HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/148

Vie­le Mi­ni- und Teil­zeit­job­ber

Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter hal­ten fle­xi­ble Be­schäf­ti­gungs­for­men für not­wen­dig, doch Kri­ti­ker war­nen vor den Ri­si­ken
Minijob Grenze 450 Euro, geringfügige Beschäftigung, Aushilfsjob

24.06.2019. (dpa/fle) - Ein Fünf­tel al­ler Kern­be­schäf­tig­ten in Deutsch­land ar­bei­tet in Teil­zeit, ei­nem Mi­ni­job oder ist be­fris­tet an­ge­stellt.

Die Zahl die­ser so­ge­nann­ten aty­pi­schen Be­schäf­tig­ten ran­gie­re wei­ter­hin auf ei­nem ho­hen Ni­veau, teil­te das Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tut (WSI) der Hans-Böck­ler-Stif­tung am Mon­tag mit.

Im Ge­sund­heits- und So­zi­al­we­sen ist sie am höchs­ten, wie Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zei­gen. Als Kern­be­schäf­tig­te gel­ten Ar­beit­neh­mer im Al­ter zwi­schen 15 und 64 Jah­ren.

Grund­la­ge für die WSI-Da­ten­aus­wer­tung sind die ak­tu­ells­ten Zah­len aus dem Jahr 2017. Aty­pisch be­schäf­tigt ist, wer in Teil­zeit ar­bei­tet, ei­nen Mi­ni­job hat oder be­fris­tet be­zie­hungs­wei­se als Leih­ar­bei­ter an­ge­stellt ist. Aus­ge­nom­men sind Men­schen die ei­ne Aus­bil­dung ma­chen, in ei­nem Fe­ri­en­job ar­bei­ten oder et­wa ei­nen Dienst wie den Wehr­dienst leis­ten.

Laut WSI gibt es un­ter­schied­li­che Fak­to­ren, die mit aty­pi­scher Be­schäf­ti­gung zu­sam­men­hän­gen - zum Bei­spiel das Ge­schlecht: Fast je­de drit­te Frau steckt in ei­nem aty­pi­schen Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis. Bei den Män­nern trifft dies hin­ge­gen nur auf knapp je­den Zehn­ten zu.

Aty­pi­sche Be­schäf­ti­gung ist laut dem So­zi­al­ver­band VdK ein Ri­si­ko mit Blick auf die Ren­te. Vie­le Frau­en ver­zich­ten zum Bei­spiel für die Kin­der­er­zie­hung auf Voll­zeit­stel­len und ar­bei­ten statt­des­sen in Mi­ni- oder Teil­zeit­jobs. So er­hiel­ten sie spä­ter nur ei­ne klei­ne Ren­te und sei­en be­son­ders häu­fig von Al­ters­ar­mut be­trof­fen, er­klärt VdK-Spre­che­rin Cor­ne­lia Jurr­mann.

Fle­xi­ble Be­schäf­ti­gungs­for­men wie Mi­ni­jobs sind aus Sicht der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) aber auch un­ver­zicht­bar für die Ar­beits­markt­dy­na­mik: "Sie er­leich­tern den Ein­stieg in Ar­beit und bie­ten neue Be­schäf­ti­gungs­per­spek­ti­ven für ge­ring Qua­li­fi­zier­te und Lang­zeit­ar­beits­lo­se."

In den Au­gen der Ge­werk­schaf­ten ist das je­doch "Ro­si­nen­pi­cke­rei". "Der Ar­beit­ge­ber holt sich den Ar­beit­neh­mer ran, wenn er ihn braucht und wenn er ihn nicht mehr braucht, wird er wie­der ent­las­sen", kri­ti­siert der Ar­beits­markt­ex­per­te des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB), Jo­han­nes Ja­kob. Mi­ni­jobs führ­ten zu ei­ner Ent­wer­tung der ei­ge­nen Qua­li­fi­ka­ti­on. "Die meis­ten sind nicht qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­recht be­schäf­tigt, der Fach­kräf­te­man­gel wird ver­schärft." Das­sel­be gilt dem­nach für Leih­ar­bei­ter. Die­se sei­en trotz ab­ge­schlos­se­ner Be­rufs­aus­bil­dung häu­fig als Hel­fer be­schäf­tigt und ver­dien­ten des­halb we­ni­ger.

Auf­fäl­lig sind Un­ter­schie­de zwi­schen West- und Ost­deutsch­land. In Bran­den­burg ist der An­teil an aty­pisch Be­schäf­tig­ten mit 14 Pro­zent am nied­rigs­ten, in Bre­men mit 26,2 Pro­zent da­ge­gen am höchs­ten. In den Ost-Bun­des­län­dern ist die Quo­te nicht hö­her als 17,5 Pro­zent. Der Wes­ten weist da­ge­gen hö­he­re An­tei­le auf: Ham­burg hat mit 17,9 Pro­zent noch den nied­rigs­ten un­ter den West-Bun­des­län­dern. Grund ist nach Auf­fas­sung des WSI die bes­ser aus­ge­bau­te Kin­der­be­treu­ung im Os­ten. Das er­mög­li­che vor al­lem Frau­en, Voll­zeit zu ar­bei­ten.

Ent­schei­dend ist auch das Al­ter: Be­rufs­an­fän­ger er­hal­ten oft nur ei­nen be­fris­te­ten Ver­trag und sind da­mit aty­pisch be­schäf­tigt, wie das WSI schreibt. Un­ter den 15- bis 24-Jäh­ri­gen be­trifft das fast ein Drit­tel. Au­ßer­dem ist ent­schei­dend, ob man Deut­scher ist oder nicht und wie hoch der Bil­dungs- oder Be­rufs­ab­schluss der Ar­beit­neh­mer ist.

Be­son­ders die Zahl der aty­pisch-be­schäf­tig­ten Aus­län­der nahm über die Jah­re zu. Durch die gu­te Kon­junk­tur seit 2011 sank da­ge­gen die Zahl der deut­schen Frau­en in aty­pi­scher Be­schäf­ti­gung um knapp 450.000 und die der Män­ner um 183.000.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 24. Juni 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de