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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/146

250.000 Me­tal­ler wäh­len Zu­satz­ur­laub

Die Me­tal­ler er­hal­ten im Ju­li ih­re ta­rif­li­che Son­der­zah­lung. Vor die Wahl ge­stellt ent­schie­den sich 250.000 von ih­nen je­doch für acht zu­sätz­li­che freie Ta­ge
Schweißer, Industrie

21.06.2019. (dpa/fle) - In die­sem Ju­li wird in der deut­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie erst­mals das neu­ar­ti­ge ta­rif­li­che Zu­satz­geld an die Be­schäf­tig­ten aus­ge­zahlt.

400 EUR fix plus 27,5 Pro­zent ei­nes Mo­nats­ent­gelts ha­ben IG Me­tall und Ar­beit­ge­ber im Fe­bru­ar ver­gan­ge­nen Jah­res für den Pi­lot­be­zirk Ba­den-Würt­tem­berg aus­ge­han­delt, die drit­te ta­rif­li­che Son­der­zah­lung nach Ur­laubs- und Weih­nachts­geld.

Doch ein er­heb­li­cher An­teil - laut Ge­werk­schaft et­wa 242.000 Men­schen - ver­zich­tet auf die 27,5 Pro­zent und er­hält da­für im lau­fen­den Jahr acht zu­sätz­li­che freie Ta­ge.

"Ein zen­tra­les Mo­tiv war die Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Le­ben", sagt der Res­sort­lei­ter im Funk­ti­ons­be­reich Ta­rif­po­li­tik bei der IG Me­tall, Juan-Car­los Rio An­tas. Die Ge­werk­schaft woll­te ei­ne Wahl­mög­lich­keit für al­le Be­schäf­tig­ten durch­set­zen, traf aber auf den Wi­der­stand der Ar­beit­ge­ber, die ei­ne selbst ge­schaf­fe­ne Fach­kräf­te­lü­cke be­fürch­te­ten. Den­noch sieht Rio An­tas wich­ti­ge stra­te­gi­sche Zie­le um­ge­setzt. "Es ging uns nicht um ei­ne all­ge­mei­ne Ar­beits­zeit­ver­kür­zung, son­dern um mehr Sou­ve­rä­ni­tät über die ei­ge­ne Ar­beits­zeit", sagt er.

Die acht frei­en Ta­gen sind nun drei be­son­ders stark be­las­te­ten Grup­pen vor­be­hal­ten, die da­für je­weils nur auf ei­nen Teil der Son­der­zah­lung ver­zich­ten müs­sen, den So­ckel­be­trag von 400 EUR aber er­hal­ten. Das Gros stel­len mit 170.000 Leu­ten die Schicht­ar­bei­ter vor 55.000 Me­tal­lern, die zu Hau­se klei­ne Kin­der be­treu­en, und 17.000 Be­schäf­tig­ten, die für die Pfle­ge von An­ge­hö­ri­gen mehr Zeit ha­ben wol­len.

Die Be­schäf­tig­ten muss­ten be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr ent­spre­chen­de, meist auf ein Jahr be­fris­te­te An­trä­ge bei ih­ren Ar­beit­ge­bern stel­len. Für das kom­men­de Jahr kön­nen sie neu ent­schei­den. Laut IG Me­tall wa­ren 93 Pro­zent der An­trä­ge auf mehr Frei­zeit im lau­fen­den Jahr er­folg­reich. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall hat kei­ne ei­ge­ne Zah­len er­ho­ben und wi­der­spricht den An­ga­ben nicht.

Das Zu­satz­geld ent­spricht ei­ner Ge­samt­me­tall-Be­rech­nung zu­fol­ge ei­ner wei­te­ren Lohn­er­hö­hung um 2 Pro­zent. In der ers­ten Stu­fe von April 2018 an wa­ren die Ta­rif­ge­häl­ter um 4,3 Pro­zent ge­stie­gen. Ins­ge­samt hat der Ta­rif­ver­trag ei­ne Lauf­zeit von 27 Mo­na­ten bis ein­schließ­lich März 2020.

Of­fen­bar auf we­ni­ger In­ter­es­se ist die für al­le rund 3,9 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten ver­ein­bar­te Mög­lich­keit ge­sto­ßen, die ei­ge­ne Ar­beits­zeit oh­ne Lohn­aus­gleich auf 28 St­un­den zu ver­kür­zen und nach zwei Jah­ren wie­der zur vol­len Ar­beits­zeit von 35 St­un­den zu­rück­zu­keh­ren. Der Ge­werk­schaft lie­gen da­zu kei­ne Zah­len vor, und die Ar­beit­ge­ber er­klä­ren, dass es dar­auf bis­lang kei­nen An­sturm ge­ge­ben ha­be.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. Juni 2019

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