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Zu­kunft der Su­per­markt­ket­te Re­al un­ge­wiss

Im Ver­kaufs­pro­zess der Su­per­markt­ket­te Re­al ist ein po­ten­zi­el­ler Käu­fer ge­fun­den wor­den - Fest steht be­reits, dass es zu Ein­schnit­ten im Fi­li­al­netz kom­men wird
Einzelhandel, Verkäufer, Kassierer, Kartenzahlung

09.05.2019. (dpa/fle) - Die rund 34.000 Be­schäf­tig­ten der Su­per­markt­ket­te Re­al müs­sen wei­ter zit­tern.

Auch nach­dem der Re­al-Ei­gen­tü­mer Me­tro mit dem Im­mo­bi­li­en­in­ves­tor Re­dos ei­nen po­ten­zi­el­len Käu­fer für das schwä­cheln­de Un­ter­neh­men ge­fun­den hat, bleibt die Zu­kunft der 279 Fi­lia­len un­ge­wiss.

Me­tro-Chef Olaf Koch ver­si­cher­te zwar am Don­ners­tag, dass ein "Kern" des Un­ter­neh­mens auch nach ei­nem Ver­kauf er­hal­ten blei­ben sol­le. Doch ließ er zu­gleich kei­nen Zwei­fel dar­an, dass es un­ter dem neu­en Ei­gen­tü­mer zu si­gni­fi­kan­ten Ver­än­de­run­gen am Ge­schäfts­mo­dell und in der Kos­ten­struk­tur kom­men wer­de.

Me­tro hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr an­ge­kün­digt, sich von der an­ge­schla­ge­nen Su­per­markt­ket­te tren­nen zu wol­len. Am Mitt­woch­abend gab der Kon­zern dann be­kannt, in ex­klu­si­ve Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen mit ei­nem Kon­sor­ti­um um Re­dos ein­ge­tre­ten zu sein. Da­zu ge­hö­ren nach dpa-In­for­ma­tio­nen auch der zur Ot­to-Grup­pe zäh­len­de Ein­kaufs­cen­ter-Be­trei­ber ECE und das Bank­haus Mor­gan St­an­ley. Die Ver­hand­lun­gen sol­len dem­nach noch im Som­mer ab­ge­schlos­sen wer­den.

Re­dos ha­be "das über­zeu­gends­te Kon­zept für die Neu­aus­rich­tung von Re­al vor­ge­legt", be­ton­te Koch. Er kün­dig­te gleich­zei­tig an, die Me­tro wer­de als Min­der­heits­ak­tio­när noch drei Jah­re am Un­ter­neh­men be­tei­ligt blei­ben und ihr Fach­wis­sen im Ein­zel­han­del zur Ver­fü­gung stel­len.

Ein­zel­hei­ten, wie die Zu­kunft für Re­al aus­se­hen könn­te, nann­te Koch je­doch nicht. Es sei heu­te nicht mög­lich zu sa­gen, wie vie­le Re­al-Märk­te es in fünf Jah­ren noch ge­ben wer­de. "Aber die Zahl wird sich ver­än­dern", räum­te der Ma­na­ger ein. "Es wird zu Ab­ga­ben kom­men. Das ist auch wirt­schaft­lich ver­nünf­tig."

Aus in­for­mier­ten Krei­sen hieß es so­gar, dass ein Groß­teil der Lä­den an Wett­be­wer­ber wie Ede­ka, Rewe, Glo­bus oder Kauf­land ab­ge­ge­ben wer­den könn­te. Vie­le von ih­nen hat­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ihr In­ter­es­se an der Über­nah­me von Tei­len des Re­al-Fi­li­al­net­zes si­gna­li­siert.

Der Han­dels­ex­per­te Tho­mas Ro­eb von der Hoch­schu­le Bonn-Rhein-Sieg be­ur­teil­te die Zu­kunfts­aus­sich­ten von Re­al denn auch eher skep­tisch: "Das Re­al jetzt als Gan­zes an Re­dos ver­kauft wer­den soll, ist kei­ne Ga­ran­tie da­für, dass das Un­ter­neh­men auch auf Dau­er er­hal­ten bleibt. Im Ge­gen­teil: An­ge­sichts der schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen La­gen von Re­al spricht vie­les da­für, dass die Ket­te am En­de zer­schla­gen wird." Das neue Re­al sei dann viel­leicht eher ei­ne Zwi­schen­lö­sung zur ver­lust­min­dern­den Ab­wick­lung der ver­blie­be­nen Fi­lia­len. Auch das "Han­dels­blatt" kom­men­tier­te: "Statt ei­nem En­de mit Schre­cken droht Re­al jetzt ein Schre­cken oh­ne En­de".

Der Re­al-Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Wer­ner Klock­haus sag­te, der Be­triebs­rat sei bis­her nicht über die Zu­kunfts­pla­nun­gen in­for­miert wor­den. Er hof­fe, dass Re­dos nun bald das Ge­spräch su­che. Ein Im­mo­bi­li­en­in­ves­tor als Käu­fer sei nicht der Wunsch­kan­di­dat der Be­schäf­tig­ten ge­we­sen. Doch wol­le man kein vor­ei­li­ges Ur­teil fäl­len. "Ein In­ves­tor, der Re­al er­hal­ten will, be­kommt al­le Hil­fe von uns Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern. Ein In­ves­tor, der ei­ne schnel­len Pro­fit ha­ben möch­te und die Ar­beits­plät­ze mei­ner Kol­le­gen ge­fähr­det, der wird kei­ne Freu­de an uns ha­ben", sag­te Klock­haus.

Re­al gilt seit Jah­ren als Sa­nie­rungs­fall: Die oft auf der grü­nen Wie­se lie­gen­den Rie­sen­märk­te ent­spre­chen nicht mehr dem Zeit­geist. Im­mer mehr Ver­brau­cher kau­fen heu­te lie­ber im ei­ge­nen Vier­tel ein, statt am Wo­chen­en­de für ei­nen Groß­ein­kauf ins Au­to zu stei­gen. Auch die An­ge­bots­viel­falt der "Hy­per­märk­te", die rund 80.000 Ar­ti­kel von Obst und Ge­mü­se bis zum Fern­se­her an­bie­ten, hat die­sen Trend nicht wirk­lich brem­sen kön­nen.

Um wie­der at­trak­ti­ver für Kun­den zu wer­den, hat Re­al ein neu­es "Markt­hal­le"-Kon­zept ent­wi­ckelt, das stark auf Er­leb­nis­ele­men­te setzt - et­wa gas­tro­no­mi­sche An­ge­bo­te, aber auch ei­ne in den La­den in­te­grier­te Bä­cke­rei, ei­ne ei­ge­ne Kaf­fee­rös­te­rei und vor den Au­gen der Kun­den zu­be­rei­te­te Le­bens­mit­tel. Es be­kam in der Bran­che viel Lob, wur­de je­doch we­gen der ho­hen Kos­ten bis­lang nur in zwei Fi­lia­len in Kre­feld und Braun­schweig wirk­lich um­ge­setzt. In vie­len an­de­ren Lä­den se­hen Bran­chen­ken­ner da­ge­gen ei­nen mas­si­ven In­ves­ti­ti­ons­stau. Ein neu­er Ei­gen­tü­mer müss­te al­so wohl Mil­li­ar­den in die Hand neh­men, wenn er Re­al als Gan­zes in ei­ne er­folg­rei­che Zu­kunft füh­ren woll­te.

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Letzte Überarbeitung: 17. Juli 2019

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