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Ko­ali­ti­on will Pa­ket­bo­ten bes­ser schüt­zen

Pa­ket­bo­ten sol­len per Ge­setz vor Aus­beu­tung ge­schützt wer­den. Die Pa­ket­bran­che fühlt sich un­ter "Ge­ne­ral­ver­dacht" ge­stellt
Pakete, Logistik, Versand, Online-Shop

15.05.2019. (dpa/fle) - Die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on macht nach lan­gem Streit Ernst mit Maß­nah­men zum Schutz von Pa­ket­bo­ten und er­hält da­für vor al­lem aus dem Ge­werk­schafts­la­ger Rü­cken­de­ckung.

Die Spit­zen von Uni­on und SPD ei­nig­ten sich auf ei­nen Ge­set­zes­plan, der Zu­stel­ler vor al­lem von Su­b­un­ter­neh­men in der boo­men­den Bran­che vor Aus­beu­tung schüt­zen soll.

Aus­lö­ser sind Be­rich­te über nicht ge­zahl­te So­zi­al­bei­trä­ge, il­le­ga­le Be­schäf­ti­gung oder ex­trem nied­ri­ge St­un­den­löh­ne. Wäh­rend Ge­werk­schafts­ver­tre­ter die Ko­ali­ti­ons­plä­ne am Mitt­woch lob­ten, be­fürch­ten Ver­sand­un­ter­neh­men mehr Bü­ro­kra­tie. Der Ver­band BIEK warn­te zu­gleich vor ei­ner pau­scha­len Ver­ur­tei­lung der Bran­che.

Die in der Nacht zu Mitt­woch ver­ein­bar­ten Ko­ali­ti­ons­plä­ne se­hen vor, dass nach dem Prin­zip der Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung die Ver­sand­un­ter­neh­men ver­pflich­tet wer­den sol­len, So­zi­al­bei­trä­ge für säu­mi­ge Su­b­un­ter­neh­mer nach­zu­zah­len. Denn vie­le Pa­ket­diens­te ar­bei­ten nicht mit fest an­ge­stell­ten Zu­stel­lern, son­dern mit Su­b­un­ter­neh­mern, die für ih­re häu­fig aus­län­di­schen Fah­rer ne­ben ei­nem nied­ri­gen Lohn oft auch kei­ne So­zi­al­bei­trä­ge zah­len. Auf die Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung hat­te vor al­lem die SPD ge­pocht, Uni­on und So­zi­al­de­mo­kra­ten hat­ten wo­chen­lang um schär­fe­re Re­geln ge­run­gen.

Mit dem ge­plan­ten Ge­setz sor­ge die Ko­ali­ti­on "für Bei­trag­sehr­lich­keit, die so­zia­le Ab­si­che­rung al­ler Pa­ket­zu­stel­ler und zu­gleich für ei­nen fai­ren Wett­be­werb", heißt es in ei­nem Er­geb­nis­pa­pier der Ko­ali­ti­ons­run­de. DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann sieht in der Ei­ni­gung ei­nen wich­ti­gen Durch­bruch. Es kön­ne nicht sein, dass Un­ter­neh­men sys­te­ma­tisch So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­trug zu­las­ten der Be­schäf­tig­ten be­trie­ben, sag­te der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) dem Sen­der SWR.

Die Ver­sand­un­ter­neh­men be­fürch­ten mehr Bü­ro­kra­tie: Ein DPD-Spre­cher er­war­tet prak­tisch aus­schließ­lich for­ma­le Än­de­run­gen, al­so an­de­re Nach­wei­se, Ver­trags­klau­seln oder Kon­trol­len. Denn die Ge­set­zes­ver­stö­ße, mit de­nen das Ge­setz be­grün­det wer­de, ge­be es bei den Ver­trags­part­nern von DPD oh­ne­hin nicht, sag­te der Spre­cher. Die Ge­set­zes­plä­ne zeig­ten, dass es ei­nen "Ge­ne­ral­ver­dacht" ge­gen die Bran­che ge­be.

Die "pau­scha­le me­dia­le und po­li­ti­sche Ver­ur­tei­lung" der Ku­rier-, Ex­press- und Pa­ket­bran­che sei "be­dau­erns­wert", er­klär­te auch der Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands Pa­ket und Ex­press­lo­gis­tik (BIEK), Mar­ten Bos­sel­mann. Vor­schnell gin­gen vie­le Men­schen grund­sätz­lich da­von aus, dass Un­ter­neh­men, die Pa­ket­zu­stel­ler be­schäf­ti­gen, ge­gen gel­ten­des Ar­beits­recht ver­sto­ßen. Dass das nicht stim­me, hät­ten et­wa die Zoll­kon­trol­len An­fang Fe­bru­ar ge­zeigt. Die Fahn­der hät­ten fast 13.000 Fah­rer be­fragt, an­schlie­ßend sei­en aber nur ver­gleichs­wei­se we­ni­ge Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den: "In al­ler Deut­lich­keit: Je­der Ver­stoß ist ei­ner zu viel – je­doch soll­te bei ei­nem An­teil von 0,2 Pro­zent der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ge­wahrt wer­den."

Wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) hat­te den Vor­schlag zu­nächst scharf kri­ti­siert. Die gro­ßen Lie­fer­un­ter­neh­men ge­hen durch so ei­ne Re­ge­lung bei der Be­schäf­ti­gung von Su­b­un­ter­neh­mern ein Ri­si­ko ein - denn sie müs­sen kon­trol­lie­ren, ob ih­re Ver­trags­part­ner die ge­setz­li­chen Be­din­gun­gen ein­hal­ten. Da­für soll die Wirt­schaft jetzt an an­de­rer Stel­le um min­des­tens ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro ent­las­tet wer­den. De­tails teil­te die Ko­ali­ti­on da­zu zu­nächst nicht mit, die Fach­mi­nis­ter sol­len da­zu kurz­fris­tig be­ra­ten.

Auch der BIEK ver­langt Ver­hält­nis­mä­ßig­keit: "Wir un­ter­stüt­zen al­les, was gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen för­dert, je­doch plä­die­ren wir da­für, dass beim Dis­kurs zur Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ge­wahrt wird und kein un­nö­ti­ger bü­ro­kra­ti­scher Auf­wand ge­schaf­fen wird."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 15. Mai 2019

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