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Com­merz­bank stellt auf Spar­kus

In ei­nem Spar­pro­gamm plant die Com­merz­bank rund 4.300 Stel­len zu strei­chen. Gleich­zei­tig soll stär­ker auf IT ge­setzt wer­den
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20.09.2019. (dpa/fle) - Stel­len­ab­bau, Fi­li­al­schlie­ßun­gen und Ver­kauf von Ta­fel­sil­ber: Mit har­ten Ein­schnit­ten will sich die Com­merz­bank ge­gen Zins­tief und Er­trags­schwä­che stem­men.

Seit Frei­tag lie­gen die Eck­punk­te des Plans für die nächs­ten Jah­re auf dem Tisch, Ent­schei­dun­gen sol­len in der nächs­ten Wo­che fal­len.

"Vor­stand und Auf­sichts­rat ha­ben noch zu kei­nem Punkt des Stra­te­gie­pro­gramms ei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen", be­ton­te das Frank­fur­ter Geld­haus. Klar sei je­doch: "Ein wei­te­rer kon­zern­wei­ter Stel­len­ab­bau ist lei­der un­ver­meid­bar."

Am Mitt­woch und Don­ners­tag (25./26.9.) be­ra­ten Vor­stand und Auf­sichts­rat über die Plä­ne, am Frei­tag (27.9.) will Vor­stands­chef Mar­tin Ziel­ke die Er­geb­nis­se vor­stel­len.

Vor­aus­sicht­lich fal­len et­wa 4.300 Voll­zeit­stel­len weg. Weil zu­gleich in stra­te­gi­schen Be­rei­chen wie Ver­trieb, IT und Re­gu­la­to­rik 2.000 Stel­len ge­schaf­fen wer­den, ver­bleibt un­ter dem Strich ein Ab­bau von rund 2.300 Jobs. De­tails sol­len in den nächs­ten Mo­na­ten aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Ziel sei, den ge­plan­ten Stel­len­ab­bau "mög­lichst so­zi­al­ver­träg­lich" zu ge­stal­ten, ver­si­cher­te das In­sti­tut.

Die Com­merz­bank, de­ren größ­ter An­teils­eig­ner seit der Fi­nanz­kri­se der deut­sche Staat ist, hat ih­re Be­leg­schaft in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­reits er­heb­lich re­du­ziert. Die Zahl der Voll­zeit­kräf­te sank von 43.300 auf 40.700 En­de Ju­ni 2019. Bis En­de 2020 sol­len es nach ak­tu­el­ler Pla­nung et­wa 38.000 sein. In Köp­fen ge­rech­net be­schäf­tig­te die Bank En­de Ju­ni 48.644 Mit­ar­bei­ter, da­von gut 34.900 im In­land.

Das ver­gleichs­wei­se gro­ße Fi­li­al­netz mit et­wa 1.000 Stand­or­ten wird die Com­merz­bank aus­dün­nen. Et­wa 200 Zweig­stel­len könn­ten ge­schlos­sen wer­den. Wel­che Stand­or­te es tref­fen wür­de, ist zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch un­klar. Seit ei­ni­ger Zeit setzt das In­sti­tut auf ei­nen Mix aus Kleinst­fi­lia­len und gro­ßen Stand­or­ten mit Kom­plett­an­ge­bot.

Die Kos­ten für Stel­len­ab­bau und Fi­li­al­schlie­ßun­gen be­zif­fert die Com­merz­bank nach der­zei­ti­ger Be­rech­nung auf 850 Mil­lio­nen EUR. Mit­tel­fris­tig rech­net das Geld­haus mit sin­ken­den Kos­ten: 2023 sol­len die Kos­ten um rund 600 Mil­lio­nen EUR un­ter de­nen des lau­fen­den Jah­res lie­gen.

Auf der an­de­ren Sei­te will die Bank 750 Mil­lio­nen EUR vor al­lem in di­gi­ta­le An­ge­bo­te ste­cken. Das Geld für die­se In­ves­ti­tio­nen soll maß­geb­lich aus dem Ver­kauf der pol­ni­schen Toch­ter mBank kom­men. Die ver­gleichs­wei­se pro­fi­ta­ble mBank ist an der War­schau­er Bör­se der­zeit mit rund 3,1 Mil­li­ar­den EUR be­wer­tet. Die Com­merz­bank hält 69,3 Pro­zent an dem In­sti­tut. Zu­vor hat­te das "Han­dels­blatt" über ei­nen mög­li­chen Ver­kauf der mBank be­rich­tet.

Da­ge­gen will die Com­merz­bank ih­re On­line-Toch­ter Com­di­rect mit Sitz in Quick­born (Schles­wig-Hol­stein), an der sie nach letz­ten An­ga­ben gut 82 Pro­zent hält, ganz über­neh­men. In­fol­ge der fort­schrei­ten­den Di­gi­ta­li­sie­rung gli­chen sich die Ge­schäfts­mo­del­le von Com­merz­bank und Com­di­rect im­mer stär­ker an, hieß es zur Be­grün­dung. Für den Fall ei­nes Über­nah­me­an­ge­bots, soll den Com­di­rect-Ak­tio­nä­ren ei­ne Prä­mie von 25 Pro­zent auf den Ak­ti­en­kurs ge­bo­ten wer­den.

Die Com­merz­bank-Ak­tie re­agier­te am Frei­tag mit Zu­wäch­sen, der Kurs leg­te bis zum Nach­mit­tag um gut ein Pro­zent auf 5,76 EUR zu. Da­mit zähl­te das Pa­pier zu den bes­ten Wer­ten im MDax, dem In­dex der mit­tel­gro­ßem Wer­te. Der Wert der An­teils­schei­ne der Com­di­rect schnell­te um fast ein Vier­tel in die Hö­he und er­reich­te das Ni­veau von An­fang Ok­to­ber 2018.

An ih­rer grund­sätz­li­chen Aus­rich­tung auf Pri­vat­kun­den so­wie Fir­men­kun­den und Mit­tel­stand än­dert die Com­merz­bank, die vor ei­nem Jahr aus dem Leit­in­dex Dax ab­ge­stie­gen war, nichts. Mit der Pro­fi­ta­bi­li­tät je­doch war der Vor­stand zu­letzt nicht zu­frie­den. Im ers­ten Halb­jahr 2019 brach der Ge­winn auf 391 Mil­lio­nen EUR ein - nach 533 Mil­lio­nen EUR im Vor­jah­res­zeit­raum.

Und die Aus­sich­ten trü­ben sich zu­neh­mend ein: Die Kon­junk­tur schwä­chelt, die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) hat die Straf­zin­sen für ge­park­te Gel­der von Ban­ken noch ver­schärft und die Zins­wen­de auf un­be­stimm­te Zeit ver­scho­ben.

Bei der Vor­la­ge der Quar­tals­zah­len An­fang Au­gust hat­te Vor­stands­chef Ziel­ke ein­ge­räumt, es wer­de "deut­lich am­bi­tio­nier­ter", das Jah­res­ziel ei­ner leich­ten Ge­winn­stei­ge­rung zu er­rei­chen: "Die Her­aus­for­de­run­gen für die Bran­che und für uns neh­men wei­ter zu."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. September 2019

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