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Bay­ri­sche Städ­te kla­gen über Fach­kräf­te­man­gel

Vie­le Stel­len im Baye­ri­schen Staats­dienst blei­ben un­be­setzt. Die Kom­mu­nen set­zen auf Wer­bung, fi­nan­zi­el­le An­rei­ze und gu­te Aus­bil­dung
Feuerwehrmann Polizist Arzt

29.10.2018. (dpa/fle) – Für Kom­mu­nen in Bay­ern wird die Su­che nach Fach­kräf­ten aus Man­gel an ge­eig­ne­ten Be­wer­bern schwe­rer.

Mit fi­nan­zi­el­len An­rei­zen, mehr Wer­bung an Schu­len und mehr ei­ge­ner Aus­bil­dung ver­su­chen die Städ­te dem ge­gen­zu­steu­ern. Als Grün­de für die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on se­hen die Kom­mu­nen zu­meist die Kon­kur­renz aus der Pri­vat­wirt­schaft und die Al­te­rung der Ge­sell­schaft.

"Der­zeit ist der Fach­kräf­te­man­gel in Bay­ern so schwer­wie­gend wie seit den 1970er Jah­ren nicht mehr", sagt Achim Sing vom Baye­ri­schen Städ­te­tag. Dass die Pha­se der Hoch­kon­junk­tur nun schon so lan­ge an­daue­re, ver­stär­ke die Aus­wir­kun­gen zu­sätz­lich. Für die Kom­mu­nen be­deu­tet das vor al­lem, dass vie­le Stel­len un­be­setzt blei­ben.

Bei der Stadt Re­gens­burg fehlt es et­wa an IT-Fach­leu­ten, In­ge­nieu­ren und Ar­chi­tek­ten. "Der Be­darf steigt enorm und die aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­te rei­chen bei Wei­tem nicht aus", be­schreibt Ju­lia­ne von Ro­en­ne-Sty­ra, Spre­che­rin der Stadt, die der­zei­ti­ge La­ge. "Un­se­re Stel­len­aus­schrei­bun­gen ver­lau­fen hier weit­ge­hend er­geb­nis­los." Als ein Pro­blem sieht sie die Kon­kur­renz mit der Pri­vat­wirt­schaft bei gleich­zei­tig sehr gu­ter kon­junk­tu­rel­ler La­ge: "Der öf­fent­li­che Dienst kann durch die fes­ten Ent­gelt­ta­ri­fe prak­tisch nichts ent­ge­gen­hal­ten." Selbst Maß­nah­men wie ei­ne Ar­beits­markt­zu­la­ge, al­so ein Zu­schlag zum Ge­halt, zeig­ten kaum Wir­kung.

Auch bei der Stadt Nürn­berg blei­ben zahl­rei­che Stel­len un­be­setzt. Es fehlt an Ärz­ten, Psych­ia­tern und IT-Fach­leu­ten. Die Stadt geht des­halb nun ver­mehrt auf Mes­sen, dreht Image­vi­de­os und baut auf die Ko­ope­ra­ti­on mit den Hoch­schu­len vor Ort, wie Jo­han­nes Spor­rer, Spre­cher der Stadt Nürn­berg, mit­teilt. Als Grund für den Fach­kräf­te­man­gel sieht er vor­ran­gig die Al­te­rung der Ge­sell­schaft. Vie­le äl­te­re Mit­ar­bei­ter gin­gen in den Ru­he­stand, so dass Stel­len nach­be­setzt wer­den müss­ten. Gleich­zei­tig kä­men zu we­ni­ge Aus­ge­bil­de­te nach.

Be­son­ders schwie­rig stellt sich die La­ge in der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen dar. Dort fehlt es an IT-Fach­leu­ten, Ärz­ten, In­ge­nieu­ren und Er­zie­hern. Hier kom­men zur star­ken Kon­kur­renz aus der frei­en Wirt­schaft noch Fak­to­ren wie die ho­hen Le­bens­hal­tungs­kos­ten und der knap­pe Wohn­raum hin­zu, wie To­bi­as Ste­phan, Spre­cher der Stadt Mün­chen, mit­teilt. Um die frei­en Stel­len den­noch zu be­set­zen, setzt die Stadt auf Quer­ein­stei­ger, die sie dann selbst wei­ter­bil­det und auf ei­ne so­ge­nann­te An­wer­be­prä­mie für ih­re An­ge­stell­ten. Auch in Mün­chen setzt man zu­dem auf die Ar­beits­markt­zu­la­ge.

Ein ähn­li­ches Bild zeigt sich bei der Stadt Würz­burg. "Wir spü­ren den Fach­kräf­te­man­gel vor al­lem im tech­ni­schen und so­zia­len Be­reich", sagt Chris­ti­an Weiß, Spre­cher Stadt. Die Zahl der Be­wer­ber sei in al­len Be­rei­chen zu­rück­ge­gan­gen.

Doch nicht nur Groß­städ­te ha­ben mit dem Fach­kräf­te­man­gel zu kämp­fen. Die Stadt Hof in Ober­fran­ken hat Pro­ble­me, Stel­len mit In­ge­nieu­ren oder Stadt­pla­nern zu be­set­zen. In Pas­sau und in Cham in der Ober­pfalz blei­ben zwar kei­ne Stel­len un­be­setzt. Doch die Zahl der Be­wer­ber sei um ei­ni­ges ge­rin­ger und die Su­che daue­re er­heb­lich län­ger, wie Si­grid Ste­be-Hoff­mann, Lei­te­rin der Haut­ver­wal­tung der Stadt Cham, sagt.

Um die der­zei­ti­ge La­ge für die Kom­mu­nen zu ver­bes­sern, gel­te es, die Vor­tei­le des öf­fent­li­chen Diens­tes wie­der stär­ker her­vor­zu­he­ben, er­klärt Achim Sing vom Baye­ri­schen Städ­te­tag. "Doch in der Ver­gan­gen­heit hat sich ge­zeigt, dass die Job­si­cher­heit, die Kom­mu­nen bie­ten, erst bei schwä­che­rer kon­junk­tu­rel­ler La­ge wie­der ge­schätzt wird."

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Letzte Überarbeitung: 29. Oktober 2018

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