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Luft­han­sa will Ca­te­ring-Spar­te ver­kau­fen

Mit­ten im Sar­nie­rungs­pro­zess soll die Ca­te­ring-Spar­te der Luft­han­sa ver­kauft wer­den - ge­gen den Wil­len der Be­schäf­tig­ten
Stewardess im Flugzeug, Flugbegleiterin

24.05.2019. (dpa/fle) - Der Luft­han­sa-Kon­zern will nicht mehr selbst ko­chen und hat da­her sei­ne Ca­te­ring-Toch­ter LSG Sky Chefs mit welt­weit rund 35.000 Mit­ar­bei­tern of­fi­zi­ell zum Ver­kauf ge­stellt.

Das Un­ter­neh­men steckt mit­ten in ei­ner auf­wen­di­gen Sa­nie­rung und hat trotz­dem mit 115 Mil­lio­nen EUR ge­ra­de ei­nes der bes­ten ope­ra­ti­ven Er­geb­nis­se sei­ner Ge­schich­te an den Mut­ter­kon­zern ab­ge­lie­fert.

In der Groß­kü­che am Frank­fur­ter Flug­ha­fen und an­ders­wo herrscht des­halb Un­ver­ständ­nis und gro­ße Un­ru­he.

Der Bil­lig­trend beim Flie­gen hat die Bord­ver­pfle­gung zu­min­dest auf Kurz­stre­cken fast ob­so­let ge­macht. Die Pas­sa­gie­re zah­len meist nur noch den nack­ten Ti­cket­preis und nicht mehr das Rund­um-Sorg­los-Pa­ket von frü­her. Wo je­der Snack und je­der Drink ex­tra kos­tet, sinkt der Ab­satz und auch die ver­blei­ben­den An­ge­bo­te wer­den un­ter ho­hem Kos­ten­druck her­ge­stellt. Die LSG hat dar­auf un­ter an­de­rem mit dem Bau ei­nes neu­en Pro­duk­ti­ons­werks im tsche­chi­schen Bor re­agiert, um von den ge­rin­ge­ren Lohn­kos­ten zu pro­fi­tie­ren. Trotz­dem gibt es aus Sicht des Luft­han­sa-Vor­stands bei der Bord­ver­pfle­gung nicht mehr rich­tig viel zu ver­die­nen.

Zu­min­dest das Eu­ro­pa-Ge­schäft soll an ei­nen stra­te­gi­schen In­ves­tor ge­hen, der das Hand­werk ver­ste­he, heißt es in Kon­zern­krei­sen. Min­des­tens drei In­ter­es­sen­ten ge­be es be­reits - ne­ben den eu­ro­päi­schen Kon­kur­ren­ten Do&Co und Gate Gour­met soll sich auch Dna­ta aus Du­bai für die LSG-Kü­chen in­ter­es­sie­ren. Die Un­ter­neh­mens­tei­le in mehr als 100 au­ßer­eu­ro­päi­schen Staa­ten könn­ten in ei­nem zwei­ten Schritt auch an bran­chen­frem­de Fi­nanz­in­ves­to­ren ge­hen.

Die noch gut 7.000 deut­schen Ar­beit­neh­mer sind ent­setzt über die Ver­kaufs­plä­ne. Schließ­lich hät­ten Be­triebs­rä­te und Ge­werk­schaft die Sa­nie­rungs­plä­ne teil­wei­se mit­ge­tra­gen, sagt Ver­di-Vor­stands­mit­glied Chris­ti­ne Beh­le. Für das ge­plan­te neue Zen­tral­werk im rhein­land-pfäl­zi­schen Al­zey ha­be man Ta­rif­ver­trä­ge ab­ge­schlos­sen und ins­ge­samt bei den Ar­beits­platz­ver­lus­ten längst nicht so viel Kra­wall ge­macht, wie es mög­lich ge­we­sen wä­re. Die Aus­la­ge­rung nach Tsche­chi­en hat­te die Ge­werk­schaft hin­ge­gen strikt ab­ge­lehnt.

Laut Un­ter­neh­men sind in Deutsch­land im­mer noch rund 580 Voll­zeit­stel­len zu viel an Bord, der mög­li­che Ver­kauf bringt wei­te­re Un­si­cher­hei­ten. "Vie­le wis­sen jetzt nicht, was auf sie zu­kommt", be­schreibt Beh­le die Stim­mung, die in den kom­men­den Wo­chen ver­schie­de­ne Pro­test­ak­tio­nen prä­gen wer­de.

Das Ge­schäft mit der Bord­ver­pfle­gung ist kom­pli­ziert und per­so­nal­in­ten­siv, wie sich in der Frank­fur­ter Zen­tral­kü­che leicht be­ob­ach­ten lässt. Mehr­köp­fi­ge Koch­teams ver­schie­de­ner Na­tio­na­li­tä­ten ge­ben sich dort täg­lich die Löf­fel und Mes­ser in die Hän­de, um nach en­gen Kos­ten­vor­ga­ben und streng nach dem Flug­plan der Ziel­län­der mög­lichst au­then­ti­sche Mahl­zei­ten zu be­rei­ten. Ja­pa­nisch, thai, chi­ne­sisch, ko­rea­nisch, in­disch, ha­l­al und die west­li­che Kü­che ha­ben die Frank­fur­ter Kö­che drauf. Nur ko­sche­re Spei­sen für streng­gläu­bi­ge Ju­den lässt sich die LSG lie­ber von ei­nem Spe­zia­lis­ten zu­lie­fern.

Bis zu 60.000 Ein­zel­tei­le vom Jo­ghurt über den Tee­löf­fel bis zum vor­be­rei­te­ten Haupt­gang und den Li­met­ten für die Cai­pi­rin­ha-Cock­tails ver­lädt die Mann­schaft in ei­nen Lang­stre­cken-Air­bus A380. Zwi­schen An­lie­fe­rung der Wa­ren und der Über­ga­be an die Flug­zeug-Crew ste­hen Hun­der­te Ar­beits­schrit­te. Trotz al­ler In­dus­tria­li­sie­rung bleibt ei­ne Men­ge Hand­ar­beit üb­rig, an vie­len Ar­beits­ti­schen rich­ten Män­ner und Frau­en die Le­bens­mit­tel an.

Ver­di will den Ver­kauf der Spar­te ei­gent­lich ver­hin­dern oder min­des­tens Luft­han­sa als Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter be­hal­ten. Doch im Luft­han­sa-Vor­stand ist die Ent­schei­dung wohl be­reits ge­fal­len, sich in ei­nen rei­nen Air­line-Kon­zern zu wan­deln und die mar­gen­schwa­che Ca­te­ring-Toch­ter ab­zu­sto­ßen. Ob­wohl bei ei­nem Ver­kauf als Gan­zes zu­nächst al­le Ver­trä­ge wei­ter gel­ten wür­den, fürch­tet die Ge­werk­schaft ei­nen Aus­tritt aus dem von Luft­han­sa do­mi­nier­ten Ar­beit­ge­ber­ver­band und mög­li­che Su­b­un­ter­neh­mens-Mo­del­le, mit de­nen neue Eig­ner an den Start ge­hen könn­ten. Hier steht Luft­han­sa-Chef Cars­ten Sp­ohr im Wort, bei dem Deal auf gu­te Be­din­gun­gen für die Be­schäf­tig­ten ach­ten zu wol­len.

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Letzte Überarbeitung: 9. September 2019

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