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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/076

Ver­bän­de for­dern mehr Ein­satz für Men­schen mit Be­hin­de­rung

Trotz Fort­schrit­ten seit In­kraft­tre­ten der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on sor­gen sich Ex­per­ten um die Zu­kunft der In­klu­si­on
Diskriminierungsverbote - Behinderung, Schutz vor Diskriminierung von Menschen mit Behinderung

26.03.2019. (dpa/fle) - Zehn Jah­re nach In­kraft­tre­ten der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on in Deutsch­land for­dern In­ter­es­sen­ver­bän­de neue An­stren­gun­gen auf dem Weg zu gleich­be­rech­tig­ter Teil­ha­be.

Die Be­mü­hun­gen zur Um­set­zung der Kon­ven­ti­on droh­ten in Zu­kunft "un­ge­ord­net im San­de" zu ver­lau­fen, wenn der Na­tio­na­le Ak­ti­ons­plan der Bun­des­re­gie­rung nicht ak­tua­li­siert wer­de, kri­ti­sier­te Bri­git­te Dö­cker, Vor­stands­mit­glied der Ar­bei­ter­wohl­fahrt (Awo) am Diens­tag.

Die UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on wur­de En­de 2006 von der UN-Ge­ne­ral­ver­samm­lung be­schlos­sen und trat in Deutsch­land am 26.03.2009 in Kraft. In ei­nem Na­tio­na­len Ak­ti­ons­plan hat die Bun­des­re­gie­rung for­mu­liert, wie das Ziel ei­ner gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen am ge­sell­schaft­li­chen All­tag er­reicht wer­den soll - et­wa im Bil­dungs­be­reich, auf dem Ar­beits­markt oder bei der Mo­bi­li­tät. Vie­le der im Ak­ti­ons­plan fest­ge­hal­te­nen Maß­nah­men sei­en je­doch in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren aus­ge­lau­fen, sag­te Dö­cker. Zu­letzt sei der Ak­ti­ons­plan 2016 ak­tua­li­siert wor­den.

Ein er­nüch­tern­des Fa­zit zog auch der zu­stän­di­ge Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Jür­gen Du­sel. Für die Um­set­zung der Kon­ven­ti­on wür­de er Deutsch­land die No­te "be­frie­di­gend bis aus­rei­chend" ge­ben, sag­te er dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land und ver­wies auf den Ar­beits­markt: Zwar ge­be es heu­te mehr als 1,2 Mil­lio­nen Men­schen mit Schwer­be­hin­de­rung in so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Be­schäf­ti­gung. Men­schen mit Be­hin­de­run­gen sei­en aber wei­ter­hin län­ger und häu­fi­ger ar­beits­los als Men­schen oh­ne Be­hin­de­run­gen.

Laut dem In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) stieg die Zahl der Be­schäf­tig­ten mit schwe­rer Be­hin­de­rung bei Ar­beit­ge­bern mit mehr als 20 Stel­len al­lein zwi­schen 2007 und 2016 auf 1,05 Mil­lio­nen. Nach An­ga­ben Du­sels be­schäf­tigt je­doch auch heu­te noch ein Vier­tel der Un­ter­neh­men in die­ser Grö­ßen­ord­nung kei­nen ein­zi­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung - ob­wohl die­se Un­ter­neh­men fünf Pro­zent für Schwer­be­hin­der­te be­reit­stel­len oder ei­ne Aus­gleichs­ab­ga­be zah­len müss­ten.

Als Er­folgs­mo­dell wer­te­te da­ge­gen die Le­bens­hil­fe den ge­mein­sa­men Schul­un­ter­richt von Kin­dern mit und oh­ne Be­hin­de­run­gen. 78 Pro­zent der El­tern sei­en der Mei­nung, dass in­klu­si­ve Schu­len funk­tio­nier­ten. Das ha­be ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­ge im Auf­trag der Ak­ti­on Mensch und der Wo­chen­zei­tung "Die Zeit" er­ge­ben. In der ge­sam­ten Ge­sell­schaft be­für­wor­te­ten je­doch nur 66 Pro­zent den ge­mein­sa­men Un­ter­richt, bei im­mer­hin 85 Pro­zent Zu­stim­mung für ein ins­ge­samt gleich­be­rech­tig­tes Zu­sam­men­le­ben.

"Die­se Zah­len sind ei­ner­seits er­mu­ti­gend, zei­gen aber auch, wie drin­gend es nö­tig ist, dass Schu­len end­lich bes­ser aus­ge­stat­tet und die Leh­rer­aus- und -wei­ter­bil­dung auf In­klu­si­on aus­ge­rich­tet wer­den", er­klär­te die Bun­des­vor­sit­zen­de der Le­bens­hil­fe und frü­he­re Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­rin, Ul­la Schmidt (SPD).

Zu­vor hat­ten die Grü­nen an­ge­kün­digt, In­klu­si­on im Eu­ro­pa­wahl­kampf zu the­ma­ti­sie­ren. Die Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin im Bun­des­tag, Kat­rin Gö­ring-Eckardt, kri­ti­sier­te, dass der An­teil der Men­schen mit Be­hin­de­run­gen in Hei­men wach­se, ob­wohl sich die Bun­des­re­gie­rung mit der UN-Kon­ven­ti­on ver­pflich­tet ha­be, ih­nen ein selbst­be­stimm­tes Woh­nen in den ei­ge­nen vier Wän­den zu er­mög­li­chen.

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Letzte Überarbeitung: 3. Juli 2019

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