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Con­ti­nen­tal be­stä­tigt Aus für Werk in Ro­ding

Con­ti­nen­tal will sich aus der Pro­duk­ti­on von Kom­po­nen­ten für Ver­bren­nungs­mo­to­ren zu­rück­zie­hen und zieht Kon­se­quen­zen
Autoproduktion in Fabrik

20.11.2019. (dpa/fle) - Das Werk des Au­to­zu­lie­fe­rers Con­ti­nen­tal in Ro­ding in der Ober­pfalz soll de­fi­ni­tiv 2024 ge­schlos­sen wer­den - mehr als 500 Mit­ar­bei­ter sind be­trof­fen.

Der Auf­sichts­rat des Dax-Kon­zerns be­stä­tig­te am Mitt­woch ent­spre­chen­de Plä­ne des Vor­stands bei ei­ner Sit­zung in Han­no­ver.

In Ro­ding wer­den vor al­lem Hoch­druck­pum­pen für Ben­zin- und Die­sel­mo­to­ren pro­du­ziert. Zahl­rei­che Mit­ar­bei­ter pro­tes­tier­ten, und auch aus der Po­li­tik kam schar­fe Kri­tik.

Hin­ter­grund der Schlie­ßung sei der durch ver­schärf­te Ab­gas­ge­set­ze be­schleu­nig­te Um­stieg der Au­to­in­dus­trie auf Elek­tro­mo­bi­li­tät, hieß es in ei­ner Fir­men-Mit­tei­lung. Die Hy­drau­lik-Nach­fra­ge sei ein­ge­bro­chen. Da­her wer­de sich das Un­ter­neh­men aus dem Ge­schäft mit Hy­drau­lik-Tech­nik für Ver­bren­nungs­mo­to­ren zu­rück­zie­hen.

Ge­gen die­se Plä­ne gab es Pro­tes­te: Rund 150 Mit­ar­bei­ter aus den baye­ri­schen Con­ti­nen­tal­wer­ken wa­ren nach Han­no­ver ge­reist. Zu­sam­men mit Hun­der­ten Kol­le­gen an­de­rer deut­scher Stand­or­te pro­tes­tier­ten sie am Vor­mit­tag vor der Kon­zern­zen­tra­le am Ran­de der Auf­sichts­rats­sit­zung ge­gen Werks­schlie­ßun­gen und Stel­len­ab­bau.

"Die Plä­ne sind nicht nach­voll­zieh­bar. Wir kämp­fen den­noch wei­ter für den Er­halt des Stand­orts Ro­ding und er­war­ten kon­kre­te Ant­wor­ten auf un­ser Kon­zept für ei­ne Wei­ter­füh­rung", kom­men­tier­te die Re­gens­bur­ger IG-Me­tall-Be­voll­mäch­tig­te Ol­ga Red­da die Be­schlüs­se. Ro­ding sei bes­tens ge­eig­net für die Pro­duk­ti­on von Elek­tro­mo­to­ren und wei­te­ren Kom­po­nen­ten für Hy­brid- und Elek­tro­an­trie­be und könn­te als ver­län­ger­te Werk­bank für die Con­ti­nen­tal-Wer­ke Nürn­berg oder Ber­lin fun­gie­ren, sag­te die Ge­werk­schaf­te­rin.

Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­ter Hu­bert Ai­wan­ger (Freie Wäh­ler) hat­te nach Ge­werk­schafts­an­ga­ben für März 2020 ei­nen wei­te­ren Run­den Tisch an­ge­kün­digt, bei dem Al­ter­na­ti­ven zur Still­le­gung er­ör­tert wer­den sol­len. Nun zeig­te sich der Mi­nis­ter ent­täuscht, aber kämp­fe­risch. "Jetzt ha­ben wird ei­ne neue Ge­fechts­la­ge", sag­te er. "Ich hal­te an dem Ge­spräch fest, jetzt geht es eben dar­um, wie wir den Stand­ort ver­nünf­tig wei­ter­nut­zen kön­nen und wie wir den Be­schäf­tig­ten ei­ne neue Per­spek­ti­ve ge­ben kön­nen."

Bis­her stellt Con­ti­nen­tal Tei­le wie Hoch­druck­pum­pen oder Ein­spritz­dü­sen ne­ben Ro­ding im säch­si­schen Lim­bach-Ober­froh­na so­wie in den USA (New­port News) und in Ita­li­en (Pi­sa) her. Auch dort soll die Pro­duk­ti­on spä­tes­tens 2028 aus­lau­fen. Der Kon­zern setzt an­ge­sichts des Um­bruchs der Au­to­bran­che künf­tig vor al­lem auf Elek­tro­nik, Sen­so­rik und Tech­no­lo­gi­en zum au­to­ma­ti­sier­ten Fah­ren. Auch die Rei­fen­spar­te und das Ge­schäft mit End­kun­den blei­ben Schwer­punk­te.

Vor­stands­chef El­mar De­gen­hart hat­te er­klärt, dass Kün­di­gun­gen nur als "al­ler­letz­tes Mit­tel" denk­bar sei­en. Grund­sätz­lich will Con­ti­nen­tal den Um­bau über mög­lichst vie­le Um­schu­lun­gen, Ver­set­zun­gen und über die Nicht-Nach­be­set­zung von Stel­len ab­fe­dern. Welt­weit könn­ten laut Con­ti bis 2023 rund 15.000 Jobs von "Ver­än­de­run­gen" be­trof­fen sein, da­von 5.000 in Deutsch­land. Die IG Me­tall sieht auch Ma­nage­ment­feh­ler als Ur­sa­che für den Stel­len­ab­bau.

Der Pres­se­spre­cher der IG Me­tall Bay­ern, Ti­mo Gün­ther, sag­te, Con­ti­nen­tal dür­fe die der­zei­ti­ge Um­bruch­si­tua­ti­on in der Au­to­mo­bil­wirt­schaft nicht da­zu nut­zen, um Kos­ten zu spa­ren und Ge­win­ne zu ma­xi­mie­ren. Viel­mehr müss­ten Fer­ti­gungs­ka­pa­zi­tä­ten im Frei­staat ge­hal­ten wer­den mit neu­en Pro­duk­ten wie Was­ser­stoff-Tech­no­lo­gie, au­to­no­mem Fah­ren, Fah­rer-As­sis­tenz­sys­te­men und Soft­ware-Sys­tem­in­te­gra­ti­on im Au­to.

"Wir for­dern, dass die Un­ter­neh­mens­lei­tung mit uns über Per­spek­ti­ven an den be­ste­hen­den Pro­duk­ti­ons­stand­or­ten spricht statt die­se in Bil­lig­lohn­län­der zu ver­la­gern", for­der­te Gün­ther. An al­len baye­ri­schen Stand­or­ten ar­bei­ten laut IG Me­tall rund 16.000 Men­schen für Con­ti­nen­tal, da­von 9.000 in Re­gens­burg.

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Letzte Überarbeitung: 20. November 2019

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