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An­zahl der Hartz-IV-Sank­tio­nen rück­läu­fig

Ei­nen Be­ra­tungs­ter­min ver­säumt, ei­ne un­be­lieb­te Stel­le ab­ge­lehnt: Für sol­che Ver­ge­hen wer­den Hartz-IV-Leis­tun­gen ge­kürzt. Zu­letzt wur­den we­ni­ger von die­sen Sank­tio­nen ver­ge­ben.
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund

11.10.2018 (dpa/fle) - Hartz-IV-Emp­fän­ger ha­ben in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Jah­res we­ni­ger Sank­tio­nen er­hal­ten als im glei­chen Vor­jah­res­zeit­raum.

Die Zahl ging im Ver­gleich um rund 25.800 Sank­tio­nen auf knapp 449.550 Sank­tio­nen zu­rück, wie die Bun­des­agen­tur für Ar­beit am Mitt­woch in Nürn­berg mit­teil­te.

Die Sank­ti­ons­quo­te - al­so das Ver­hält­nis von ver­häng­ten Sank­tio­nen zu al­len er­werbs­fä­hi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten - lag un­ver­än­dert bei 3,1 Pro­zent.

Grund für gut drei Vier­tel al­ler Sank­tio­nen sind Mel­de­ver­säum­nis­se - wenn al­so bei­spiels­wei­se je­mand ei­nen Ter­min beim Job­cen­ter oh­ne wich­ti­ge Grün­de nicht wahr­nimmt. Im ers­ten Halb­jahr muss­ten die Job­cen­ter des­we­gen bei rund 350.000 Men­schen die Re­gel­leis­tun­gen um zehn Pro­zent ab­sen­ken.

Rund 47.000 Hartz-IV-Emp­fän­ger wur­den sank­tio­niert, weil sie et­wa ein Job­an­ge­bot oder ei­ne Fort­bil­dung ver­wei­ger­ten oder ein zu­sätz­li­ches Ein­kom­men ver­schwie­gen. Ver­stö­ße ge­gen die so­ge­nann­te Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung führ­ten in 39.120 Fäl­len zu ei­ner Leis­tungs­kür­zung. In die­ser Ver­ein­ba­rung schreibt die Agen­tur für Ar­beit ge­mein­sam mit dem Ar­beits­lo­sen Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen und Pflich­ten des Job­su­chers fest.

Das So­zi­al­ge­setz­buch II gibt das Aus­maß der Stra­fen vor. Bei mehr­fa­chen Ver­stö­ßen kann auf Zeit so­gar die ge­sam­te Un­ter­stüt­zung ge­stri­chen wer­den. Zu­letzt re­gis­trier­te die Bun­des­ar­beits­agen­tur rund 4,08 Mil­lio­nen Hartz-IV-Emp­fän­ger. Der Re­gel­satz für ei­nen er­werbs­fä­hi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten be­trägt ak­tu­ell 416 EUR im Mo­nat.

Men­schen un­ter 25 Jah­ren sind von den Sank­tio­nen stär­ker be­trof­fen als äl­te­re Leis­tungs­emp­fän­ger. Das Ge­setz sieht bei Ju­gend­li­chen be­reits beim ers­ten Ver­stoß, der über ein Mel­de­ver­säum­nis hin­aus­geht, ei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge Strei­chung der Re­gel­leis­tung vor. Wenn sie sich in­ner­halb ei­nes Jah­res wei­te­re Feh­ler leis­ten, kann ih­nen auch die Mie­te ge­kürzt wer­den.

Stu­di­en zu­fol­ge zei­gen die Sank­tio­nie­run­gen Wir­kung, er­klärt Joa­chim Wolff vom In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) in Nürn­berg. "Sie sor­gen da­für, dass die Leu­te im Schnitt schnel­ler wie­der in den Ar­beits­markt kom­men und sich an ih­re Pflich­ten hal­ten", so der Ex­per­te.

Doch ei­ne här­te­re Gang­art bei jun­gen Be­zie­hern hält Wolff für nicht an­ge­bracht, un­ter an­de­rem we­gen der un­er­wünsch­ten Ne­ben­ef­fek­te. "Die Ein­schrän­kun­gen kön­nen see­li­sche Pro­ble­me ver­stär­ken und bis zur Ob­dach­lo­sig­keit füh­ren", er­klär­te der Ex­per­te. Ei­ne An­pas­sung an die Sank­tio­nie­rung von Äl­te­ren sei sinn­vol­ler. Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums sag­te, es ge­be im Mi­nis­te­ri­um Be­mü­hun­gen, sich die Sank­tio­nen an­zu­schau­en, vor al­lem für Jün­ge­re.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Oktober 2018

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