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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/032

3,4 Mil­lio­nen Men­schen mit Ne­ben­job

Steu­er­lich be­güns­tig­te Mi­ni­jobs sind be­liebt. Die Zahl von Per­so­nen mit Ne­ben­jobs ist auf ei­nem Höchst­stand. Aus der Po­li­tik gibt es Kri­tik
Fahrer eines Lieferdienst, Pizza Lieferant, Lieferservice

04.02.2019. (dpa/fle) - Im­mer mehr Men­schen in Deutsch­land ha­ben ei­nen Ne­ben­job. So stieg die Zahl der Mehr­fach­be­schäf­tig­ten in­ner­halb von 15 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich von knapp 1,4 auf rund 3,4 Mil­lio­nen Mit­te ver­gan­ge­nen Jah­res.

Das geht aus der Ant­wort der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) auf ei­ne An­fra­ge der Lin­ken im Bun­des­tag her­vor, die der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin vor­lag.

Mit­te 2017 wa­ren es noch rund 150.000 we­ni­ger. Der An­stieg von 1,4 auf 3,4 Mil­lio­nen voll­zog sich von En­de Ju­ni 2003 bis En­de Ju­ni 2018.

Die häu­figs­te Kom­bi­na­ti­on ist mit rund 2,9 Mil­lio­nen ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung mit min­des­tens ei­nem Mi­ni­job. In knapp 330.000 Fäl­len wur­den min­des­tens zwei so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Jobs kom­bi­niert.

Die ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Links­frak­ti­on, Sa­bi­ne Zim­mer­mann, die die An­fra­ge ge­stellt hat­te, sag­te der dpa: "Für im­mer mehr Be­schäf­tig­te reicht das Ein­kom­men aus ei­nem Job nicht mehr aus." Sie mein­te: "Der über­wie­gen­de Teil dürf­te aus pu­rer fi­nan­zi­el­ler Not mehr als ei­nen Job ha­ben und nicht frei­wil­lig."

Das In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB), die For­schungs­ein­rich­tung der BA, wies dar­auf hin, dass Ne­ben­job­ber im Schnitt in ih­rem Haupt­job deut­lich we­ni­ger ver­dien­ten als Men­schen oh­ne Ne­ben­job. Nach ei­ner Stu­die des In­sti­tuts be­kom­men Ne­ben­job­ber in ih­rer Haupt­be­schäf­ti­gung im Schnitt et­wa 570 EUR im Mo­nat we­ni­ger als Per­so­nen mit nur ei­nem Job. IAB-For­schungs­be­reichs­lei­ter En­zo We­ber sag­te der dpa: "Das deu­tet dar­auf hin, dass re­la­tiv vie­le Ne­ben­job­ber auf das zu­sätz­li­che Geld an­ge­wie­sen sind." Das tref­fe aber nicht auf al­le zu.

Zweit­jobs kä­men nicht nur in be­stimm­ten Bran­chen, bei be­stimm­ten Per­so­nen oder im Fall be­stimm­ter Mo­ti­ve vor, sag­te We­ber. "Ne­ben­jobs streu­en breit." Bei der Kom­bi­na­ti­on ei­ner so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Stel­le mit ei­nem Mi­ni­job sind 28,5 Pro­zent der Zweit­jobs in all­ge­mei­nen Dienst­leis­tungs­be­ru­fe.

Die IAB-Stu­die stellt fest, dass es ne­ben fi­nan­zi­el­len Mo­ti­ven auch an­de­re Grün­de für ei­nen Zweit­job gibt, et­wa den Haupt­job um Tä­tig­kei­ten zu er­gän­zen, die Spaß ma­chen oder Pres­ti­ge ein­brin­gen. "Bei­spie­le sind der Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, der als Be­ra­ter in Wirt­schaft oder Po­li­tik tä­tig ist, oder aber der Fließ­band­ar­bei­ter, der abends ge­gen Ent­gelt Kon­zer­te mit der Band gibt."

Vor al­lem aber mach­te We­ber dar­auf auf­merk­sam, dass der ers­te Mi­ni­job im Ne­ben­job für den Ar­beit­neh­mer kom­plett steu­er- und ab­ga­ben­frei ist. "So ei­ne star­ke Sub­ven­ti­on möch­ten dann na­tür­lich ganz ver­schie­de­ne Per­so­nen nut­zen."

An­ge­sichts der schwa­chen Lohn­ent­wick­lung bis Mit­te/En­de der 2000er Jah­re ha­be für die­sen Zeit­raum wohl die Zahl de­rer zu­ge­nom­men, de­ren Ein­kom­men oh­ne Ne­ben­job nicht aus­rei­che. Nach­dem die Löh­ne seit Jah­ren aber wie­der deut­lich stär­ker ge­stie­gen sei­en, sei die ex­tre­me Be­güns­ti­gung von Ne­ben­jobs die wohl wich­tigs­te Ur­sa­che für de­ren Zu­nah­me, so We­ber.

Zim­mer­mann for­der­te: "Mi­ni­jobs müs­sen in so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge exis­tenz­si­chern­de Be­schäf­ti­gung über­führt wer­den." IAB-For­scher We­ber wies auf Nach­tei­le der Be­güns­ti­gung von Ne­ben­jobs hin. Für die­se Jobs wer­de meist nicht in die Ren­ten­kas­se ein­ge­zahlt, sie trü­gen al­so nicht zur Al­ters­si­che­rung bei. "Und die meis­ten Ne­ben­jobs dürf­ten auch nicht zu nach­hal­ti­ger be­ruf­li­cher Ent­wick­lung und Ar­beits­markt­in­te­gra­ti­on füh­ren." Bei Ge­ring­ver­die­nern kön­ne die Kopp­lung ei­ner Un­ter­stüt­zung an ei­nen Ne­ben­job auf ein fal­sches Gleis füh­ren. Ar­beits­markt­in­te­gra­ti­on ge­lin­ge eher im Haupt­job.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. Februar 2019

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