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Deut­sche Wirt­schaft wächst un­er­war­tet

Da­mit hat­te kaum je­mand ge­rech­net: Die Kon­junk­tur­bi­lanz für das Som­mer­quar­tal fällt über­ra­schend po­si­tiv aus
Ansteigendes Diagramm mit Jahreszahlen, Anstieg, Zuwachs

14.11.2019. (dpa/fle) - Ab­schwung oder Ab­sturz? We­der noch: Die deut­sche Wirt­schaft über­rascht im Som­mer mit ei­nem Mi­ni-Wachs­tum.

Die Kon­junk­tur wur­de zu­letzt vor al­lem im Hin­blick auf ei­ne mög­li­che Re­zes­si­on dis­ku­tiert.

Die­se Ge­fahr sei je­doch ge­bannt, stel­len Öko­no­men am Don­ners­tag fest - vor­erst.

Nach vor­läu­fi­gen Be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes er­höh­te sich die Leis­tung der deut­schen Wirt­schaft im drit­ten Quar­tal 2019 zum Vor­quar­tal leicht um 0,1 Pro­zent - nach ei­nem Mi­nus von re­vi­diert 0,2 Pro­zent im zwei­ten Vier­tel­jahr und 0,5 Pro­zent Wachs­tum zum Jah­res­auf­takt.

"Da­mit steht fest: Wir ha­ben kei­ne Re­zes­si­on, auch kei­ne tech­ni­sche Re­zes­si­on", sag­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) im ARD-"Mor­gen­ma­ga­zin". "Aber: Die Wachs­tums­zah­len sind noch zu schwach. Das heißt: Der Auf­wärts­trend hat be­gon­nen, aber es geht sehr lang­sam."

Im eu­ro­päi­schen Ver­gleich ver­buch­te Deutsch­land mit Ita­li­en, Li­tau­en und Ös­ter­reich das schwächs­te Wachs­tum im drit­ten Quar­tal. Eu­ro­s­tat-Zah­len zu­fol­ge leg­te die Wirt­schaft in den 28 Staa­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on zum Vor­quar­tal um 0,3 Pro­zent zu, im Eu­ro­raum mit sei­nen 19 Mit­glied­staa­ten gab es ein Wachs­tum von 0,2 Pro­zent.

Zu­min­dest dürf­te Deutsch­lands Rück­kehr zu ei­nem leich­ten Wachs­tum For­de­run­gen nach ei­nem staat­li­chen Kon­junk­tur­pro­gramm erst ein­mal den Bo­den ent­zie­hen. Zwar hal­ten auch die fünf "Wirt­schafts­wei­sen" das Ri­si­ko ei­nes ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ab­schwungs noch nicht end­gül­tig für ge­bannt. Der Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung be­kräf­tig­te den­noch: "Ein zu­sätz­li­ches Kon­junk­tur­pa­ket ist der­zeit nicht not­wen­dig."

Nach dem un­ge­wöhn­lich lan­gen Auf­schwung seit der schwe­ren Wirt­schafts­kri­se im Jahr 2009 sei ei­ne kur­ze Schwä­che­pe­ri­ode "nicht not­wen­di­ger­wei­se ei­ne gro­ße Kri­se", kom­men­tier­te ING-Deutsch­land-Chef­volks­wirt Cars­ten Brze­ski. Die Ge­samt­wirt­schaft be­fin­de sich "in ei­ner Pha­se der Nor­ma­li­sie­rung nach fünf Jah­ren mit über­durch­schnitt­lich star­kem Wachs­tum", er­klär­te Ste­fan Schnei­der, Chef­volks­wirt für Deutsch­land bei der Deut­schen Bank.

Doch weil Eu­ro­pas größ­te Volks­wirt­schaft nur knapp an ei­ner "tech­ni­schen Re­zes­si­on" - al­so zwei Quar­ta­len mit sin­ken­dem Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) in Fol­ge - vor­bei­schramm­te, sind die Sor­gen vor ei­nem Ab­schwung nach wie vor groß.

"Die heu­ti­gen Zah­len sind kein Grund zur Selbst­zu­frie­den­heit", warn­te ZEW-Öko­nom Fried­rich Hei­nemann. "Für Deutsch­lands Wohl­er­ge­hen ist es un­er­heb­lich, ob das Quar­tals­wachs­tum ei­nen Hauch un­ter oder über der Null­li­nie liegt. Sor­gen muss viel­mehr be­rei­ten, dass die län­ger­fris­ti­ge Wachs­tums­per­spek­ti­ve Deutsch­lands ab­sinkt."

Rei­hen­wei­se wa­ren die Pro­gno­sen für das Ge­samt­jahr 2019 in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten her­un­ter­ge­schraubt wor­den, er­war­tet wird nun ein Wirt­schafts­wachs­tum von et­wa 0,5 Pro­zent. 2018 hat­te die deut­sche Wirt­schafts­leis­tung noch um 1,5 Pro­zent zu­ge­legt.

Im Som­mer­quar­tal 2019 sorg­te vor al­lem der pri­va­te Kon­sum für Auf­wind. Da­ge­gen ist die Pro­duk­ti­on in der In­dus­trie ten­den­zi­ell wei­ter rück­läu­fig. Die In­dus­trie ha­be ih­re Schwä­che­pha­se kei­nes­wegs über­wun­den, er­klär­te der DIHK. Und Deutsch­lands Ex­por­teu­re kämp­fen - auch wenn die Aus­fuh­ren im drit­ten Quar­tal zu­leg­ten. Von Ja­nu­ar bis ein­schließ­lich Sep­tem­ber wur­den nach jüngs­ten Zah­len der Wies­ba­de­ner Sta­tis­ti­ker Wa­ren "Ma­de in Ger­ma­ny" im Wert von 997,1 Mil­li­ar­den EUR ins Aus­land ver­kauft - knapp ein Pro­zent mehr als ein Jahr zu­vor.

Ei­ne nach­hal­ti­ge Bes­se­rung der Ge­samt­la­ge sei nicht in Sicht, meint der Chef­volks­wirt der Fonds­ge­sell­schaft Uni­on In­vest­ment, Jörg Zeu­ner - "al­len­falls ei­ne wei­te­re Sta­bi­li­sie­rung". Zeu­ner er­klärt: "Die Ur­sa­chen der Wachs­tums­schwä­che - der Han­dels­krieg, der Brex­it und die Kri­se der Au­to­mo­bil­in­dus­trie - wer­den uns auch 2020 in Atem hal­ten."

Die Ver­un­si­che­rung bremst In­ves­ti­tio­nen. Schlüs­sel­bran­chen wie der Au­to- und Ma­schi­nen­bau so­wie die Elek­tro- und Che­mie­in­dus­trie be­kom­men das längst zu spü­ren. Ein En­de des Brex­it-Dra­mas und vor al­lem des "Straf­zoll-Ping-Pongs" zwi­schen den USA und Chi­na, wie BGA-Prä­si­dent Hol­ger Bing­mann es jüngst nann­te, dürf­te ent­schei­dend da­für sein, wo­hin die Rei­se in den nächs­ten Mo­na­ten geht.

Bing­mann sieht aber auch die deut­sche Po­li­tik am Zug: "Tat­sa­che ist, dass wir be­stän­dig an re­la­ti­ver Wett­be­werbs­fä­hig­keit ver­lie­ren, weil die an­de­ren ge­ra­de bei der Un­ter­neh­mens­be­steue­rung längst han­deln oder ge­han­delt ha­ben." Der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI) for­der­te, die Bun­des­re­gie­rung müs­se "mehr da­für tun, öf­fent­li­che In­ves­ti­tio­nen zu stei­gern und die Be­din­gun­gen für pri­va­te In­ves­ti­tio­nen zu ver­bes­sern".

Bis­her ist der pri­va­te Kon­sum ei­ne "ver­läss­li­che Stüt­ze der bin­nen­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung", so das Fa­zit des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums. Ein Grund: Die gu­te La­ge am Ar­beits­markt. Ten­den­zi­ell stei­gen­de Ta­rif­löh­ne dürf­ten den Kon­sum wei­ter an­kur­beln, nied­ri­ge Zin­sen den Boom in der Bau­wirt­schaft ver­län­gern.

Je län­ger je­doch die Kon­junk­tur schwä­chelt, um­so mehr be­las­tet das auch die Stim­mung der Ver­brau­cher: Die Markt­for­scher der Nürn­ber­ger GfK er­mit­tel­ten in ih­rer mo­nat­li­chen Kon­sum­kli­ma­stu­die für No­vem­ber den nied­rigs­ten Wert seit Herbst 2016.

"In den kom­men­den Quar­ta­len ist an­ge­sichts des ver­hal­te­nen Aus­blicks für Welt­han­del und Au­to­mo­bil­bran­che so­wie der an­hal­ten­den er­höh­ten po­li­ti­schen Un­si­cher­heit rund um Han­del und Brex­it bes­ten­falls mit ei­nem Mi­ni-Wachs­tum zu rech­nen", pro­gnos­ti­zie­ren die Volks­wir­te des Ver­si­che­rers Al­li­anz.

De­ren Kol­le­gen von der VP Bank ra­ten: "Das lau­fen­de Jahr soll­te mög­lichst rasch ab­ge­hakt wer­den." Der Blick ge­he ins Jahr 2020. "Doch selbst wenn es wie­der et­was berg­auf geht, soll­te nicht ein all­zu ho­hes Wachs­tum er­war­tet wer­den."

Der Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung sieht nach wie vor ein er­höh­tes Re­zes­si­ons­ri­si­ko für Deutsch­land: "Ei­ne Be­le­bung der Kon­junk­tur ist frü­hes­tens im Jah­res­ver­lauf 2020 zu er­war­ten."

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Letzte Überarbeitung: 14. November 2019

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