HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/137

Aus­bil­dung beim Job­cen­ter?

Sie sind oft die ers­te An­lauf­stel­le für Men­schen, die ins Job­cen­ter kom­men: Fach­an­ge­stell­te für Ar­beits­markt­dienst­leis­tun­gen
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund

11.06.2019. (dpa/fle) - Von der Schu­le rein in die Ar­beits­welt - aber erst­mal muss man sich für ei­nen Be­ruf ent­schei­den.

Wer auf der Su­che nach dem rich­ti­gen Job ist, den un­ter­stützt bei Be­darf Lau­ritz Kann. Der 19-Jäh­ri­ge ab­sol­viert ei­ne Aus­bil­dung zum Fach­an­ge­stell­ten für Ar­beits­markt­dienst­leis­tun­gen bei der Agen­tur für Ar­beit in Lü­ne­burg.

Er ist die ers­te An­lauf­stel­le für Rat­su­chen­de und lotst sie je nach An­lie­gen zu den ver­ant­wort­li­chen Kol­le­gen aus den Be­rei­chen Be­rufs­be­ra­tung oder Ar­beits­ver­mitt­lung. "Das Bes­te ist, dass ich tag­täg­lich mit ganz un­ter­schied­li­chen Men­schen zu tun ha­be, das ist be­rei­chernd", sagt Kann.

Fach­an­ge­stell­te für Ar­beits­markt­dienst­leis­tun­gen brau­chen viel Fach­wis­sen. "Das Auf­ga­ben­spek­trum ist enorm viel­sei­tig", er­klärt Jean­net­te Un­ter­ber­ger. Sie ist Pres­se­spre­che­rin der Lü­ne­bur­ger Ar­beits­agen­tur.

Die Fach­an­ge­stell­ten neh­men Ar­beits­su­chend- und Ar­beits­lo­sen­mel­dun­gen auf und in­for­mie­ren per­sön­lich wie te­le­fo­nisch zu Fra­gen rund um die Ar­beit. Sie hel­fen da­bei, For­mu­la­re aus­zu­fül­len - et­wa den An­trag auf Ar­beits­lo­sen­geld oder auf Kin­der­geld. Sie be­ar­bei­ten An­trä­ge und pfle­gen Da­ten in Com­pu­ter­sys­te­me ein, ver­ein­ba­ren Ter­mi­ne zur Be­rufs­be­ra­tung und über­neh­men in­ter­ne Auf­ga­ben wie et­wa Con­trol­ling oder Fi­nan­zen.

Die Fach­an­ge­stell­ten in­for­mie­ren Kun­den der Agen­tur für Ar­beit, was sie im Fall ei­ner Kün­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber tun müs­sen. Ge­ra­de in sol­chen Si­tua­tio­nen ist Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ge­fragt. Da­bei müs­sen sie sich an ge­setz­li­che Vor­ga­ben hal­ten: Das für ih­ren Auf­ga­ben­be­reich re­le­van­te So­zi­al­ge­setz­buch III ha­ben sie im­mer schnell bei der Hand. Dar­über hin­aus kön­nen auch mal The­men wie Schuld­ner- oder Sucht­be­ra­tung auf dem Plan ste­hen, wie das Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung (BIBB) in­for­miert.

Je­des Jahr be­gin­nen deutsch­land­weit rund 800 Frau­en und Män­ner die Aus­bil­dung. In dem Be­ruf do­mi­nie­ren die Frau­en. "In den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren lag bei den Azu­bis die Quo­te im Schnitt bei 70 Pro­zent Frau­en und 30 Pro­zent Män­ner", sagt Ane­ta Schi­ko­ra von der Zen­tra­le der Bun­des­agen­tur für Ar­beit in Nürn­berg.

Be­wer­ber müs­sen min­des­tens ei­nen mitt­le­ren Bil­dungs­ab­schluss mit­brin­gen. Wer sich für die Aus­bil­dung in­ter­es­siert, soll­te Spaß am Um­gang mit Men­schen ha­ben und sich gut in ih­re Si­tua­ti­on hin­ein­ver­set­zen kön­nen. Auch das In­ter­es­se an Wirt­schafts- und So­zi­al­po­li­tik so­wie am Um­gang mit Rechts­vor­schrif­ten ist wich­tig.

Die Aus­bil­dung dau­ert drei Jah­re. Sie er­folgt in ei­ner Agen­tur für Ar­beit, im Job­cen­ter und bei der Fa­mi­li­en­kas­se so­wie in der Be­rufs­schu­le. Be­reits in der Aus­bil­dung ha­ben die Nach­wuchs­kräf­te di­rek­ten Kun­den­kon­takt. "Die jun­gen Leu­te wer­den von er­fah­re­nen Fach­kräf­ten zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­fis aus­ge­bil­det", sagt Schi­ko­ra.

Bei je­dem Kon­takt ist es wich­tig, ein­fühl­sam auf die in­di­vi­du­el­le Le­bens­la­ge ein­zu­ge­hen. "Ein 0815-Sche­ma gibt es da­bei nicht, je­des Ge­spräch ist an­ders", er­zählt Kann aus sei­nem All­tag. Mit­un­ter hat er auch mit Ar­beit­ge­bern zu tun, die auf der Su­che nach qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal sind.

In ers­ter Li­nie geht es aber dar­um, sich um die Be­lan­ge von Ar­beits­su­chen­den oder Ar­beits­lo­sen zu küm­mern. Wie das im Ein­zel­nen ab­läuft, er­fah­ren die Aus­zu­bil­den­den in Lehr­gän­gen. Die Theo­rie - et­wa zum So­zi­al­sys­tem - ler­nen sie vor al­lem in der Be­rufs­schu­le. "Sie müs­sen die­se Zu­sam­men­hän­ge nicht nur sel­ber ver­ste­hen, son­dern auch kun­den­ori­en­tiert er­klä­ren kön­nen", sagt Un­ter­ber­ger.

Die Aus­zu­bil­den­den wer­den nach dem Ta­rif­ver­trag für Nach­wuchs­kräf­te der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (TVN-BA) be­zahlt. Im ers­ten Aus­bil­dungs­jahr liegt die Ver­gü­tung bei rund 1.020 EUR, im letz­ten Jahr steigt sie auf rund 1.115 EUR. Hin­zu kom­men So­zi­al­leis­tun­gen wie et­wa ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung, ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen und ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung. "Die Bun­des­an­stalt für Ar­beit bie­tet die Aus­bil­dung auch in Teil­zeit an", so Schi­ko­ra.

Nach er­folg­rei­chem Ab­schluss be­kom­men die Azu­bis in der Re­gel ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­ver­hält­nis bei der BA an­ge­bo­ten. "Auch die­se Per­spek­ti­ve hat mich von An­fang an über­zeugt", be­tont Kann.

Die Ein­stiegs­ver­gü­tung als fer­ti­ge Fach­kraft liegt laut Schi­ko­ra bei rund 2.800 EUR. Wer nach der Aus­bil­dung wei­ter­kom­men möch­te, hat in ei­ner Agen­tur für Ar­beit, ei­nem Job­cen­ter so­wie bei ei­ner BA-Dienst­stel­le wie et­wa der Zen­tra­len Aus­lands- und Fach­ver­mitt­lung die Mög­lich­keit, zur Füh­rungs­kraft auf­zu­stei­gen.

Wel­che Plä­ne Kann hat? Erst ein­mal will er sei­ne Aus­bil­dung er­folg­reich zu En­de brin­gen. Er kann sich vor­stel­len, ei­nes Ta­ges ei­ne Füh­rungs­auf­ga­be zu über­neh­men. Aber vor al­lem will er an­de­ren hel­fen. "Mein Ziel ist es, dass Men­schen, die oft mit ei­nem ver­schäm­ten Blick kom­men, mit ei­nem Lä­cheln auf dem Ge­sicht wie­der ge­hen."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Juni 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de