HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/110

Sie­mens glie­dert Kraft­werks­par­te aus

Sie­mens plant ei­ne Aus­glie­de­rung der Kraft­werks­par­te, von der et­wa 20.000 Mit­ar­bei­ter be­trof­fen sind. Die Aus­wir­kun­gen sind bis­her un­klar.
Maschinenbauer arbeiten an Gasturbine

08.05.2019. (dpa/fle) - Fast die Hälf­te der Sie­mens-Be­schäf­tig­ten in Ber­lin ist von der ge­plan­ten Aus­glie­de­rung der kri­seln­den Kraft­werks­par­te des Kon­zerns be­trof­fen.

Es ge­he um rund 6.000 der et­wa 12.500 Sie­mens-Mit­ar­bei­ter in der Haupt­stadt, sag­te Bir­git Diet­ze, Ers­te Be­voll­mäch­tig­te der IG Me­tall Ber­lin, am Mitt­woch.

Zu den Wer­ken, die im Zu­ge des jüngst an­ge­kün­dig­ten Kon­zern­um­baus ab­ge­spal­ten wer­den sol­len, zähl­ten in der Haupt­stadt in ers­ter Li­nie das Gas­tur­bi­nen­werk und Tei­le des Schalt­werks. Im Os­ten Deutsch­lands sind nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft auch die Stand­or­te Er­furt und Gör­litz be­trof­fen. In Er­furt sind rund 500, in Gör­litz mehr als 900 Men­schen bei Sie­mens be­schäf­tigt. Bun­des­weit sei­en fast 20 Stand­or­te mit zu­sam­men deut­lich mehr als 20.000 Be­schäf­tig­ten be­trof­fen.

Was heißt be­trof­fen? Kon­kret be­deu­tet das zu­nächst, dass rund 20.000 jet­zi­ge Sie­mens-Mit­ar­bei­ter künf­tig in Wer­ken ar­bei­ten wer­den, die dann zu ei­nem neu ent­ste­hen­den En­er­gie­un­ter­neh­men ge­hö­ren. Was kon­kret mit den Mit­ar­bei­tern und Stand­or­ten pas­siert, ist aber noch völ­lig of­fen.

Am Diens­tag­abend hat­te der Kon­zern ver­kün­det, dass er die kri­seln­de Spar­te "Gas und Power" aus­glie­dern und bis Sep­tem­ber kom­men­den Jah­res an die Bör­se brin­gen will. An dem neu­en Un­ter­neh­men will Sie­mens et­was we­ni­ger als 50 Pro­zent hal­ten. Ge­samt­be­triebs­rat und IG Me­tall hat­ten der Ab­spal­tung un­ter Be­din­gun­gen zu­ge­stimmt. So soll das neue Un­ter­neh­men et­wa wei­ter­hin in Deutsch­land ge­lis­tet sein, be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen sind laut IG Me­tall aus­ge­schlos­sen. Akut in Ge­fahr sei­en die rund 20.000 Jobs nach Ein­schät­zung von Ge­werk­schaf­te­rin Diet­ze da­her nicht.

Jür­gen Ker­ner, Haupt­kas­sie­rer der IG Me­tall und Auf­sichts­rats­mit­glied der Sie­mens AG, be­wer­te­te die Än­de­rung laut ei­ner Mit­tei­lung ins­ge­samt po­si­tiv: "Es ent­steht ein Un­ter­neh­men, das trotz man­cher Un­wäg­bar­kei­ten ins­ge­samt die bes­se­ren Per­spek­ti­ven für die Be­schäf­tig­ten bie­tet."

Auch Il­ko Ve­h­low von der IG Me­tall Er­furt nann­te die­se Lö­sung in ei­ner Mit­tei­lung ei­ne "deut­lich bes­se­re Op­ti­on, als der Ver­kauf an et­wai­ge Mit­be­wer­ber" ge­we­sen wä­re. Denn de­ren Ziel wä­re aus sei­ner Sicht ver­mut­lich ei­ne "Markt­be­rei­ni­gung" ge­we­sen, kei­ne Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten.

Auch Jan Ot­to von der IG Me­tall Ost­sach­sen, die für den Stand­ort Gör­litz zu­stän­dig ist, hob am Mitt­woch her­vor, dass die Kern­for­de­run­gen der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter er­füllt wor­den sei­en. "Na­tür­lich ist die Zu­kunft da­mit wei­ter­hin ver­dammt her­aus­for­dernd." Erst im Herbst hat­te Sie­mens den Gör­lit­zern zu­ge­sagt, den Stand­ort zur welt­wei­ten Sie­mens-Zen­tra­le für In­dus­trie­dampf­tur­bi­nen aus­zu­bau­en. Kon­zern-Chef Joe Ka­e­ser be­ton­te am Mitt­woch, dass die Ver­ein­ba­rung auch im neu­en Un­ter­neh­men wei­ter Be­stand ha­be.

Am Mitt­woch, ei­nen Tag nach der Um­bau-An­kün­di­gung, leg­te der Kon­zern so­li­de Quar­tals­zah­len vor. Der Um­satz stieg im zwei­ten Quar­tal um 4 Pro­zent auf knapp 21 Mil­li­ar­den EUR, die Auf­trags­la­ge leg­te um rund 6 Pro­zent auf 23,6 Mil­li­ar­den EUR zu.

Erst vor Kur­zem konn­te sich Sie­mens auch ei­nen wich­ti­gen Teil­auf­trag mit ei­nem Vo­lu­men von 700 Mil­lio­nen EUR im Irak si­chern. "So ei­ne Auf­trags­ver­ga­be gibt im­mer Hoff­nung", sag­te Diet­ze am Mitt­woch. Aber: "Wir se­hen seit Jah­ren, dass der Gas­kraft­stoff­markt ein schwie­ri­ger Markt ist."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. August 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de