HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 17/059

Lohn­plus in Zei­ten des Um­bruchs? Stahl­ko­cher vor har­ter Ta­rif­run­de

Die IG Me­tall gibt sich zum Start der Stahl-Ta­rif­run­de kämp­fe­risch und for­dert 4,5 Pro­zent mehr Geld: Schwer­punkt soll aber auch die Si­che­rung der Ar­beits­plät­ze in der kri­seln­den Bran­che sein
Stahlkocher, Stahlindustrie Was sorgt für Druck auf die Un­ter­neh­men?

23.02.2017. (dpa) - Zum Start der dies­jäh­ri­gen Stahl-Ta­rif­run­de hat die IG Me­tall am Mitt­woch nicht nur ei­ne For­de­rung nach 4,5 Pro­zent mehr Geld auf den Ver­hand­lungs­tisch ge­legt.

Nach dem Wil­len der Ge­werk­schaft soll auch die Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung für die rund 72.000 Mit­ar­bei­ter in Nord­rhein-West­fa­len, Nie­der­sach­sen und Bre­men im Zen­trum der Ge­sprä­che ste­hen, denn die Bran­che be­fin­det sich in schwie­ri­gen Zei­ten und steht vor wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen.

Für Druck auf die Un­ter­neh­men sorgt et­wa seit Län­ge­rem ein Über­an­ge­bot auf dem Stahl­markt, der lan­ge die Ver­kaufs­prei­se schmä­ler­te.

Auch be­rei­tet den Fir­men der Trend zu mehr Ab­schot­tung im Han­del Sor­ge. Schon seit ei­ni­ger Zeit wirbt der Chef des größ­ten deut­schen Stahl­kon­zerns Thys­sen­krupp, Hein­rich Hie­sin­ger, für Zu­sam­men­schlüs­se. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te das Un­ter­neh­men erst­mals Ge­sprä­che mit dem in­di­schen Kon­kur­ren­ten Ta­ta be­stä­tigt und zu­letzt Fort­schrit­te ver­kün­det. Kon­kre­te Er­geb­nis­se ste­hen aber noch aus.

Un­ab­hän­gig von ei­ner mög­li­chen Fu­si­on hat Thys­sen­krupp je­doch zu­sätz­lich wei­te­re Ein­schnit­te in sei­ner Stahl-Spar­te an­ge­kün­digt, die bis zum Früh­som­mer vor­ge­legt wer­den sol­len. Was auf die Be­schäf­tig­ten zu­kom­men soll, ist bis­lang völ­lig un­klar.

"Wir tap­pen im Mo­ment im Dun­keln", sagt et­wa Hei­ko Ree­se, Lei­ter des Stahl­bü­ros der IG Me­tall. Wenn es bei mög­li­chen Zu­sam­men­schlüs­sen in der Bran­che al­lein dar­um ge­he, Grö­ße zu er­zie­len, sei dies aus Sicht der Ge­werk­schaft kei­ne Al­ter­na­ti­ve. Und der Be­triebs­rats­chef der eu­ro­päi­schen Stahl­spar­te von Thys­sen­krupp, Gün­ter Back, hat­te an­ge­sichts von be­fürch­te­ten mas­si­ven Kür­zun­gen bis hin zu Stand­ort­schlie­ßun­gen den Wi­der­stand der Be­leg­schaft an­ge­kün­digt.

Nach dem Wil­len der IG Me­tall soll es bei der ak­tu­el­len Ta­rif­run­de un­ter an­de­rem um das The­ma Al­ters­teil­zeit ge­hen, kün­dig­te Ver­hand­lungs­füh­rer Knut Gies­ler an. Die Ta­rif­kom­mis­si­on hat­te ei­ne For­de­rung von 4,5 Pro­zent mehr Lohn und Ge­halt be­schlos­sen. "Es wird äu­ßerst schwie­rig wer­den, ein für bei­de Sei­ten trag­fä­hi­ges Ver­hand­lungs­er­geb­nis zu fin­den", sag­te der Ver­hand­lungs­füh­rer der Ar­beit­ge­ber, An­dre­as Goss, mit Blick auf die For­de­rung.

"Ich se­he die Bran­che auf ei­nem leich­ten Er­ho­lungs­kurs mit stei­gen­den Stahl­prei­sen", sagt IG Me­tall-Ex­per­te Ree­se. Bei ei­nem Lohn­kos­ten­an­teil von neun Pro­zent an den Ge­samt­kos­ten wer­de die ge­for­der­te Lohn­hö­hung nicht zu mas­si­ven Be­las­tun­gen der Un­ter­neh­men füh­ren, so die Ge­werk­schaft.

Der Prä­si­dent des Stahl-Bran­chen­ver­bands, Hans Jür­gen Kerk­hoff, hat­te da­ge­gen erst in der ver­gan­ge­nen Wo­che auf an­hal­ten­de Pro­ble­me der Fir­men hin­ge­wie­sen. "Zwar hat sich der po­si­ti­ve Trend bei den Auf­trags­ein­gän­gen zu­letzt fort­ge­setzt. Dem steht je­doch ge­gen­über, dass die Ri­si­ken für den Stahl­markt un­ver­än­dert fort­be­ste­hen", sag­te er jüngst auf ei­ner Bran­chen­kon­fe­renz in Düs­sel­dorf.

Be­reits am kom­men­den Diens­tag (28. Fe­bru­ar) en­det die ver­ein­bar­te Frie­dens­pflicht, dann wä­ren Ak­tio­nen wie Warn­streiks mög­lich. Nach Ab­schluss der vor­he­ri­gen Ta­rif­ver­hand­lun­gen hat­te die Ge­werk­schaft 2,3 Pro­zent mehr Geld für die Be­schäf­tig­ten der Stahl­bran­che erstrit­ten. Die IG Me­tall war da­mals mit ei­ner For­de­rung von fünf Pro­zent in die Ta­rif­run­de 2015 ge­gan­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 15. November 2018

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2018:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de