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Be­ruf­li­cher Er­folg trotz El­tern­zeit?

El­tern­zeit, Teil­zeit, er­krank­te Kin­der - all das ist nicht gut für den Job. Es gibt aber Mög­lich­kei­ten, die Kar­rie­re­fal­le Kind zu um­ge­hen
Mutter mit Kind im Büro, Rückkehr aus der Elternzeit, Vereinbarkeit Job und Familie

16.10.2018. (dpa/fle) - Die 31-Jäh­ri­ge Loui­sa Ba­ron war ver­un­si­chert, als sie 2015 fest­stell­te, dass sie schwan­ger ist.

Ba­ron hat­te erst kürz­lich die Lei­tung der Mar­ke­ting-Ab­tei­lung im Ber­li­ner Edel­kauf­haus Ga­le­ries Laf­ay­et­te über­nom­men. Ih­ren Traum­job. "Um da hin­zu­kom­men, ha­be ich sehr hart ge­ar­bei­tet", er­zählt sie. "Ich war oft bis spät abends im Bü­ro."

Wie soll­te das mit ei­nem klei­nen Kind ge­hen? Und was wür­de mit ih­rem Pos­ten pas­sie­ren, wenn sie in die El­tern­zeit ent­schwin­det?

Die Ge­fahr für ei­nen Kar­rie­re­knick ist in die­ser Si­tua­ti­on tat­säch­lich groß, sagt Frank Scha­bel, Spre­cher des Per­so­nal­dienst­leis­ters Hays. "Wer wei­ter Kar­rie­re ma­chen will, soll­te das nicht auf die leich­te Schul­ter neh­men." Statt­des­sen gel­te die De­vi­se: Flucht nach vorn. Al­so früh mit den Ver­ant­wort­li­chen spre­chen, gut pla­nen, kla­re An­sa­gen ma­chen.

Das ist auch Loui­sa Ba­rons Er­fah­rung. Sie hol­te die Ge­schäfts­füh­rung des Kauf­hau­ses schon im vier­ten Schwan­ger­schafts­mo­nat ins Boot. "Mei­ne Stra­te­gie: to­ta­le Of­fen­heit und kla­res Er­war­tungs­ma­nage­ment." Ba­ron for­der­te oh­ne gro­ße Um­schwei­fe ein Jahr El­tern­zeit - mit der Op­ti­on auf Ver­län­ge­rung, falls sie kei­nen Ki­ta­platz be­kommt.

Zu­gleich prä­sen­tier­te sie ei­nen fer­ti­gen Plan, wie ih­re Ab­tei­lung in der Zwi­schen­zeit auf­ge­stellt wer­den kann: Wer kann ih­ren Pos­ten über­neh­men? Wie las­sen sich die Auf­ga­ben im Team ver­tei­len? Der Chef und die Per­so­nal­ab­tei­lung re­agier­ten po­si­tiv. "Mit dem fer­ti­gen Plan ha­be ich ge­zeigt, dass ich Lö­sun­gen an­bie­ten möch­te und da­bei un­ter­stüt­ze, mei­ne Ab­we­sen­heit best­mög­lich zu ma­na­gen", glaubt Ba­ron.

Ein sol­ches Vor­ge­hen emp­fiehlt sich auch für an­ge­hen­de Vä­ter, die ei­ne El­tern­zeit in An­spruch neh­men wol­len. Man soll­te von sich aus das Ge­spräch mit dem Ar­beit­ge­ber su­chen und da­bei ei­nen Plan für die vor­über­ge­hen­de Um­ver­tei­lung der Ar­beit prä­sen­tie­ren kön­nen. Da­bei soll­te man beim The­ma Dau­er der El­tern­zeit rea­lis­tisch sein. Für vie­le El­tern sind sechs Mo­na­te zu we­nig, und dann soll­te man hier von vorn­her­ein mit of­fe­nen Kar­ten spie­len.

Da­ne­ben ist es für frisch­ge­ba­cke­ne El­tern wich­tig, wäh­rend der El­tern­zeit mit dem Be­trieb und den Kol­le­gen Kon­takt hal­ten. Wer hin und wie­der an­ruft oder sich bei der Weih­nachts­fei­er se­hen lässt, ge­rät nicht so leicht in Ver­ges­sen­heit.

Wer sei­nen Pos­ten zu­rück­ha­ben oder auf­stei­gen will, soll­te früh­zei­tig ein Wie­der­ein­stiegs­ge­spräch pla­nen. Da­bei gilt es, vor­ab zu über­le­gen, was mach­bar ist und wie man es kom­mu­ni­ziert.

Loui­sa Ba­ron ging mit kla­ren Vor­stel­lun­gen in ihr Rück­kehr­ge­spräch. Ihr Plan sieht drei lan­ge und ein kur­zen Ar­beits­tag vor. Frei­tags wür­de sie nicht da sein. "Ich hat­te ehr­lich ge­sagt et­was Sor­ge, ob das so funk­tio­niert", räumt sie ein. Aber sie ha­be auch ge­wusst, dass sie die­sen Job ma­chen will. Sie war da­her be­reit das Ri­si­ko ein­zu­ge­hen.

Ar­beit­ge­ber zei­gen sich oft be­reit für sol­che Mo­del­le. "Gleit­zeit­re­ge­lun­gen und die Mög­lich­keit, auch mal von zu Hau­se zu ar­bei­ten, hel­fen enorm", er­klärt Scha­bel. Die Kul­tur im Be­trieb ist auch wich­tig: Wer­den die Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft? Gibt es die Be­reit­schaft, Füh­rungs­po­si­tio­nen in Teil­zeit zu be­set­zen? Nicht auf al­les ha­ben Ar­beit­neh­mer selbst Ein­fluss.

Da­mit Füh­rung in Teil­zeit klappt, ist es Ba­ron zu­fol­ge al­ler­dings nö­tig, die ei­ge­ne Ar­beits­wei­se zu ver­än­dern. Frü­her ha­be sie zum Bei­spiel den An­spruch ge­habt, je­de E-Mail so­fort zu be­ant­wor­ten. "Das ma­che ich nicht mehr. Statt­des­sen set­ze ich ganz kla­re Prio­ri­tä­ten und schaue ge­nau, an wel­chen Mee­tings ich wirk­lich teil­neh­men muss." De­le­gie­ren kön­nen - das ist für sie ei­ne ganz zen­tra­le Fä­hig­keit für die Ver­ein­bar­keit von Kind und Kar­rie­re. "Wir müs­sen nicht al­les al­lei­ne schaf­fen", sagt sie. We­der im Job, noch zu Hau­se.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. Oktober 2018

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