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Deut­scher Staat er­zielt Mil­li­ar­den­über­schuss

Die Ein­nah­men des deut­schen Staa­tes über­stei­gen die Aus­ga­ben bei wei­tem. Sor­ge be­rei­tet aber die Kon­junk­tur­ent­wick­lung
Hunderteuroscheine

27.08.2019. (dpa/fle) - Der deut­sche Fis­kus schwimmt in Geld - noch je­den­falls.

Trotz der Kon­junk­tur­flau­te nah­men Bund, Län­der, Ge­mein­den und So­zi­al­ver­si­che­run­gen im ers­ten Halb­jahr 2019 un­ter dem Strich rund 45,3 Mil­li­ar­den EUR mehr ein als sie aus­ga­ben.

Das teil­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Diens­tag an­hand vor­läu­fi­ger Er­geb­nis­se mit. Die Ru­fe nach mehr staat­li­chen In­ves­ti­tio­nen so­wie ei­ner voll­stän­di­gen Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schlags wur­den lau­ter.

Künf­tig könn­ten Steu­ern und So­zi­al­bei­trä­ge we­gen des kon­junk­tu­rel­len Ge­gen­win­des al­ler­dings nicht mehr so kräf­tig spru­deln. Soll­te die Ar­beits­lo­sig­keit stei­gen, wür­den zu­dem die So­zi­al­ver­si­che­run­gen stär­ker be­las­tet.

In­ter­na­tio­na­le Han­dels­kon­flik­te, die Un­wäg­bar­kei­ten des Brex­its und die Ab­schwä­chung der Welt­kon­junk­tur brem­sen der­zeit die ex­port­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft nach neun Jah­ren des Auf­schwungs. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt schrumpf­te im zwei­ten Quar­tal im Ver­gleich zum Vor­quar­tal um 0,1 Pro­zent. Das ist als sol­ches nicht dra­ma­tisch. Zum Jah­res­an­fang war Eu­ro­pas größ­te Volks­wirt­schaft noch um 0,4 Pro­zent ge­wach­sen. Doch die Hoff­nung auf ei­ne kräf­ti­ge Kon­junk­tur­er­ho­lung in den kom­men­den Mo­na­ten schwin­det zu­neh­mend.

"Die Sor­gen­fal­ten der deut­schen Wirt­schaft wer­den im­mer tie­fer", sag­te Ifo-Prä­si­dent Cle­mens Fu­est jüngst. Vor al­lem der Zoll­krieg zwi­schen den USA und Chi­na ver­un­si­chert die Un­ter­neh­men. Nach Ein­schät­zung von KfW-Kon­junk­tur­ex­per­te Klaus Bor­ger steht das zwei­te Halb­jahr "un­ter schlech­ten Vor­zei­chen".

In den ers­ten sechs Mo­na­ten pro­fi­tier­te der Staat von Steu­er­ein­nah­men und spru­deln­den So­zi­al­bei­trä­gen. Be­zo­gen auf die Wirt­schafts­leis­tung lag der Über­schuss bei 2,7 Pro­zent. Es war der zweit­bes­te Wert seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung in ei­nem ers­ten Halb­jahr. In den ers­ten sechs Mo­na­ten 2018 hat­te der Über­schuss mit 51,8 Mil­li­ar­den EUR be­zie­hungs­wei­se 3,1 Pro­zent hö­her ge­le­gen.

Der Zu­wachs bei den Steu­er­ein­nah­men fiel den An­ga­ben zu­fol­ge mit 2,8 Pro­zent mo­de­rat aus. Nach ei­ner trü­ben Steu­er­schät­zung hat­te Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) beim Bun­des­etat für 2020 be­reits nach­jus­tiert. Die So­zi­al­bei­trä­ge spru­del­ten da­ge­gen an­ge­sichts der nach wie vor gu­ten La­ge auf dem Ar­beits­markt kräf­ti­ger (plus 4,4 Pro­zent). Al­le staat­li­chen Ebe­nen tru­gen zu dem Über­schuss bei. Der Bund ver­buch­te mit 17,7 Mil­li­ar­den EUR das größ­te Plus.

Auch die vor al­lem in Deutsch­land um­strit­te­ne ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) sorgt für Ent­las­tung. We­gen der nied­ri­gen Zin­sen kann sich der Staat güns­ti­ger ver­schul­den. Die Zins­aus­ga­ben des Fis­kus san­ken nach An­ga­ben der Wies­ba­de­ner Be­hör­de im ers­ten Halb­jahr um 10,8 Pro­zent.

Deutsch­land ist mit dem Über­schuss weit ent­fernt von der De­fi­zit-Gren­ze des Maas­tricht-Ver­tra­ges. Dar­in er­lau­ben sich die Eu­ro­pä­er höchs­tens ein Haus­halts­de­fi­zit von 3,0 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung. Ein - wenn auch mi­ni­ma­les - Mi­nus hat­te Deutsch­land zu­letzt im zwei­ten Halb­jahr 2013 ver­bucht.

Sor­ge be­rei­tet die Kon­junk­tur­ent­wick­lung. Nach Ein­schät­zung von Volks­wir­ten könn­te das BIP auch im drit­ten Vier­tel­jahr schrump­fen. Sinkt die Wirt­schafts­leis­tung zwei Quar­ta­le in Fol­ge, spre­chen Öko­no­men von ei­ner "tech­ni­schen Re­zes­si­on". Es han­delt sich in die­sem Fall aber nur um ei­ne sehr mil­de Re­zes­si­on. An­ders sä­he es aus, wenn die Wirt­schafts­leis­tung im Ge­samt­jahr im Ver­gleich zum Vor­jahr rück­läu­fig ist. Da­mit wird der­zeit je­doch nicht ge­rech­net. Zu­letzt war dies 2009 in­fol­ge der glo­ba­len Fi­nanz­kri­se der Fall.

Die Bun­des­re­gie­rung ging zu­letzt für das Ge­samt­jahr 2019 von ei­nem Wirt­schafts­wachs­tum von 0,5 Pro­zent aus. Im ver­gan­ge­nen Jahr war das Brut­to­in­lands­pro­dukt um 1,5 Pro­zent ge­stie­gen.

Ge­bremst wur­de die Kon­junk­tur im zwei­ten Quar­tal nach An­ga­ben der Wies­ba­de­ner Be­hör­de vom Au­ßen­han­del. Die Ex­por­te von Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen san­ken im Ver­gleich zum Vor­quar­tal deut­lich stär­ker als die Im­por­te. Die vor al­lem von US-Prä­si­dent Do­nald Trump an­ge­zet­tel­ten Han­dels­kon­flik­te be­las­ten den Ex­port. Hin­zu kommt: "Im­mer mehr Mit­glie­der der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) schir­men ih­re Märk­te vor aus­län­di­scher Kon­kur­renz ab", be­klag­te Joa­chim Lang, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des In­dus­trie­ver­ban­des BDI.

Als Stüt­ze er­wies sich im zwei­ten Vier­tel­jahr un­ter an­de­rem er­neut die Kauf­lau­ne der Ver­brau­cher. Die pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben leg­ten leicht um 0,1 Pro­zent zu. Zu­letzt wur­den die Men­schen in Deutsch­land nach An­ga­ben der GfK-Kon­sum­for­scher beim Geld­aus­ge­ben al­ler­dings vor­sich­ti­ger. Mel­dun­gen über Per­so­nal­ab­bau und die Ein­füh­rung von Kurz­ar­beit lie­ßen dem­nach die Angst vor ei­nem Job­ver­lust wach­sen.

Der Bund der Steu­er­zah­ler und FDP-Po­li­ti­ker for­der­ten ei­ne voll­stän­di­ge Ab­schaf­fung des So­li. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund mahn­te mehr staat­li­che In­ves­ti­tio­nen an.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. August 2019

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