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Rund 3,3 Mil­lio­nen ha­ben meh­re­re Jobs - Frau­en be­son­ders be­trof­fen

Reicht ein Job zum Le­ben? Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land ha­ben meh­re­re Stel­len - doch die Grün­de sind viel­fäl­tig
Putzeimer mit Putzzeug

07.05.2018. (dpa/eis) - Die An­zahl der Men­schen mit meh­re­ren Tä­tig­kei­ten ist in den letz­ten Jah­ren deut­lich auf et­wa 3,3 Mil­lio­nen an­ge­stie­gen.

Laut Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) hat­ten Mit­te 2017 al­lein mehr als acht von hun­dert so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­te ei­nen Mi­ni­job als Ne­ben­job.

2016 gab es bun­des­weit 3,13 Mil­lio­nen Mehr­fach­be­schäf­tig­te, im letz­ten Jahr wa­ren es 3,26 Mil­lio­nen.

Das geht aus der Ant­wort der BA auf ei­ne An­fra­ge der Lin­ken-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Sa­bi­ne Zim­mer­mann her­vor, wie die „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“ (Sams­tag) be­rich­te­te.

Seit Jah­ren setzt sich die Ten­denz zu meh­re­ren Jobs fort. Die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für ge­ring­fü­gig ent­lohn­te Be­schäf­ti­gung im Ne­ben­job gel­ten seit 2003. 2004 wa­ren 1,86 Mil­lio­nen Men­schen mit zwei Stel­len oder mehr re­gis­triert.

Zu­letzt gin­gen 2,73 Mil­lio­nen Mehr­fach­be­schäf­tig­te ne­ben ei­ner so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Stel­le min­des­tens ei­ner wei­te­ren ge­ring­fü­gi­gen Be­schäf­ti­gung nach. Die zweit­häu­figs­te Kom­bi­na­ti­on sind zwei so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Jobs.

Laut der BA sind in West­deutsch­land Mi­ni­jobs als Ne­ben­job stär­ker ver­brei­tet als im Os­ten. Vor al­lem Frau­en, Aus­län­der und Jün­ge­re un­ter 25 Jah­ren ge­hen dem­nach ei­nem Haupt- und ei­nem ge­ring be­zahl­ten Ne­ben­job nach.

Häu­fig wer­den Teil­zeit und Mi­ni­job kom­bi­niert, so die BA. Dies er­folgt aus un­ter­schied­li­chen Grün­den: „Bei­spiels­wei­se war ei­ne Voll­zeit­stel­le nicht zu fin­den oder ei­ne Voll­zeit­be­schäf­ti­gung kann we­gen (fa­mi­liä­rer) Ver­pflich­tun­gen nicht aus­ge­übt wer­den.“ Fer­ner sei bei glei­cher St­un­den­zahl Mehr­fach­be­schäf­ti­gung fi­nan­zi­ell teils güns­ti­ger.

Zu­gleich hät­ten An­ge­stell­te mit Ne­ben­job, die im Haupt­job ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Voll­zeit­be­schäf­ti­gung aus­üben, aber ein ge­rin­ge­res mitt­le­res Mo­nats­ein­kom­men als al­le so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Voll­zeit­be­schäf­tig­ten. Ge­ra­de Frau­en sei­en da­von be­trof­fen.

Die ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Links­frak­ti­on, Sa­bi­ne Zim­mer­mann, er­klärt der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“: „Für im­mer mehr Be­schäf­tig­te reicht das Ein­kom­men aus ei­nem Job nicht mehr aus.“ Der Groß­teil dürf­te aus rei­ner fi­nan­zi­el­len Not mehr als ei­nen Job ha­ben und nicht frei­wil­lig, meint sie.

Zu­dem gab es ei­ne neue Be­stä­ti­gung für den Trend, dass Ar­beit­neh­mer zu­neh­mend we­gen Über­las­tung und Er­schöp­fung krank­ge­schrie­ben sind. Das er­gab die Ant­wort des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums auf ei­ne wei­te­re An­fra­ge der Lin­ken, wie die Zei­tun­gen der Fun­ke Me­di­en­grup­pe (Sams­tag) be­rich­te­ten.

Dem­zu­fol­ge stieg die Zahl der Fehl­ta­ge von 2012 bis 2016 von 19,97 Mil­lio­nen auf 30,53 Mil­lio­nen im Jahr. Be­son­ders ra­sant ge­stie­gen sind dem­nach die Zah­len bei Be­las­tungs- und An­pas­sungs­stö­run­gen. 2012 fehl­ten Be­schäf­tig­te des­we­gen 10,5 Mil­lio­nen Ta­ge, 2016 wa­ren es 16,9 Mil­lio­nen. Für 2017 la­gen noch kei­ne Zah­len vor.

„Ar­beit­ge­ber und Bun­des­re­gie­rung be­han­deln die Be­schäf­tig­ten wie Ver­schleiß­tei­le“, so Jut­ta Krell­mann, Lin­ken-Spre­che­rin für Mit­be­stim­mung und Ar­beit, den Zei­tun­gen. Der Bun­des­re­gie­rung warf Krell­mann vor, lie­ber über ei­ne Lo­cke­rung des Ar­beits­zeit­ge­set­zes nach­zu­den­ken, statt die Ge­sund­heit der Be­schäf­tig­ten zu schüt­zen. „Das grenzt an Kör­per­ver­let­zung.“


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Letzte Überarbeitung: 27. August 2018

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