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Deutsch­land könn­te für Er­werbs­mi­gran­ten at­trak­ti­ver sein

Deutsch­land braucht gut aus­ge­bil­de­te Mi­gran­ten. Ei­ne Stu­die kommt je­doch zu dem Er­geb­nis, dass Deutsch­land als Stand­ort nur mä­ßig at­trak­tiv ist
junger Moslem im Büro, Integration von Muslimen in den deutschen Arbeitsmarkt

31.05.2019. (dpa/fle) - Für hoch qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer aus dem Aus­land ist Deutsch­land kei­nes­wegs die ers­te Adres­se.

Das zeigt ei­ne neue Stu­die der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD), die am Mitt­woch in Ber­lin vor­ge­stellt wur­de.

Dem­nach be­legt Deutsch­land in der Rang­fol­ge der at­trak­tivs­ten Stand­or­te für Fach­kräf­te mit Mas­ter-Ab­schluss oder Dok­tor­ti­tel nur den zwölf­ten Platz. Ganz vorn se­hen die For­scher Aus­tra­li­en, ge­folgt von Schwe­den und der Schweiz. Die USA lan­den auf Platz sie­ben. Schluss­licht un­ter den 35 Staa­ten, die ver­gli­chen wur­den, ist die Tür­kei.

Un­ter­sucht wur­den die Qua­li­tät der be­ruf­li­chen Chan­cen, Ein­kom­men, Steu­ern, Mög­lich­kei­ten für Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge, Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­be­din­gun­gen, Zu­kunfts­aus­sich­ten, das "Kom­pe­tenz­um­feld" so­wie ge­sell­schaft­li­che Di­ver­si­tät und Le­bens­qua­li­tät.

"Für Fach­kräf­te ist die Ge­schwin­dig­keit der Vi­sa­er­tei­lung ein wich­ti­ger Fak­tor, aber für vie­le Hoch­qua­li­fi­zier­te sind auch die Rah­men­be­din­gun­gen für Part­ner und Kin­der wich­tig", sagt der OECD-Di­rek­tor für Ar­beit und So­zia­les, Ste­fa­no Scar­pet­ta. Er­stellt wur­de die Stu­die mit Un­ter­stüt­zung der Ber­tels­mann-Stif­tung.

Der Chef der OECD-Ab­tei­lung für In­ter­na­tio­na­le Mi­gra­ti­on, Jean-Chris­to­phe Du­mont, er­klärt, Deutsch­land kön­ne durch po­li­ti­sche Re­for­men zwar Bo­den gut ma­chen. Der Spit­zen­platz wä­re so aber kurz­fris­tig trotz­dem nicht er­reich­bar. Denn vie­le Men­schen mit sehr gu­ten Eng­lisch- oder Fran­zö­sisch-Kennt­nis­sen wür­den sich eher nach Aus­tra­li­en, Ka­na­da oder Frank­reich ori­en­tie­ren.

Aber auch die Schweiz, wo Deutsch die meist­ver­brei­te­te Spra­che ist, schnei­det bei der At­trak­ti­vi­tät für Fach­kräf­te deut­lich bes­ser ab. Und das liegt nicht nur an hö­he­ren Ge­häl­tern und nied­ri­ge­ren Steu­ern, son­dern auch an der "Will­kom­mens­kul­tur", die dort von den For­schern bes­ser ein­ge­schätzt wird. Ös­ter­reich, wo die in Mi­gra­ti­ons­fra­gen sehr re­strik­ti­ve rechts­kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on von ÖVP und FPÖ ge­ra­de zer­bro­chen ist, schnei­det bei die­sem In­di­ka­tor nur mi­ni­mal bes­ser ab als Deutsch­land - und lan­det in der Rang­fol­ge ins­ge­samt auf dem 17. Platz.

Die Stu­die zeigt auch, dass Deutsch­land als Ziel­land auf an­de­re Grup­pen von po­ten­zi­el­len Mi­gran­ten durch­aus ei­ne gro­ße An­zie­hungs­kraft aus­übt. Auf der OECD-Lis­te der at­trak­tivs­ten Stand­or­te für aus­län­di­sche Stu­den­ten be­legt Deutsch­land dem­nach den drit­ten Platz, hin­ter der Schweiz und Nor­we­gen. Dar­aus ab­zu­lei­ten, deut­sche Uni­ver­si­tä­ten hät­ten in­ter­na­tio­nal ei­nen über­ra­gen­den Ruf, greift al­ler­dings zu kurz. Denn für Stu­den­ten spie­len auch Fak­to­ren wie nied­ri­ge Stu­di­en­ge­büh­ren, ver­gleichs­wei­se nied­ri­ge Le­bens­hal­tungs­kos­ten und die Mög­lich­kei­ten, nach dem Ab­schluss zu ar­bei­ten, ei­ne Rol­le.

Auf Platz sechs liegt Deutsch­land in der Rang­fol­ge der bes­ten Stand­or­te für Un­ter­neh­mer. Hier ist Ka­na­da die Num­mer eins.

Im Jahr 2017 hat­ten rund 38.000 Aus­län­der aus Nicht-EU-Staa­ten in Deutsch­land ei­nen Auf­ent­halts­ti­tel als Fach­kraft er­hal­ten. Der In­nen­aus­schuss des Bun­des­ta­ges hat für den 3. Ju­ni Sach­ver­stän­di­ge ein­ge­la­den, ei­nen hoch­um­strit­te­nen Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung für ein Fach­kräf­te­ein­wan­de­rungs­ge­setz zu be­ur­tei­len. Auf dem Tisch lie­gen auch Al­ter­na­tiv-Mo­del­le der Op­po­si­ti­on.

Die Re­gie­rung will künf­tig al­len Fach­kräf­ten, die über ei­nen Ar­beits­ver­trag und ei­ne ent­spre­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­gen, die Ein­rei­se ge­stat­ten. Be­schrän­kun­gen auf so­ge­nann­te Eng­pass­be­ru­fe sol­len weg­fal­len. Die Ar­beits­agen­tur soll in der Re­gel auf die "Vor­rang­prü­fung" ver­zich­ten, über die bis­lang erst ge­klärt wer­den muss­te, ob die Stel­le nicht auch mit ei­nem Deut­schen oder ei­nem EU-Bür­ger be­setzt wer­den kann. Au­ßer­dem wol­len Uni­on und SPD nicht-aka­de­mi­schen Fach­kräf­ten die Mög­lich­keit ge­ben, für ei­ne be­grenz­te Zeit nach Deutsch­land zu kom­men, um sich hier­zu­lan­de ei­nen Job zu su­chen. Das war bis­her Aka­de­mi­kern vor­be­hal­ten.

Die OECD-Stu­die zei­ge, dass Staa­ten wie Ka­na­da und Aus­tra­li­en, die zur Steue­rung der Ein­wan­de­rung auf ein Punk­te­sys­tem set­zen, bes­ser ab­schnit­ten als Deutsch­land, sag­te der ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on, Jo­han­nes Vo­gel. Er for­der­te, die Bun­des­re­gie­rung müs­se jetzt in den Be­ra­tun­gen zum Fach­kräf­te­ein­wan­de­rungs­ge­setz nach­steu­ern, "vom Klein-Klein zum gro­ßen Wurf in­klu­si­ve Punk­te­sys­tem".

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Letzte Überarbeitung: 31. Mai 2019

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