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Fuß­ball trotz Früh­schicht: Un­ter­neh­men über­den­ken Ar­beits­zeit zur WM

"Wer fei­ern kann, kann auch ar­bei­ten", be­sagt ein Sprich­wort: Zur WM se­hen das al­ler­dings nicht al­le Ar­beit­neh­mer so - und wün­schen sich Fuß­ball-freund­li­che Ar­beits­zei­ten. So sport­lich sieht das al­ler­dings nicht je­der Chef
Wanduhr Wie re­agie­ren die Chefs?

16.06.2014. (dpa) - Mit den ers­ten Spie­len der deut­schen Na­tio­nal­elf geht für vie­le Fuß­ball-Fans die WM erst rich­tig los, ei­nes könn­te ih­ren Ju­bel aber trü­ben: der Chef.

Weil vie­le Spie­le der WM in Bra­si­li­en hier­zu­lan­de in die Abend- und Nacht­stun­den fal­len, müs­sen Ar­beit­neh­mer näm­lich ent­we­der um ih­ren Schlaf oder um ihr Fuß­ball-Ver­gnü­gen ban­gen.

Ei­ni­ge Un­ter­neh­men über­le­gen sich nach Auf­ru­fen der Ge­werk­schaf­ten nun et­was, um ih­ren Mit­ar­bei­tern ent­ge­gen­zu­kom­men.

Nicht je­der Chef hat al­ler­dings ein Herz für den Sport.

"Wir wis­sen na­tür­lich um die Fuß­ball-Lei­den­schaft un­se­rer Be­schäf­tig­ten", sagt ein Spre­cher des Tech­nik­kon­zerns Bosch. "In der Re­gel ist es so, dass sich die ein­zel­nen Stand­or­te et­was ein­fal­len las­sen." Wer wäh­rend der Spie­le Spät- oder Nacht­dienst ha­be, kön­ne in Ab­spra­che et­wa zwi­schen­durch aus­stem­peln und die frei­en Fuß­ball-St­un­den nach­ho­len. In den Be­triebs­kan­ti­nen stün­den Fern­se­her pa­rat, vor de­nen sich in­ter­es­sier­te Kol­le­gen dann ge­mein­sam ver­sam­mel­ten - nicht sel­ten zu­sam­men mit dem Chef.

We­gen der Zeit­ver­schie­bung wer­den vie­le WM-Spie­le erst ge­gen 22.00 Uhr deut­scher Zeit an­ge­pfif­fen, ei­ni­ge so­gar erst um Mit­ter­nacht. Das ers­te Deutsch­land-Spiel an die­sem Mon­tag fin­det zwar um 18.00 Uhr statt und ist da­mit re­la­tiv un­pro­ble­ma­tisch. Das zwei­te star­tet hin­ge­gen erst um 21 Uhr abends. Soll­ten Jo­gis Jungs es ins Halb­fi­na­le schaf­fen, wä­re erst um 22.00 Uhr deut­scher Zeit An­stoß. Hin­zu kommt, dass vie­le Fir­men in­ter­na­tio­na­le Mit­ar­bei­ter ha­ben, die ger­ne die Spie­le ih­rer Hei­mat­län­der ver­fol­gen wür­den.

Ge­werk­schafts­ver­tre­ter hat­ten des­halb spä­te­re Früh­schich­ten ge­for­dert. "Wenn Spie­le spät nachts statt­fin­den, dann guckt doch, dass ihr eu­re Ar­beit­neh­mer am nächs­ten Tag ein­fach mal ei­ne St­un­de oder zwei St­un­den spä­ter an­fan­gen lasst", hat­te et­wa Cars­ten Burck­hardt, Vor­stands­mit­glied der IG Bau, ge­for­dert.

Spä­te­re Früh­schich­ten führt Bosch zwar nicht ein. "Oft gibt es aber die Mög­lich­keit, dass Mit­ar­bei­ter ei­ne Schicht mit je­man­den tau­schen, der viel­leicht we­ni­ger Fuß­ball­in­ter­es­se hat", sagt der Spre­cher.

Ge­ne­rell hat­ten sich Ar­beit­ge­ber of­fen für den Vor­schlag ge­zeigt: "Vie­le mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­mer sind gro­ße Fuß­ball-Fans", sag­te et­wa Ma­rio Oho­ven, Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands der mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft (BVMW). "Des­halb soll­te es ge­ra­de bei Klein- und Mit­tel­be­trie­ben mög­lich sein, dass Un­ter­neh­mer und Mit­ar­bei­ter fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten ver­ein­ba­ren."

So sieht man das aber nicht über­all: "Nur weil Fuß­ball-WM ist, steht die Welt ja nicht still", sagt ein Spre­cher des Fil­ter­her­stel­lers Mann + Hum­mel. "Wenn wir für je­den die Ex­tra­wurst bra­ten, dann kön­nen wir uns aufs Brat­wurst­bra­ten kon­zen­trie­ren, aber nicht dar­auf, für un­se­re Kun­den Fil­ter zu bau­en." Wer aber wirk­lich für den Fuß­ball bren­ne, kön­ne na­tür­lich in Ab­spra­che mit dem Chef sei­ne Schicht tau­schen, be­tont der Spre­cher.

Auch beim Au­to­zu­lie­fe­rer Eber­s­pächer brennt man nicht un­be­dingt für die Idee. "Wir könn­ten na­tür­lich sa­gen, wir hof­fen auf ein frü­hes Aus­schei­den der deut­schen Mann­schaft, aber das stimmt na­tür­lich auch nicht", sagt der Ge­schäfts­füh­ren­de Ge­sell­schaf­ter Hein­rich Bau­mann. Zu­min­dest in den bra­si­lia­ni­schen Wer­ken lie­ßen sich Mit­ar­bei­ter un­be­zahl­te Pau­sen zur WM aber wohl nicht neh­men, fürch­tet Bau­mann.

Fle­xi­bel zeigt sich der Au­to­bau­er Daim­ler: "In der Ver­gan­gen­heit ha­ben wir es un­se­ren Mit­ar­bei­tern in der Re­gel er­mög­licht, die Spie­le zu se­hen", sagt ei­ne Spre­che­rin. Fans hät­ten dann ent­we­der die Spät­schicht frü­her be­en­den oder spä­ter in die Früh­schicht star­ten dür­fen.

Fragt man die Mit­ar­bei­ter selbst, schrumpft die Schar der Fuß­ball-Freun­de al­ler­dings doch be­trächt­lich, wie aus ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Em­nid für das Ma­ga­zin "Re­a­der's Di­gest" her­vor­geht. Dem­nach ga­ben 65 Pro­zent der Be­frag­ten an, die Ar­beit ge­he ein­deu­tig vor - und sie sei­en auch nicht be­reit, für das TV-Ver­gnü­gen un­be­zahl­ten Ur­laub zu neh­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. April 2017

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