im Lau­fe ih­res Be­rufs­le­bens ei­nen Schwer­be­hin­der­ten­sta­tus, et­wa nach ei­ner Re­ha­bi­li­ta­ti­on, und teil­ten die­sen dem Ar­beit­ge­ber nicht mit. Ein­schließ­lich sol­cher Fäl­le lie­ge man ver­mut­lich nah bei den fünf Pro­zent, sag­te der Spre­cher.

Be­hin­der­ten­be­auf­trag­te Du­sel for­der­te ei­ne Er­hö­hung der Ab­ga­be für ver­pflich­te­te Un­ter­neh­men, die gar kei­ne Schwer­be­hin­der­ten be­schäf­ti­gen, so­fern an­de­re Maß­nah­men wir­kungs­los blei­ben. Min­des­tens ver­dop­peln müs­se man die Ab­ga­be, da­mit die An­reiz­funk­ti­on wirk­sam wer­de. Brit­ta Büh­ler, Spre­che­rin des So­zi­al­ver­bands VdK Ba­den-Würt­tem­berg, hat­te zu­vor eben­falls ei­ne teil­wei­se Er­hö­hung ge­for­dert.

Wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen sieht Du­sel beim The­ma Bar­rie­re­frei­heit. Woh­nun­gen müss­ten nicht nur be­zahl­bar, son­dern auch bar­rie­re­frei sein. Nur dann kön­ne man auch von so­zia­lem Woh­nungs­bau spre­chen. Auch di­gi­ta­le Pro­duk­te müss­ten von An­fang an bar­rie­re­frei ge­stal­tet wer­den. Nur dann kön­ne man die Po­ten­zia­le der Di­gi­ta­li­sie­rung für die In­klu­si­on nut­zen, sag­te Du­sel. Mit Blick auf das Ju­bi­lä­ums des In­kraft­tre­tens der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on for­der­te er trotz die­ser Her­aus­for­de­run­gen, das Fei­ern nicht zu ver­ges­sen. "Das Glas ist nicht halb leer. Das ist mehr als halb voll", sag­te auch So­zi­al­mi­nis­ter Lu­cha.

"Es geht bei dem The­ma In­klu­si­on nicht um ir­gend­et­was, was man macht, weil man nett ist, son­dern es geht letzt­lich um die Um­set­zung von fun­da­men­ta­len Grund­rech­ten", be­ton­te Du­sel. In­klu­si­on be­zie­he sich nicht nur auf Be­hin­de­run­gen, son­dern bei­spiels­wei­se auch auf Al­ter, Ge­schlecht und Her­kunft. De­mo­kra­tie brau­che In­klu­si­on.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. November 2019

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