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1,8 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te un­ter Min­dest­lohn

Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn gilt seit 2015. Den­noch ar­bei­ten rund 1,8 Mil­lio­nen Men­schen un­ter­halb der Min­dest­l­ohn­gren­ze
Mindestlohnerhöhung auf 9,19 zum Jahr 2019, Mindestlohnkommission

10.07.2019. (dpa/fle) - Rund 1,3 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te ha­ben dem Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) zu­fol­ge in ih­rer Haupt­tä­tig­keit we­ni­ger als den Min­dest­lohn ver­dient, ob­wohl sie ei­nen An­spruch auf die­sen ha­ben.

Wei­te­re 0,5 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te ver­dien­ten in ih­rer Ne­ben­tä­tig­keit we­ni­ger, als der Min­dest­lohn es vor­schreibt.

"Nach wie vor be­kom­men in Deutsch­land vie­le Be­schäf­tig­te nicht den St­un­den­lohn, der ih­nen zu­steht", teil­te DIW-Stu­di­en­au­tor Mar­kus Grab­ka in Ber­lin mit. Die Stu­die be­zieht sich auf Da­ten aus dem Jahr 2017. Zu die­ser Zeit be­trug der Min­dest­lohn 8,84 EUR die St­un­de. In­zwi­schen liegt er bei 9,19 EUR.

Grund­la­ge für die Un­ter­su­chung des DIW wa­ren ab­ge­frag­te Da­ten zu ver­trag­lich ver­ein­bar­ten St­un­den­löh­nen so­wie zu Ar­beits­zei­ten aus dem So­zio-öko­no­mi­schen Pa­nel (SO­EP), ei­ner sich jähr­lich wie­der­ho­len­den Be­fra­gung von Pri­vat­haus­hal­ten.

Be­son­ders oft sei­en Be­schäf­tig­te im Gast­ge­wer­be, im Ein­zel­han­del, bei per­sön­li­chen Dienst­leis­tun­gen und in der Leih- und Zeit­ar­beit be­trof­fen. "Frau­en wer­den häu­fi­ger trotz An­spruchs un­ter­halb des Min­dest­lohns be­zahlt als Män­ner."

Schon En­de Ju­ni hat­te der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund von 1,8 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten ge­spro­chen, die der­zeit un­ter die­ser Lohn­gren­ze be­zahlt wür­den. Häu­fi­ger Grund sei, dass die Ar­beit­ge­ber ih­re Mit­ar­bei­ter län­ger ar­bei­ten lie­ßen als ver­trag­lich vor­ge­se­hen.

Das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um weist auf Un­si­cher­hei­ten bei den Be­fra­gungs­da­ten hin, die das DIW selbst ein­räumt. So kom­me das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt auf deut­lich we­ni­ger Fäl­le von Min­dest­lohn­un­ter­schrei­tun­gen.

"Den­noch muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass Min­dest­lohn­un­ter­schrei­tun­gen in er­heb­li­chem Um­fang statt­fin­den", teil­te das Mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge mit. "Das zeigt die Wich­tig­keit von Kon­trol­len durch die Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit". Da­für sei jüngst ei­ne er­heb­li­che Auf­sto­ckung der Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten auf Sei­ten des Zolls be­schlos­sen wor­den. Ziel müs­se oh­ne­hin sein, "dass ei­ne lang­fris­ti­ge Be­schäf­ti­gung deut­lich über dem Min­dest­lohn ver­gü­tet wird."

"Es ist skan­da­lös, dass der Min­dest­lohn bei vie­len An­spruchs­be­rech­tig­ten im­mer noch nicht an­kommt", kri­ti­sier­te der So­zi­al­ver­band VdK am Mitt­woch an­läss­lich der DIW-Zah­len. "Die Po­li­tik muss end­lich ent­schlos­sen ge­gen Ar­beit­ge­ber vor­ge­hen, die die Min­dest­lohn­re­ge­lun­gen nicht ein­hal­ten."

„Un­ter­neh­men, die den Min­dest­lohn ein­hal­ten, soll­ten kei­ne Wett­be­werbs­nach­tei­le ge­gen­über Ar­beit­ge­bern ha­ben, die das nicht tun. Denk­bar wä­re ei­ne Fair Pay-­Pla­ket­te, an­ge­lehnt an die Bio-Sie­gel, da­mit Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher be­wuss­te und in­for­mier­te Kon­sum­entschei­dun­gen tref­fen kön­nen“, for­dert Stu­di­en­au­to­rin Alex­an­dra Fe­do­rets.

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Letzte Überarbeitung: 30. August 2019

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