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Fu­si­on deut­scher Groß­ban­ken ge­schei­tert

Die Fu­si­ons­ge­sprä­che der deut­schen Groß­ban­ken sind trotz Wer­bung aus der Po­li­tik ge­schei­tert - zur Freu­de der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung
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26.04.2019. (dpa/fle) - Deut­sche Bank und Com­merz­bank wer­den nicht fu­sio­nie­ren.

"Es war sinn­voll, die­se Op­ti­on ei­ner in­ner­deut­schen Kon­so­li­die­rung zu prü­fen", er­klär­ten die bei­den Kon­zer­ne am Don­ners­tag in gleich­lau­ten­den Mit­tei­lun­gen.

Nach "gründ­li­cher Ana­ly­se" in den knapp sechs­wö­chi­gen Ge­sprä­chen sei­en die Vor­stän­de je­doch zu dem Schluss ge­kom­men, dass ein Zu­sam­men­schluss "kei­nen aus­rei­chen­den Mehr­wert bie­ten wür­de".

Deut­sche-Bank-Chef Chris­ti­an Sewing und Com­merz­bank-Chef Mar­tin Ziel­ke be­grün­de­ten die Ent­schei­dung mit "Um­set­zungs­ri­si­ken, Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten und Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen, die mit ei­ner solch gro­ßen In­te­gra­ti­on" ein­her­ge­gan­gen wä­ren.

Deut­sche-Bank-Auf­sichts­rats­chef Paul Ach­leit­ner stell­te sich hin­ter die Ent­schei­dung, die am 17.03.2019 öf­fent­lich ge­mach­ten Son­die­run­gen zu be­en­den: "Die in­ten­si­ven Ge­sprä­che und Ana­ly­sen der ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben uns ge­zeigt, dass das Ver­hält­nis von mög­li­chen Ri­si­ken und Er­trag für un­se­re In­ves­to­ren nicht at­trak­tiv ist."

Reich­lich Kri­tik gab es an der Rol­le des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums. Seit Som­mer 2018 war­ben Res­sort­chef Olaf Scholz (SPD) und sein Staats­se­kre­tär, der ehe­ma­li­ge Gold­man-Sachs-Deutsch­land­chef Jörg Ku­kies, un­ge­wöhn­lich laut­stark für star­ke deut­sche Ban­ken. Der Bund ist seit ei­ner Ret­tungs­ak­ti­on mit Steu­er­mil­li­ar­den in der Fi­nanz­kri­se mit gut 15 Pro­zent größ­ter An­teils­eig­ner der Com­merz­bank.

"Die glo­bal agie­ren­de deut­sche In­dus­trie braucht kon­kur­renz­fä­hi­ge Kre­dit­in­sti­tu­te, die sie in al­ler Welt be­glei­ten kön­nen", be­kräf­tig­te Scholz am Don­ners­tag. En­ge­re Ko­ope­ra­tio­nen mach­ten aber nur Sinn, "wenn sie sich be­triebs­wirt­schaft­lich rech­nen und auf ein be­last­ba­res Ge­schäfts­mo­dell zu­steu­ern", sag­te der Mi­nis­ter.

Kri­ti­ker ei­ner Fu­si­on hat­ten von An­fang an vor al­lem ei­nen ge­wal­ti­gen Stel­len­ab­bau und mög­li­che Fi­li­al­schlie­ßun­gen als Ar­gu­men­te ge­gen die Ban­ken-Fu­si­on ins Feld ge­führt. 30.000 Jobs hät­te ein sol­cher Zu­sam­men­schluss ge­kos­tet - so die Be­fürch­tung der Ge­werk­schaft Ver­di.

Die Nach­tei­le hät­ten über­wo­gen, be­kräf­tig­te Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke, der auch Auf­sichts­rat der Deut­schen Bank ist, am Don­ners­tag: "Ein sol­cher Schritt hät­te Zehn­tau­sen­de von Ar­beits­plät­zen ge­fähr­det. Die Er­geb­nis­se der Ge­sprä­che be­stä­ti­gen zu­gleich un­se­re Ein­schät­zung, dass ein sol­cher Schritt kei­nen aus­rei­chen­den Mehr­wert brin­gen wür­de."

Er­leich­tert re­agier­ten auch die Be­triebs­rä­te der teil­ver­staat­lich­ten Com­merz­bank. "Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter in der Com­merz­bank be­grü­ßen den Ab­bruch der Ge­sprä­che", heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me des Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Uwe Tschä­ge, der auch stell­ver­tre­ten­der Auf­sichts­rats­chef des MDax-Kon­zerns ist. Nun gel­te es, "ge­mein­sam die Zu­kunft der Com­merz­bank zu ge­stal­ten".

Bei­de In­sti­tu­te ha­ben zehn Jah­re nach der Fi­nanz­kri­se noch gro­ße Bau­stel­len, et­wa in der IT oder bei ju­ris­ti­schen Alt­las­ten. Die Deut­sche Bank müht sich seit Jah­ren, an frü­he­re Mil­li­ar­den­ge­win­ne an­zu­knüp­fen und schaff­te 2018 nach drei Ver­lust­jah­ren in Fol­ge ge­ra­de so die Rück­kehr in die schwar­zen Zah­len. Skan­da­le und Pro­zes­se ver­schlan­gen über Jah­re Mil­li­ar­den, der Ak­ti­en­kurs ist im Kel­ler.

Im­mer­hin: Das ers­te Quar­tal 2019 ver­lief für die Deut­sche Bank nicht so schlecht wie von Markt­be­ob­ach­tern be­fürch­tet. Der Ge­winn nach Steu­ern be­lau­fe sich vor­aus­sicht­lich auf rund 200 Mil­lio­nen EUR, er­klär­te der Dax-Kon­zern am Don­ners­tag. Da­bei fe­der­te die Bank ei­nen Ein­bruch ih­rer Ein­nah­men durch Ein­spa­run­gen ab. Ein Jahr zu­vor hat­te die Bank 120 Mil­lio­nen EUR ver­dient. Ana­lys­ten hat­ten im Schnitt für das ers­te Quar­tal 2019 ei­nen Rück­gang auf 55 Mil­lio­nen EUR er­war­tet.

Sewing zog ei­ne zu­ver­sicht­li­che Zwi­schen­bi­lanz: Schon jetzt er­ge­be sich "ein Ge­samt­bild, das vie­le nach dem schwa­chen Jah­res­start nicht für mög­lich ge­hal­ten hät­ten." Die Markt­be­din­gun­gen hät­ten sich "ge­gen En­de des Quar­tals spür­bar ver­bes­sert".

Die Com­merz­bank stieg im ver­gan­ge­nen Herbst in die zwei­te Bör­sen­li­ga ab und ist eben­falls seit Jah­ren im Um­bruch. Bei der Bi­lanz­vor­la­ge muss­te der Vor­stand ein­räu­men, dass das teil­ver­staat­lich­te In­sti­tut beim The­ma Kos­ten­sen­kung noch nicht am Ziel ist. Zu­dem zeich­net sich ab, dass die Bank auch 2020 noch we­sent­lich mehr Geld für ei­nen Eu­ro Ge­winn auf­wen­den muss als man­cher Kon­kur­rent - et­wa die ING.

Auf­se­her mahn­ten Deut­sche Bank und Com­merz­bank nach dem Aus der Fu­si­ons­ge­sprä­che zu ei­ner Fort­set­zung ih­res Um­bau­kur­ses. "Wir ge­hen da­von aus, dass bei­de Ban­ken ih­re be­reits ein­ge­schla­ge­nen Re­struk­tu­rie­rungs­an­stren­gun­gen, die ers­te po­si­ti­ve Er­geb­nis­se zei­gen, kon­se­quent wei­ter­ver­fol­gen", ließ der für Ban­ken- und Fi­nanz­auf­sicht zu­stän­di­ge Bun­des­bank-Vor­stand Joa­chim Wu­er­me­ling mit­tei­len. Der­zeit er­füll­ten bei­de In­sti­tu­te "die auf­sicht­li­chen An­for­de­run­gen an ei­ne so­li­de und sta­bi­le Bank. Das galt vor und wäh­rend der Ge­sprä­che und ist auch jetzt un­ein­ge­schränkt der Fall", be­ton­te Wu­er­me­ling.

Der Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des deut­scher Ban­ken (BdB), Hans-Wal­ter Pe­ters, nann­te die Ent­schei­dung zur Be­en­di­gung der Fu­si­ons­ge­sprä­che nach­voll­zieh­bar: "Die deut­sche Wirt­schaft ist stark ge­nug, um meh­re­ren Groß­ban­ken Platz zu bie­ten. Ei­ne Fu­si­on wä­re in der mo­men­ta­nen Si­tua­ti­on öko­no­misch nicht sinn­voll."

An der Bör­se rutsch­ten Pa­pie­re der Deut­schen Bank nach an­fäng­li­chen Ge­win­nen ins Mi­nus. Am En­de stand ein Ver­lust von 1,5 Pro­zent. Ana­lyst Ki­an Abo­u­hos­sein von der US-Bank JP­Mor­gan warf die Fra­ge auf, wel­che Al­ter­na­ti­ven die Deut­sche Bank denn nun ha­be. Ak­ti­en der Com­merz­bank fie­len um 2,3 Pro­zent. Hier spra­chen Händ­ler von Ge­winn­mit­nah­men, nach­dem die Pa­pie­re seit Jah­res­be­ginn um gut 40 Pro­zent ge­klet­tert wa­ren.

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Letzte Überarbeitung: 26. April 2019

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