HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/113

Min­dest­lohn für Azu­bis ab 2020?

Ana­log zum ge­setz­li­chen Min­dest­lohn soll ei­ne ge­setz­li­che Un­ter­gren­ze für die Ver­gü­tung von Azu­bis fest­ge­legt wer­den
duale Ausbildung, Meister bildet Azubis aus

13.05.2019. (dpa/fle) - Aus­zu­bil­den­de sol­len ab dem kom­men­den Jahr min­des­tens 515 EUR im Mo­nat ver­die­nen.

Ei­ne ent­spre­chen­de Re­form des Be­rufs­bil­dungs­ge­set­zes will das Bun­des­ka­bi­nett an die­sem Mitt­woch be­schlie­ßen.

Es schreibt da­mit erst­mals in Deutsch­land ei­ne ge­setz­li­che Un­ter­gren­ze für die Ver­gü­tung von Azu­bis fest - ana­log zum ge­setz­li­chen Min­dest­lohn. "Auf der ei­nen Sei­te wol­len wir die Leis­tung, die die jun­gen Men­schen in den Be­trie­ben er­brin­gen, wert­schät­zen und an­er­ken­nen", sag­te Bil­dungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek (CDU) am Mon­tag in Ber­lin. Auf der an­de­ren Sei­te wol­le man "wei­ter die ho­he Dy­na­mik in den Be­trie­ben er­hal­ten, gu­te und hoch­wer­ti­ge Aus­bil­dung an­zu­bie­ten".

Der Min­dest­be­trag von 515 EUR soll ab 2020 für Lehr­lin­ge im ers­ten Aus­bil­dungs­jahr gel­ten. In den Fol­ge­jah­ren soll sich die Min­dest­aus­bil­dungs­ver­gü­tung nach den Plä­nen Kar­lic­zeks wei­ter er­hö­hen - im Jahr 2021 auf 550 EUR, 2022 auf 585 EUR und ab 2023 auf 620 EUR. Im zwei­ten, drit­ten und vier­ten Lehr­jahr soll es eben­falls mehr ge­ben - plus 18 Pro­zent im zwei­ten Jahr, 35 Pro­zent im drit­ten und 40 Pro­zent im vier­ten Aus­bil­dungs­jahr. Zu­erst hat­ten die Zei­tun­gen der Fun­ke-Me­di­en­grup­pe über die Plä­ne be­rich­tet.

Um­strit­ten war in der Re­gie­rung bis zu­letzt die Hö­he der Zah­lun­gen. Für die Be­trie­be müs­se die Min­dest­ver­gü­tung wirt­schaft­lich trag­bar sein, mahn­te Kar­lic­zek. Dort, wo der Ein­stieg in den Min­dest­lohn nicht so schnell ge­währ­leis­tet wer­den kön­ne, wol­le man den Be­trie­ben ge­mein­sam mit den So­zi­al­part­nern ei­nen län­ger­fris­ti­gen Ein­stieg er­mög­li­chen. Zu­dem soll der Min­dest­lohn nur dort gel­ten, wo es der­zeit kei­ne Ta­rif­ver­trä­ge für Azu­bis gibt. Ist ta­rif­lich ein ge­rin­ge­rer Lohn ver­ein­bart, soll die­ser wei­ter ge­zahlt wer­den.

Nach Zah­len der Hans-Böck­ler-Stif­tung trifft das aber kaum zu: Dem­nach reich­te die Spann­brei­te der in Ta­rif­ver­trä­gen ver­ein­bar­ten Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen in ver­gan­ge­nen Jahr von 610 EUR für ei­nen Azu­bi im ers­ten Jahr im Kfz-Hand­werk in Thü­rin­gen bis zu 1580 EUR im vier­ten Aus­bil­dungs­jahr im west­deut­schen Bau­haupt­ge­wer­be.

In Be­trie­ben oh­ne Ta­rif­bin­dung da­ge­gen be­kom­men Azu­bis oft deut­lich we­ni­ger. Nach Zah­len der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ver­dien­ten En­de 2017 fast 65.000 Azu­bis in Deutsch­land we­ni­ger als 400 EUR im Mo­nat, wei­te­re 50.000 un­ter 500 EUR - zu­sam­men mehr als sie­ben Pro­zent al­ler Aus­zu­bil­den­den. Un­ter der neu­en Min­dest­lohn-Gren­ze la­gen 2018 nach Da­ten des Bun­des­in­sti­tuts für Be­rufs­bil­dung bei­spiels­wei­se Raum­aus­stat­ter-Lehr­lin­ge, die in Ost­deutsch­land 480 EUR im Mo­nat ver­die­nen, aber auch Schorn­stein­fe­ger mit 450 EUR und ost­deut­sche Fri­seu­re mit 325 EUR. Am stärks­ten pro­fi­tie­ren wür­den dem­nach Flei­scher-Lehr­lin­ge in Ost­deutsch­land.

Der Min­dest­lohn sei ein "Zei­chen für die Wert­schät­zung der Lern­an­stren­gun­gen un­se­rer Aus­zu­bil­den­den" oh­ne aus­bil­den­de Be­trie­be ge­ne­rell zu über­for­dern, er­klär­te Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer. Die al­ler­meis­ten zahl­ten schon jetzt deut­lich mehr als den vor­ge­schla­ge­nen Min­dest­lohn.

Das Hand­werk zeig­te sich skep­ti­scher: Die ge­setz­li­che Fest­le­gung ei­nes Min­dest­lohns für Azu­bis sei "ein schwe­rer Ein­griff in die ge­leb­te Be­triebs- und Ta­rif­au­to­no­mie", kri­ti­sier­te Hol­ger Schwan­ne­cke, der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks. Er warn­te vor ei­ner deut­li­chen Be­las­tung ge­ra­de der klei­nen Be­trie­be in struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. Juni 2019

Bewertung: 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de