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Auf­takt zur Bahn-Ta­rif­run­de 2017/18

Ta­rif­streit bei der Bahn: EVG und GDL for­dern Lohn­er­hö­hun­gen von 7,5 Pro­zent
Deutsche Bahn, Zugverkehr

10.10.2018. (dpa/fle) - Bei der Deut­schen Bahn be­gin­nen an die­sem Don­ners­tag wie­der Ta­rif­ver­hand­lun­gen für rund 160.000 Be­schäf­tig­te. Mög­li­cher­wei­se wer­den da­her Streiks den Rei­se­ver­kehr be­ein­träch­ti­gen.

Doch das muss nicht so kom­men, wie die Ta­rif­run­de 2016/17 ge­zeigt hat. Da­mals ei­nig­te sich die Ei­sen­bahn- und Ver­kehrs­ge­werk­schaft (EVG) oh­ne Streik in Ver­hand­lun­gen mit der Bahn.

Mit der Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) kam da­mals ein Ta­rif­kom­pro­miss in ei­ner Sch­lich­tung zu­stan­de. Die Ta­rif­ver­trä­ge mit EVG und GDL sind zum 30.09.2018 aus­ge­lau­fen.

In­halt­lich geht es zu­nächst ein­mal ums Geld. Die GDL hat mit ei­ner For­de­rung nach 7,5 Pro­zent Lohn­er­hö­hung für ei­ne Ver­trags­lauf­zeit von 24 Mo­na­ten vor­ge­legt. Die EVG hat sich die­ser For­de­rung an­ge­schlos­sen, wo­bei sie die Lauf­zeit of­fen­lässt. EVG und GDL be­schlos­sen dar­über hin­aus For­de­rungs­ka­ta­lo­ge zu Zu­la­gen, Ar­beits­zeit und Ar­beits­be­din­gun­gen.

Wie im letz­ten Ta­rif­ver­trag ver­ein­bart will es die EVG auch dies­mal ih­ren Mit­glie­dern er­mög­li­chen, statt der Lohn­er­hö­hung ei­ne kür­ze­re Wo­chen­ar­beits­zeit oder zu­sätz­li­che Ur­laubs­ta­ge zu wäh­len. Ei­ne Be­fra­gung der Mit­glie­der ha­be ge­zeigt, "wie groß der Wunsch nach mehr selbst­be­stimm­ter Zeit ist und dass wir hier drin­gend ent­spre­chen­de An­ge­bo­te brau­chen", sag­te EVG-Ver­hand­lungs­füh­re­rin Re­gi­na Rusch-Ziem­ba. Die Ge­werk­schaft ver­langt au­ßer­dem ei­nen hö­he­ren Ar­beit­ge­ber­an­teil an der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge. Au­ßer­dem soll die mo­nat­li­che Aus­bil­dungs- und Stu­di­en­ver­gü­tung für al­le Nach­wuchs­kräf­te um 150 EUR an­ge­ho­ben wer­den.

Ab­ge­se­hen von Lohn­er­hö­hun­gen will die GDL durch­set­zen, dass die Bahn für Nacht­schich­ten so­wie Ar­beit an Sonn- und Fei­er­ta­gen hö­he­re Zu­la­gen zahlt. Sie setzt sich au­ßer­dem da­für ein, dass ei­ne Ver­kür­zung der Ru­he­zeit zwi­schen zwei Schich­ten auf we­ni­ger als zehn St­un­den nicht mehr mög­lich ist, kei­ne Pau­sen im Zug ge­nom­men wer­den müs­sen und die Zahl der aus­wär­ti­gen Über­nach­tun­gen in Ho­tels ein­ge­schränkt wird.

Wie in der Ver­gan­gen­heit ver­han­deln die EVG und die GDL ge­trennt mit der Bahn. Die EVG ver­tritt da­bei rund 100.000 Be­schäf­tig­te. Für das Zug­per­so­nal sind so­wohl GDL als auch EVG zu­stän­dig. Das Zug­per­so­nal macht et­wa 35.000 Ar­beit­neh­mer aus, dar­un­ter vor al­lem Lok­füh­rer und Zug­be­glei­ter. Für die Bahn als Ar­beit­ge­ber steht das Ziel im Vor­der­grund, "Ta­rif­ab­schlüs­se mit glei­chen Er­geb­nis­sen für glei­che Be­rufs­grup­pen zu ver­han­deln".

Ei­ne Stel­lung­nah­me der Bahn zu den ein­zel­nen For­de­run­gen liegt noch nicht vor. Vor­aus­sicht­lich wer­den die Lohn­for­de­run­gen als zu hoch ab­ge­lehnt. Die Fi­nanz­la­ge des Kon­zerns ist näm­lich schwie­rig. Im ers­ten Halb­jahr schrumpf­te der Ge­winn im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um 28 Pro­zent. Der Vor­stand be­schloss des­halb ei­ne ge­ziel­te Aus­ga­ben­steue­rung. An­de­rer­seits will die Bahn im Wett­be­werb um Fach­kräf­te at­trak­tiv blei­ben. Die von der EVG ge­for­der­te er­wei­ter­te Wahl­mög­lich­keit zwi­schen Lohn­er­hö­hung, mehr Ur­laubs­ta­gen oder ei­ner kür­ze­ren Wo­chen­ar­beits­zeit stößt im Bahn-Ma­nage­ment auf we­nig Ge­gen­lie­be. Man ha­be we­gen des seit An­fang 2018 gel­ten­den Wahl­mo­dells rund 1.500 Mit­ar­bei­ter zu­sätz­lich ein­stel­len müs­sen, heißt es beim Kon­zern.

Wenn in den Ver­hand­lun­gen kei­ne Ei­ni­gung ge­lingt, kann die GDL nicht so­fort strei­ken. Denn 2015 ha­ben Deut­sche Bahn und GDL ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren ver­ein­bart, das in ei­nem "Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung von Grund­satz­fra­gen" fest­ge­schrie­ben ist. Die Sch­lich­tungs­re­ge­lung gilt bis En­de 2020. Aus ihr folgt, dass die GDL erst nach ei­ner Sch­lich­tung strei­ken darf. Die EVG hat sich auf ei­ne sol­che Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung bis­her nicht ein­ge­las­sen.

Die letz­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen en­de­ten mit ei­nem Kom­pro­miss, den die GDL erst in­fol­ge ei­ner Sch­lich­tung an­ge­nom­men hat. Das da­ma­li­ge Ta­rif­pa­ket hat­te ein Vo­lu­men von 5,5 Pro­zent. Erst­mals wur­de ein Wahl­mo­dell ein­ge­führt. Die da­mals ver­ein­bar­te zwei­te Stu­fe der Lohn­er­hö­hung (2,6 Pro­zent) konn­ten Bahn­mit­ar­bei­ter auf Wunsch um­wan­deln in ei­ne St­un­de we­ni­ger Wo­chen­ar­beits­zeit oder in sechs Ta­ge mehr Ur­laub.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. Dezember 2018

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