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Ei­ni­gung bei Che­mie-Ta­rif­ge­sprä­chen

Es gibt mehr Geld, ei­ne neue Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung und ein Zu­kunfts­kon­to zum An­spa­ren von Ar­beits­zeit
Industrieanlage, Chemiewerk

22.11.2019. (dpa/fle) - Die 580.000 Be­schäf­tig­ten in der deut­schen Che­mie- und Phar­ma­bran­che be­kom­men mehr Geld und ei­ne neue ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­te Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung.

Die Ge­werk­schaft IG BCE und der Ar­beit­ge­ber­ver­band BA­VC ei­nig­ten sich bei ih­ren Ta­rif­ge­sprä­chen am Frei­tag auf ein Lohn­plus von 1,5 Pro­zent von Ju­li 2020 an.

Von Ju­li 2021 an sol­len die Be­zü­ge um wei­te­re 1,3 Pro­zent für neun Mo­na­te stei­gen, wie bei­de Sei­ten in Wies­ba­den mit­teil­ten. Für das ers­te Halb­jahr 2020 soll es Ein­mal­zah­lun­gen ge­ben.

Zu­dem ver­ein­bar­ten bei­de Sei­ten ein Zu­kunfts­kon­to zum An­spa­ren von Ar­beits­zeit. Wei­ter­bil­dun­gen sol­len die Men­schen in Deutsch­lands dritt­größ­ter In­dus­trie­bran­che nach dem Au­to- und Ma­schi­nen­bau fit für die Di­gi­ta­li­sie­rung ma­chen. Die Ar­beit­ge­ber setz­ten sich da­für mit ei­ner lan­gen Lauf­zeit von bis zu 29 Mo­na­ten durch, die spä­tes­tens im März 2022 en­det. Sie ver­wie­sen zu­dem auf Leer­mo­na­te für 2019.

IG BCE und der Bun­des­ar­beit­ge­ber­ver­band Che­mie hat­ten zum Auf­takt der zwei­ten Run­de vor kom­ple­xen Ge­sprä­chen ge­stan­den, die vom kräf­ti­gen Um­satz­rück­gang in der Bran­che in die­sem Jahr er­schwert wur­den. Die Che­mie- und Phar­ma­in­dus­trie hat Re­kord­jah­re hin­ter sich, lei­det aber un­ter Han­dels­kon­flik­ten und ei­ner schwa­chen In­dus­tri­e­nach­fra­ge.

"Mit ei­ner au­ßer­or­dent­lich lan­gen Lauf­zeit und sehr mo­de­ra­ten Ent­gel­ter­hö­hun­gen konn­ten wir un­se­re wich­tigs­ten Zie­le er­rei­chen»", sag­te BA­VC-Ver­hand­lungs­füh­rer Ge­org Mül­ler. Mit der längs­ten Lauf­zeit seit 1987 ge­be die Ei­ni­gung Be­trie­ben ei­ne lan­ge Pla­nungs­si­cher­heit.

Die IG BCE, die zu­vor "spür­ba­re" Lohn­zu­wäch­se über der In­fla­ti­on ge­for­dert hat­te, muss­te sich nun mit mo­de­ra­ten Stei­ge­run­gen be­gnü­gen. Da­für setz­te die Ge­werk­schaft ei­ne Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung durch, die laut IG BCE zum Ju­li 2021 ein­ge­rich­tet wird. Da­bei zah­len die Ar­beit­ge­ber die Prä­mie für Ar­beit­neh­mer mit über sechs Mo­na­ten Be­schäf­ti­gungs­zeit. Bei ei­nem Pfle­ge­fall kommt die Po­li­ce für Kos­ten auf. Die IG BCE sprach von ei­ner bun­des­weit ein­ma­li­gen Re­ge­lung.

Ein neu­es Zu­kunfts­kon­to gibt Che­mie-Be­schäf­tig­ten fer­ner Fle­xi­bi­li­tät, in­dem sie zu­sätz­li­che freie Ta­ge neh­men, auf Lang­zeit­kon­ten spa­ren oder für die Al­ters­vor­sor­ge ver­wen­den kön­nen. Das Kon­to star­te 2020 und wach­se bis 2022 auf fünf freie Ta­ge pro Jahr oder 23 Pro­zent ei­nes ta­rif­li­chen Mo­nats­ein­kom­mens, so die IG BCE. Die Ar­beit­ge­ber be­ton­ten, dass aber auch in­di­vi­du­ell län­ge­re Ein­satz­zei­ten ver­ein­bart wer­den könn­ten. Das Er­le­di­gen der Ar­beit wer­de in al­len Be­trie­ben si­cher­ge­stellt.

Die Ge­werk­schaft ha­be ei­nen "kräf­te­zeh­ren­den Ver­hand­lungs­ma­ra­thon" für die Be­lan­ge der Be­schäf­tig­ten hin­ter sich, sag­te der stell­ver­tre­ten­de IG-BCE-Chef Ralf Si­kor­ski. Das ha­be sich ge­lohnt. "Nichts brennt ih­nen so auf den Nä­geln wie die wach­sen­de Ar­beits­ver­dich­tung und die Fra­ge fi­nan­zi­el­ler Si­cher­heit im Al­ter."

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Letzte Überarbeitung: 22. November 2019

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