HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/091

Män­ner be­zie­hen häu­fi­ger El­tern­geld

Ei­ner Stu­die zu­fol­ge steigt die Zahl der männ­li­chen El­tern­geld­be­zie­her. Ein Grund für Eu­pho­rie sei das aus Ex­per­ten­sicht aber noch nicht
Elternzeit, Elterngeld, Eltern mit Kind

11.04.2019. (dpa/fle) - Die Zahl der Vä­ter, die für ih­ren Nach­wuchs ei­ne be­ruf­li­che Aus­zeit neh­men und El­tern­geld be­zie­hen, ist im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich ge­stie­gen.

Wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Don­ners­tag mit­teil­te, stieg die Zahl im Ver­gleich zu 2017 um rund sie­ben Pro­zent.

Die Zahl der Müt­ter nahm da­ge­gen nur um drei Pro­zent zu. Zu­sam­men­ge­rech­net wa­ren vier Pro­zent mehr Men­schen El­tern­geld­be­zie­her als im Jahr 2017.

Ein Durch­bruch für die Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit sind die Zah­len aber aus Ex­per­ten­sicht nicht: Zwar stieg der An­teil der männ­li­chen El­tern­geld­be­zie­her er­heb­lich, noch im­mer sind es aber in gro­ßer Über­zahl die Frau­en, die für den Nach­wuchs zu­hau­se blei­ben. 2018 be­zo­gen nach den Da­ten rund 1,4 Mil­lio­nen Müt­ter El­tern­geld, dem­ge­gen­über ste­hen nur 433.000 Vä­ter.

Auch be­schäf­tig­ten sich die Frau­en deut­lich län­ger mit Win­deln wech­seln, Brei ko­chen und Früh­för­de­rung: Sie blie­ben den Zah­len nach bei dem Be­zug von Ba­sis­el­tern­geld 11,7 Mo­na­te der Ar­beit fern, bei ge­plan­tem Be­zug von El­tern­geld Plus wa­ren es 20 Mo­na­te. Die Vä­ter hiel­ten ih­re Zeit mit Sohn oder Toch­ter mit im Schnitt 3 Mo­na­ten beim Ba­sis­el­tern­geld und 8,9 Mo­na­ten bei El­tern­geld Plus ver­gleichs­wei­se kurz.

El­tern, de­ren Kin­der ab dem 01.07.2015 ge­bo­ren wur­den, kön­nen zwi­schen dem bis­he­ri­gen Ba­sis­el­tern­geld und dem neu­en El­tern­geld Plus wäh­len. Das El­tern­geld Plus fällt in der Re­gel nied­ri­ger aus, wird da­für aber deut­lich län­ger ge­zahlt. Bei­de Mo­del­le för­dern mit dem so­ge­nann­ten Part­ner­schafts­bo­nus oder Vä­ter­mo­na­ten den An­satz, dass sich Va­ter wie Mut­ter um das Kind küm­mern: Blei­ben bei­de El­tern­tei­le ei­ne Zeit zu­hau­se, wird das Geld län­ger ge­zahlt.

Nach An­ga­ben der Sta­tis­ti­ker nut­zen ins­be­son­de­re Frau­en das El­tern­geld Plus, was sich mit Teil­zeit­ar­beit ver­ein­ba­ren lässt: Fast je­de drit­te be­rech­tig­te Frau ent­schied sich im ver­gan­ge­nen Jahr für das neue Mo­dell, 2017 wa­ren es noch 26 Pro­zent. Bei den Män­nern stieg die Zahl von 11 auf 13 Pro­zent.

Im bun­des­wei­ten Ver­gleich lag der Män­ner­an­teil un­ter den El­tern­geld­be­zie­hern 2018 bei 23,7 Pro­zent und stieg da­mit im Ver­gleich zu 2017 um nur 0,7 Pro­zent­punk­te. Deut­lich über dem Schnitt la­gen Sach­sen (28,4 Pro­zent), Ber­lin (26,3 Pro­zent), Bay­ern (26 Pro­zent), Ba­den-Würt­tem­berg (25,8 Pro­zent) und Thü­rin­gen (25,8 Pro­zent). Schluss­lich­ter bei der Vä­ter­be­tei­li­gung bil­de­ten das Saar­land (17,3 Pro­zent) und Rhein­land-Pfalz (19,6 Pro­zent).

Grund­sätz­lich sei die Ent­wick­lung hin zu ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Stei­ge­rung der Vä­ter­be­tei­li­gung er­freu­lich, sag­te die So­zio­lo­gie-Pro­fes­so­rin Hei­ke Trap­pe von der Uni­ver­si­tät Ros­tock. Doch ver­schie­de­ne Sta­tis­ti­ken zeig­ten auch, dass sich der über­wie­gen­de Teil der Vä­ter wei­ter­hin kei­ne Er­zie­hungs-Aus­zeit neh­me. "Das ist noch kein Grund, in Eu­pho­rie aus­zu­bre­chen und den so­zia­len Wan­del in Hin­blick auf die Rol­le der Vä­ter aus­zu­ru­fen." Der Ein­kom­mens­un­ter­schied zwi­schen Män­nern und Frau­en sei nach wie vor sehr groß, was auch bei der Ent­schei­dung über die El­tern­zeit ei­ne Rol­le spie­le.

"Ein Wer­muts­trop­fen ist, dass die durch­schnitt­li­che Be­zugs­dau­er bei Män­nern und Frau­en so weit aus­ein­an­der liegt", sagt Ka­tha­ri­na Wroh­lich vom Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) in Ber­lin. Die Ein­füh­rung des El­tern­gel­des mit den Vä­ter­mo­na­ten sei auf je­den Fall ein wich­ti­ger Schritt hin zu mehr Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit ge­we­sen, das El­tern­geld Plus dann ei­ne wich­ti­ge Er­gän­zung. Um die po­si­ti­ve Ent­wick­lung vor­an­zu­trei­ben, wün­sche sie sich mehr Mut: "Po­li­tik kann durch­aus so­zia­le Nor­men ver­än­dern, da könn­te man noch mehr tun und An­rei­ze zu ei­ner part­ner­schaft­li­chen Auf­tei­lung der Be­treu­ungs­zeit schaf­fen." Bei­spiels­wei­se könn­te der An­teil der Vä­ter­mo­na­te schritt­wei­se er­höht wer­den.

Ins­ge­samt be­ob­ach­ten die Wis­sen­schaft­le­rin­nen aber seit Jah­ren ei­nen Wan­del in der ge­sell­schaft­li­chen Stim­mung. Dass der frisch­ge­ba­cke­ne Va­ter sei­ne zwei Vä­ter­mo­na­te nimmt sei in Deutsch­land in der Mit­te der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men, sag­te Wroh­lich. "Bei jün­ge­ren Leu­ten oder Men­schen mit hö­he­rem Bil­dungs­ni­veau ist das in­zwi­schen ei­ne un­ge­schrie­be­ne Norm", so Trap­pe. Es ge­be aber auch wei­ter­hin re­gio­na­le und Stadt-Land Un­ter­schie­de: "Ver­mut­lich gibt es auch noch Ge­gen­den in Deutsch­land, wo ein Mann mit ei­nem Säug­ling auf­fällt."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de