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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/103

Leh­rer be­kla­gen Zeit­druck im Schul­all­tag

Zu we­nig Zeit, zu gro­ße Klas­sen und zu viel Stress: Ei­ne On­line-Um­fra­ge un­ter Leh­rern in Ba­den-Würt­tem­berg ver­deut­licht die Be­las­tun­gen im Schul­all­tag
Lehrerin in einer Grundschulklasse mit Schülern, Schule

(dpa/fle) - Vier von fünf Leh­rern im Land be­kla­gen Zeit­man­gel in ih­rem Be­rufs­all­tag.

Das geht aus ei­ner am Mon­tag in Stutt­gart ver­öf­fent­lich­ten On­line-Um­fra­ge der Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) her­vor, in der rund 5.700 Leh­rer zu ih­rer Ar­beits­zu­frie­den­heit und Ar­beits­be­las­tung im Netz An­ga­ben ma­chen konn­ten.

Mehr als 80 Pro­zent der Leh­rer ga­ben an, dass Zeit­man­gel die Ar­beits­zu­frie­den­heit sehr stark oder stark be­ein­träch­tigt.

Mehr als 60 Pro­zent fin­den, dass ih­re Ar­beits­zeit nie oder sel­ten aus­reicht. Die Auf­ga­ben au­ßer­halb des Un­ter­richts hät­ten zu­ge­nom­men, sag­ten mehr als 90 Pro­zent der Be­frag­ten. "Na­he­zu nie­mand ist von der Ar­beits­ver­dich­tung ver­schont", sag­te die GEW-Lan­des­vor­sit­zen­de Do­ro Mo­ritz. Knapp zwei Drit­tel der Be­frag­ten gab an, dass klei­ne­re Klas­sen hilf­reich sein wür­den.

Der Um­fra­ge zu­fol­ge sind aber die Mehr­heit der Lehr­kräf­te mit ih­rem Be­ruf zu­frie­den und be­trach­ten ih­re Ar­beit mit gro­ßer Mehr­heit als sinn­stif­tend. Die GEW ge­he da­von aus, dass die An­ga­ben ei­nen ho­hen Aus­sa­ge­wert ha­ben, da sich vie­le Leh­rer be­tei­ligt hät­ten - aus je­der Schul­art mehr als 500 Leh­rer.

Als größ­te Her­aus­for­de­rung wur­de die Leis­tungs­band­brei­te der Schü­ler ge­nannt. Auch Dis­zi­plin- und Ver­hal­tens­pro­ble­me sind dem­nach ein gro­ßes Pro­blem - be­son­ders in der Se­kun­dar­stu­fe 1 (Haupt-, Werk­re­al-, Re­al- und Ge­mein­schafts­schu­len). Am Ar­beits­platz Schu­le sei­en nach drei Jah­ren grün-schwar­zer Bil­dungs­po­li­tik kei­ne Ver­bes­se­run­gen zu spü­ren, kri­ti­sier­te Mo­ritz. Schu­len soll­ten mehr Auf­ga­ben wie die In­klu­si­on be­wäl­ti­gen, da­für feh­le aber die Zeit.

Die Leh­rer ga­ben mehr­heit­lich an, dass die In­klu­si­on an ih­rer Schu­le eher nicht gut als gut läuft. Nur 15 Pro­zent se­hen laut Mo­ritz zu­dem ei­nen päd­ago­gi­schen Mehr­wert in der Ganz­tags­schu­le. "Das ist alar­mie­rend." Die GEW be­klagt auch ei­nen Rück­stand bei der Di­gi­ta­li­sie­rung in den Klas­sen­zim­mern. Knapp die Hälf­te der be­frag­ten Leh­rer ha­be an­ge­ge­ben, noch nie mit Ta­blets oder Smart­pho­nes ge­ar­bei­tet zu ha­ben. Drei Vier­tel der Grund­schul­kräf­te ga­ben an, noch kei­ne Er­fah­rung mit di­gi­ta­len Me­di­en ge­macht zu ha­ben. Schul­trä­ger und Land müss­ten hier mehr in­ves­tie­ren, for­der­te Mo­ritz.

Das Land kön­ne sich Zu­rück­hal­tung bei Bil­dungs­in­ves­ti­tio­nen nicht leis­ten, sag­te Mo­ritz. Mehr Stu­di­en­plät­ze und Leh­rer­stel­len müss­ten ge­schaf­fen wer­den. Wenn man den stei­gen­den Schü­ler­zah­len Rech­nung tra­gen wol­le, müs­se es ei­nen Schub ge­ben und es müss­ten viel mehr Ka­pa­zi­tä­ten ge­schaf­fen wer­den. Die Bil­dungs­ge­werk­schaft for­der­te un­ter an­de­rem ei­nen Aus­bau der Ver­tre­tungs­re­ser­ve - im Herbst 2018 hät­ten al­lein 2.000 Gym­na­si­al­lehr­kräf­te kei­ne Stel­le be­kom­men. Auch müss­ten Schul­so­zi­al­ar­beit und Fort­bil­dun­gen zum Um­gang mit Ver­schie­den­ar­tig­keit aus­ge­baut wer­den.

Die Ar­beits­be­las­tung der Leh­rer sei oh­ne Fra­ge hoch, re­agier­te Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) auf die Um­fra­ge. "Aus die­sen Grün­den leh­ne ich es auch ent­schie­den ab, den Klas­sen­tei­ler oder das De­pu­tat zu er­hö­hen, um den Leh­rer­man­gel zu re­du­zie­ren, da die Lehr­kräf­te oh­ne­hin schon sehr ge­for­dert und die Klas­sen ge­fühlt eher zu groß als zu klein sind", be­ton­te sie. Die Ver­tre­tungs­re­ser­ve soll wei­ter aus­ge­baut wer­den. "Durch den Man­gel an Lehr­amts­be­wer­bern in ein­zel­nen Schul­ar­ten und bei be­stimm­ten Fä­chern lässt sich das aber lei­der nicht von heu­te auf mor­gen wirk­sam be­werk­stel­li­gen."

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Letzte Überarbeitung: 29. April 2019

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