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Ar­beits­zeit­de­bat­te: Ver­di lädt Po­li­ti­ker zu 12-St­un­den-Schicht ein

Ver­di will Po­li­ti­kern im Pra­xis­test zei­gen, was mehr Fle­xi­bi­li­tät im Ar­beits­zeit­ge­setz für be­stimm­te Be­rufs­grup­pen be­deu­ten kann
Überforderung und Stress im Job, Burnout

23.01.2019. (dpa/fle) - Die Ge­werk­schaf­ten im Land ha­ben ei­ne Kam­pa­gne ge­gen die CDU-Plä­ne zum Ar­beits­zeit­ge­setz ge­star­tet.

"Al­le Ar­gu­men­te spre­chen da­für, nicht am Ar­beits­zeit­ge­setz zu rüt­teln", sag­te der DGB-Lan­des­vor­sit­zen­de Mar­tin Kunz­mann am Mitt­woch in Stutt­gart.

Ver­di-Chef Mar­tin Gross for­der­te Mit­glie­der der Lan­des­re­gie­rung und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te auf, selbst in ei­ner von sei­ner Ge­werk­schaft be­treu­ten Bran­chen zu ar­bei­ten. "Zwölf St­un­den bei der Müll­ab­fuhr, in der Pfle­ge oder ei­ner Ki­ta sind et­was ganz An­de­res als zwölf St­un­den Po­li­tik", so Gross. "Wir sind sehr ge­spannt, wer sich traut, mit zu ma­chen."

Hin­ter­grund ist ein Vor­stoß von Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut (CDU). Dar­in ist ei­ne täg­li­che Höchst­ar­beits­zeit von zwölf St­un­den vor­ge­se­hen - bis­lang sind zehn er­laubt. Die wö­chent­li­che Höchst­ar­beits­zeit soll auf 54 St­un­den fest­ge­setzt wer­den - über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum sol­len es aber nicht mehr als 48 St­un­den sein. Die CDU will auf der Ba­sis ei­ne Bun­des­rats­in­itia­ti­ve für ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung ins Rol­len brin­gen. Da­für braucht es al­ler­dings noch ei­ne Ei­ni­gung mit dem Ko­ali­ti­ons­part­ner im Land.

Die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen, An­drea Lindlohr, sag­te am Mitt­woch. "Ei­ne pau­scha­le Aus­wei­tung der Ta­ges­höchst­ar­beits­zeit auf zwölf St­un­den leh­nen wir ab." Das gel­te auch für ei­ne mög­li­che Er­hö­hung der zu­läs­si­gen Wo­chen­ar­beits­zeit. Die Grü­nen sei­en nur be­reit, dort Fle­xi­bi­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten zu dis­ku­tie­ren, wo sie nach An­sicht der be­tei­lig­ten Ta­rif- und Be­triebs­par­tei­en ge­braucht wer­den. Die Ge­werk­schaf­ten ar­gu­men­tie­ren, dass das ak­tu­el­le Ar­beits­zeit­ge­setz ge­nug Frei­räu­me bie­tet, um fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten zu er­mög­li­chen.

Ver­di hat nun Po­li­ti­ker di­rekt an­ge­schrie­ben, um sich an der Ak­ti­on zu be­tei­li­gen. Die Ge­werk­schaft will so­gar Ter­mi­ne mit der Pres­se an­be­rau­men, um da­mit die Ka­bi­netts­mit­glie­der und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten über ih­re Er­fah­run­gen be­rich­ten kön­nen. "Das wer­den kei­ne Show-Ter­mi­ne wer­den, wo man oder frau mal ein paar Mi­nu­ten auf dem Müll­wa­gen mit­fährt", ver­spricht Gross. Ob Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Hoff­meis­ter-Kraut sich selbst auf das An­ge­bot ein­las­sen wird, konn­te das Mi­nis­te­ri­um noch nicht sa­gen.

Ei­ne Spre­che­rin des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums be­zeich­ne­te die Kam­pa­gne als "ei­ne ver­kürz­te und da­durch ir­re­füh­ren­de Dar­stel­lung des Re­form­vor­schlags". Es wer­de der Ein­druck er­weckt, dass künf­tig je­der Ar­beit­neh­mer täg­lich 12 St­un­den ar­bei­ten müs­se. "Das Ar­beits­zeit­ge­setz zwingt Be­schäf­tig­te nicht zu lan­gen Ar­beits­zei­ten, son­dern er­mög­licht le­dig­lich de­ren Ver­ein­ba­rung", sag­te die Spre­che­rin wei­ter. Ei­ne zu Dau­er­be­las­tung wer­de durch die vor­ge­schla­ge­ne Wo­chen­höchst­gren­ze von 54 St­un­den ver­mie­den.

Die Ge­werk­schaf­ten be­to­nen hin­ge­gen, der Trend ge­he auch in den Ta­rif­ab­schlüs­sen hin zu ei­ner wei­te­ren Ver­kür­zung von Ar­beits­zei­ten und mehr frei­er Zeit. Nach dem jüngs­ten Ta­rif­ab­schluss in der Me­tall­in­dus­trie hat­ten sich et­wa 260.000 Be­schäf­tig­te für zu­sätz­li­che freie Ta­ge statt ei­ner Ge­halts­er­hö­hung ent­schie­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 24. Januar 2019

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