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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/153

BASF baut tau­sen­de Stel­len ab

BASF struk­tu­riert sich um­fas­send um. Die Hei­mat des Un­ter­neh­mens, Lud­wigs­ha­fen, trifft es be­son­ders hart
Stellenabbau, Entlassungen, Entlassungswelle

28.06.2018. (dpa/fle) - Die von BASF im ver­gan­ge­nen No­vem­ber an­ge­kün­dig­te Um­struk­tu­rie­rung des Kon­zerns bringt den Ab­bau tau­sen­der Jobs mit sich.

Welt­weit sol­len bei dem Che­mie­rie­sen bis En­de 2021 ins­ge­samt 6.000 Stel­len weg­fal­len, wie das Dax-Un­ter­neh­men mit­teil­te.

Das sind knapp fünf Pro­zent der glo­bal 122.000 Men­schen, die BASF En­de 2018 be­schäf­tigt hat.

Un­ge­fähr die Hälf­te der Stel­len soll in Deutsch­land weg­fal­len, der über­wie­gen­de Teil am Hei­mat­stand­ort Lud­wigs­ha­fen, wie ein Spre­cher sag­te. Dort zähl­te BASF En­de 2018 knapp 40.000 Mit­ar­bei­ter. In Lud­wigs­ha­fen sind dem Spre­cher zu­fol­ge nach der ak­tu­el­len und bis En­de 2020 gül­ti­gen Stand­ort­ver­ein­ba­rung be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen aus­ge­schlos­sen. Un­ter­neh­mens­lei­tung und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ver­ein­bar­ten nun, Ver­hand­lun­gen für ei­ne neue Stand­ort­ver­ein­ba­rung vor­zu­zie­hen. Ziel sei es, im ers­ten Halb­jahr 2020 ei­ne neue Ver­ein­ba­rung zu un­ter­zeich­nen, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung.

Das be­grüß­te auch die IG BCE im Be­zirk Lud­wigs­ha­fen. Die Ge­werk­schaft nann­te den an­ge­kün­dig­ten Stel­len­ab­bau "ei­ne Her­aus­for­de­rung" für die Be­schäf­tig­ten. Vie­le sei­en ver­un­si­chert, ob ih­re Be­schäf­ti­gung lang­fris­tig si­cher sei. Das Gan­ze sei ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, aber: "Wir wer­den je­doch ge­nau hin­se­hen, wel­che Tä­tig­kei­ten ent­fal­len und wir wer­den uns für be­trof­fe­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ein­set­zen, dass ihr Ar­beits­ver­hält­nis be­ste­hen bleibt", sag­te Be­zirks­lei­ter Gun­ther Koll­muß.

BASF will sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren ver­schlan­ken, un­ter an­de­rem in der Ver­wal­tung. Zu schaf­fen ma­chen dem Un­ter­neh­men meh­re­re Fak­to­ren, et­wa die schwä­cheln­de Kon­junk­tur, die Au­to­f­lau­te, der Han­dels­streit zwi­schen den USA und Chi­na, im ver­gan­ge­nen Jah­re kam noch das Nied­rig­was­ser im Rhein hin­zu. Das al­les schlug sich in ei­nem deut­li­chen Ge­winn­rück­gang 2018 nie­der. Der Nach­steu­er­ge­winn schrumpf­te um mehr als ein Fünf­tel auf 4,7 Mil­li­ar­den EUR.

Da­mit steht BASF nicht al­lein. Der Ver­band der Che­mi­schen In­dus­trie (VCI) hat­te Mit­te Mai mit­ge­teilt, die schwä­che­re Welt­wirt­schaft ma­che der deut­schen Che­mie- und Phar­ma­bran­che zu schaf­fen. Sie stel­le sich nach ei­nem kräf­ti­gen Um­satz­rück­gang im ers­ten Quar­tal wei­ter auf ein schwie­ri­ges Jahr ein. Von Ja­nu­ar bis März sank der Um­satz der Che­mie- und Phar­ma­bran­che dem­nach ge­mes­sen am Vor­jah­res­quar­tal um 3,8 Pro­zent auf 48,3 Mil­li­ar­den EUR, die Pro­duk­ti­on sank um 6 Pro­zent. Der Ver­band er­war­tet 2019 ei­nen Um­satz­rück­gang von 2,5 Pro­zent. Grund­sätz­lich re­agiert die Che­mie­bran­che als Lie­fe­rant et­wa für die Au­to-, Bau- und Kos­me­tik­in­dus­trie früh auf Kon­junk­tur­schwan­kun­gen und hat­te schon En­de 2018 vor Rück­schlä­gen ge­warnt.

BASF-Fi­nanz­chef Hans-Ul­rich En­gel hat­te kürz­lich fest­ge­stellt: "Wir be­fin­den uns ins­ge­samt in ei­nem schwie­ri­ge­ren Fahr­was­ser, als wir das im Fe­bru­ar er­war­tet ha­ben." Im Fe­bru­ar wa­ren die Zah­len für 2018 vor­ge­legt wor­den. Be­reits im No­vem­ber da­vor hat­te BASF-Chef Mar­tin Bru­der­mül­ler ein um­fang­rei­ches Pro­gramm zur Um­struk­tu­rie­rung an­ge­kün­digt. Das soll ab En­de 2021 jähr­lich zwei Mil­li­ar­den EUR zum ope­ra­ti­ven Ge­winn (Ebit­da) bei­steu­ern.

Die nun an­ge­kün­dig­te Neu­aus­rich­tung samt Stel­len­ab­bau ist Teil der neu­en Stra­te­gie und soll dem Un­ter­neh­men zu­fol­ge ei­nen Ef­fekt von rund 300 Mil­lio­nen EUR ha­ben. Kos­ten ein­spa­ren will Bru­der­mül­ler et­wa in der Pro­duk­ti­on, Lo­gis­tik, For­schung und Ent­wick­lung. Au­ßer­dem ver­kauft BASF Teil­be­rei­che. Nichts­des­to­trotz schließt der Kon­zern nicht aus, in den kom­men­den Jah­ren auch wie­der zu­sätz­li­che Mit­ar­bei­ter zu be­nö­ti­gen et­wa in der Pro­duk­ti­on oder für das The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung - "je­doch ab­hän­gig von zu­künf­ti­gen Wachs­tums­ra­ten".

Ein zen­tra­les Ele­ment in der neu­en Un­ter­neh­mens­struk­tur soll ein Cor­po­ra­te Cen­ter sein mit we­ni­ger als 1.000 Mit­ar­bei­tern. Es soll den Vor­stand un­ter­stüt­zen, das Un­ter­neh­men zu steu­ern und zen­tra­le Auf­ga­ben et­wa bei der Stra­te­gie­ent­wick­lung, Fi­nan­zen, Recht, Per­so­nal und Kom­mu­ni­ka­ti­on über­neh­men. Neu ent­ste­hen soll ei­ne Ein­heit na­mens "Glo­bal Busi­ness Ser­vices", ein welt­wei­tes Netz aus rund 8.000 Mit­ar­bei­tern, das Dienst­leis­tun­gen für die ein­zel­nen Un­ter­neh­mens­be­rei­che er­brin­gen soll. Die Lei­tung hier soll der der­zei­ti­ge Lei­ter des Be­reichs Fi­nan­ce, Marc Ehr­hardt, über­neh­men.

"Wir wer­den uns beim Auf­bau der neu­en Or­ga­ni­sa­ti­on dar­auf kon­zen­trie­ren, kon­se­quent Sy­ner­gi­en zu he­ben, Schnitt­stel­len zu re­du­zie­ren und mehr Fle­xi­bi­li­tät und Krea­ti­vi­tät zu er­mög­li­chen", er­klär­te Kon­zern­chef Bru­der­mül­ler. "Wir wer­den un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on wei­ter­ent­wi­ckeln, um ef­fek­ti­ver und ef­fi­zi­en­ter zu ar­bei­ten."

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Letzte Überarbeitung: 28. Juni 2019

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