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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/019

Ber­lin er­klärt 8. März zum Fei­er­tag

Das Bun­des­land Ber­lin hat den Welt­frau­en­tag per Lan­des­ge­setz zum Fei­er­tag er­ho­ben - zum Un­mut der Wirt­schaft
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24.01.2019. (dpa/fle) - Deutsch­land am 08.03.2019: Es ist Frei­tag, die Men­schen ge­hen in Be­trie­ben oder Bü­ros ih­rer Ar­beit nach, Be­hör­den und Ge­schäf­te war­ten auf Kund­schaft, auf den Au­to­bah­nen oder in den Shop­ping­mei­len wird es kurz vor dem Wo­chen­en­de voll.

Nicht so in Ber­lin. Denn die Haupt­stadt hat den In­ter­na­tio­na­len Frau­en­tag zu ei­nem ge­setz­li­chen Fei­er­tag er­klärt.

Mit den Stim­men der rot-rot-grü­nen Ko­ali­ti­on be­schloss das Ab­ge­ord­ne­ten­haus am Don­ners­tag ei­ne ent­spre­chen­de Ge­set­zes­no­vel­le. Schon in die­sem Jahr ist der 8. März, der seit mehr als 100 Jah­ren ein Kampf­tag für mehr Frau­en­rech­te ist und in der DDR groß ge­fei­ert wur­de, da­mit ar­beits­frei. Die Ber­li­ner Wirt­schaft übt Kri­tik.

War­um ein zu­sätz­li­cher Fei­er­tag? Ber­lin hat­te bis­her neun sol­cher ar­beits­frei­en Ta­ge pro Jahr - so we­ni­ge wie kein an­de­res Bun­des­land. Nun sind es zehn, so wie in ei­ni­gen an­de­ren Län­dern auch. Glück­li­cher sind in der Hin­sicht die Bay­ern: Hier ruht die Ar­beit an 13, in Ba­den-Würt­tem­berg an zwölf Fei­er­ta­gen.

Rot-Rot-Grün sieht in der Ent­schei­dung für den Frau­en­tag ein Si­gnal für ganz Deutsch­land. "Der heu­ti­ge Tag ist ein ganz gro­ßes Zei­chen da­für, dass wir auf dem Weg der Gleich­stel­lung von Frau und Mann wei­ter­kom­men", mein­te die SPD-Ab­ge­ord­ne­te De­rya Ca­glar. "Der Fei­er­tag be­stärkt uns in un­se­rem Kampf für mehr Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit", sag­te ih­re Lin­ke-Kol­le­gin Ma­nue­la Schmidt in der Par­la­ments­de­bat­te.

CDU, FDP und AfD stimm­ten ge­gen den 8. März und kri­ti­sier­ten, dass die Wahl nicht et­wa auf den Re­for­ma­ti­ons­tag am 31. Ok­to­ber fiel. Die­ser ist be­reits in den an­de­ren öst­li­chen so­wie seit ver­gan­ge­nem Jahr auch den nörd­li­chen Bun­des­län­dern Fei­er­tag. CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ste­fan Evers sieht im 8. März ei­nen Fei­er­tag mit "rein so­zia­lis­ti­scher Tra­di­ti­on". "Die Mehr­heit der Bür­ger kann da­mit nichts an­fan­gen."

Den An­stoß für den neu­en Fei­er­tag in Ber­lin ga­ben wohl Schles­wig-Hol­stein, Nie­der­sach­sen, Ham­burg und Bre­men. De­ren Re­gie­rungs­chefs hat­ten vor ei­nem Jahr ver­kün­det, den Re­for­ma­ti­ons­tag zum Fei­er­tag ma­chen zu wol­len, der zum 500. Re­for­ma­ti­ons­ge­burts­tag ein­ma­lig bun­des­weit be­gan­gen wor­den war. In Ber­lin be­gann dar­auf­hin ei­ne län­ge­re De­bat­te über ein ge­eig­ne­tes Da­tum - die der Ber­li­ner Se­nat, wie Re­gie­rungs­chef Mi­cha­el Mül­ler (SPD) spä­ter ein­räum­te, ei­gent­lich so gar nicht woll­te.

Ne­ben dem Frau­en­tag, zu dem die SPD-Ab­ge­ord­ne­te Iris Spran­ger ei­ne In­ter­net-Pe­ti­ti­on star­te­te, mach­te ei­ne Viel­zahl von Vor­schlä­gen die Run­de. So plä­dier­te die Lin­ke zu­nächst für den Tag der Be­frei­ung am 8. Mai, Kir­chen­ver­tre­ter für den Re­for­ma­ti­ons­tag. Der Be­auf­trag­te für die Auf­ar­bei­tung der SED-Dik­ta­tur, Tom Sel­lo, warb für den 9. No­vem­ber als Tag des Mau­er­falls. Mül­ler selbst brach­te den 18. März in Er­in­ne­rung an die März­re­vo­lu­ti­on 1848 ins Spiel.

Schließ­lich setz­te die Lin­ke die Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD und Grü­ne un­ter Druck, in­dem sich die Par­tei­spit­ze über­ra­schend auf den 8. März fest­leg­te - als Si­gnal ge­gen die "End­los­dis­kus­si­on", wie es Par­tei­che­fin Ka­ti­na Schu­bert spä­ter for­mu­lier­te. Den bei­den an­de­ren Par­tei­en blieb nichts an­de­res üb­rig, als nach­zu­zie­hen.

Ber­lins Wirt­schaft ist nicht be­geis­tert über den neu­en Fei­er­tag. "Die Po­li­tik macht hier ein kost­spie­li­ges Wäh­ler­ge­schenk, das das Ber­li­ner Brut­to­so­zi­al­pro­dukt um rund 160 Mil­lio­nen EUR schmä­lert", sag­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK), Jan Eder. Das ent­spre­che ei­nem Mi­nus von 0,3 Pro­zent.

Und: Ber­lin ste­he bei der Pro­duk­ti­vi­tät trotz "be­ein­dru­cken­der" Wachs­tums­ra­ten im Bun­des­län­der­ver­gleich im­mer noch an neun­ter Stel­le. Zu­dem sei die Haupt­stadt mit mehr als vier Mil­li­ar­den EUR aus dem Län­der­fi­nanz­aus­gleich wei­ter­hin der mit Ab­stand größ­te Zah­lungs­emp­fän­ger, gab Eder zu be­den­ken.

Ganz kon­kret müs­sen Fir­men müs­sen nun ih­re Lie­fer­ket­ten, Ar­beits­pro­zes­se und Dienst­plä­ne kurz­fris­tig än­dern und an­pas­sen. Das be­trifft auch Kli­ni­ken oder die Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG), die an Sonn- und Fei­er­ta­gen an­de­re Fahr­plä­ne ha­ben. Für bis zu 180.000 Ber­li­ner, die nach Bran­den­burg pen­deln und am 8. März nicht frei ha­ben, könn­te der "In­sel­ter­min" schwie­rig wer­den: Ki­tas und Schu­len in Ber­lin sind zu, vie­le müs­sen al­so Kin­der­be­treu­ung or­ga­ni­sie­ren.

2020 fällt der 8. März üb­ri­gens auf ei­nen Sonn­tag. Doch die Ber­li­ner müs­sen des­we­gen nicht trau­rig sein. Denn der 75. Jah­res­tag der Be­frei­ung vom Na­tio­nal­so­zia­lis­mus am 8. Mai 2020 - ein Frei­tag - wird in der Haupt­stadt ein­ma­lig als ar­beits­frei­er Fei­er­tag be­gan­gen. Auch das be­schloss das Ab­ge­ord­ne­ten­haus am Don­ners­tag.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 28. Januar 2019

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