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17/061a Tex­til­kon­fe­renz in Dha­ka: Ka­ter­lau­ne statt Fei­er­stim­mung

Ban­gla­desch hat zu­letzt vie­le Fort­schrit­te bei der Si­cher­heit sei­ner Tex­til­ar­bei­ter ge­macht: Auf ei­nem Gip­fel soll­ten sie dis­ku­tiert wer­den. Doch ein an­de­rer Kon­flikt drängt sich in den Vor­der­grund
Was soll auf dem Tex­til­gip­fel dis­ku­tiert wer­den?

25.02.2017. (dpa) - Ein mo­na­te­lan­ger Streit zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern über­schat­tet den Tex­til­gip­fel in Ban­gla­desch.

Erst in letz­ter Se­kun­de lenk­te die Re­gie­rung in Dha­ka ein und ent­ließ die letz­ten von min­des­tens 34 in­haf­tier­ten Ar­bei­tern und Ge­werk­schaft­lern, die teil­wei­se wo­chen­lang im Ge­fäng­nis ge­ses­sen hat­ten.

Zu­vor hat­ten Ge­werk­schaf­ten, Han­dels­ver­bän­de und Re­gie­run­gen aus rund 20 Län­dern öf­fent­lich das Ver­hal­ten von Ar­beit­ge­bern und Re­gie­rung in Fra­ge ge­stellt.

Ein Ein­len­ken gab es aber erst, als we­ni­ge Ta­ge vor dem Gip­fel fünf gro­ße Mar­ken ih­re Teil­nah­me ab­sag­ten - dar­un­ter Tchi­bo, C&A und In­ditex (Za­ra). Die Fest­nah­men wa­ren in­ter­na­tio­nal kri­ti­siert wor­den - un­ter an­de­rem vom Deut­schen Ge­werk­schafts­bund. Auch das Aus­wär­ti­ge Amt in Ber­lin mel­de­te Be­den­ken an, ob die In­haf­tier­ten fair be­han­delt wur­den.

Be­reits seit dem 12. De­zem­ber tra­gen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer der Tex­til­in­dus­trie in Ban­gla­desch ei­nen of­fe­nen Kon­flikt aus. Tau­sen­de Ar­bei­ter for­der­ten ei­ne Er­hö­hung ih­res Min­dest­lohns auf rund 180 Eu­ro im Mo­nat - fast drei­mal so viel wie bis­her. Als Re­ak­ti­on wur­den mehr als 50 Fa­bri­ken zeit­wei­se ge­schlos­sen. Laut Ge­werk­schafts­an­ga­ben wur­den zu­dem min­des­tens 1.600 Ar­bei­ter ent­las­sen und min­des­tens 34 Ak­ti­vis­ten fest­ge­nom­men, Bü­ros von Ge­werk­schaf­ten muss­ten schlie­ßen.

Auf dem ein­tä­gi­gen Tex­til­gip­fel, aus­ge­rich­tet vom Ver­band der ban­gla­de­schi­schen Tex­ti­l­ex­por­teu­re BGMEA, soll­ten Fort­schrit­te bei der Ar­beits­si­cher­heit dis­ku­tiert und ein Aus­blick auf die Zu­kunft des zweit­größ­ten Tex­ti­l­ex­por­teurs der Welt ge­wor­fen wer­den. Denn dass es beim Ar­beits­schutz Fort­schrit­te gab, wird kaum be­strit­ten. Nach ei­nem gro­ßen Fa­brikun­fall im April 2013, bei dem mehr als 1.100 Men­schen ge­stor­ben wa­ren, en­ga­gier­ten sich auch aus­län­di­sche Käu­fer in ge­mein­sa­men Initia­ti­ven, um die Si­cher­heit zu ver­bes­sern.

Auf der an­de­ren Sei­te ist es je­doch im­mer noch sehr schwie­rig, in Ban­gla­desch ei­ne Ge­werk­schaft zu grün­den oder für an­de­re Ar­bei­ter­rech­te zu kämp­fen. In der Tex­til­in­dus­trie ist nur rund je­der 20. der mehr als vier Mil­lio­nen Ar­bei­ter ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­siert.

"Der Dia­log zwi­schen Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­bern und Re­gie­rung muss in Ban­gla­desch bes­ser struk­tu­rell ver­an­kert wer­den", sag­te Fran­zis­ka Korn, Lan­des­che­fin der SPD-na­hen Fried­rich-Ebert-Stif­tung in Ban­gla­desch. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­werk­schaft In­dus­tri­all, ei­ne der Trei­be­rin­nen hin­ter den Pro­tes­ten, sieht vor al­lem die welt­wei­te Auf­merk­sam­keit als Grund für das jüngs­te Ein­len­ken. "Wir ha­ben un­glaub­li­che in­ter­na­tio­na­le Un­ter­stüt­zung er­hal­ten", sag­te Ge­ne­ral­se­kre­tär Val­ter San­ches. "Die Pro­ble­me, die den Kon­flikt En­de des letz­ten Jah­res aus­ge­löst ha­ben, sind al­ler­dings im­mer noch da."

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Letzte Überarbeitung: 12. Oktober 2017

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