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Ent­steht ei­ne Tes­la-Fa­brik bei Ber­lin?

Nach der An­kün­di­gung ei­ner Tes­la-Fa­brik in Deutsch­land herrscht Eu­pho­rie. Tau­sen­de Ar­beits­plät­ze könn­ten ent­ste­hen
Autoproduktion in Fabrik

13.11.2019. (dpa/fle) - Re­no, Schang­hai und jetzt Grün­hei­de bei Ber­lin: Die ge­plan­te Fa­brik des US-ame­ri­ka­ni­schen Elek­tro­au­to-Her­stel­lers Tes­la könn­te nach An­ga­ben aus Ber­lin und Bran­den­burg bis zu 8.000 Ar­beits­plät­ze brin­gen.

Das Pro­jekt löst in Wirt­schaft und Po­li­tik fast ein­hel­lig Be­geis­te­rung aus.

Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) be­zeich­ne­te Tes­las Ent­schei­dung am Mitt­woch als "Mei­len­stein" für den Aus­bau der Elek­tro­mo­bi­li­tät.

"Die An­kün­di­gung von Elon Musk zeigt, wie wich­tig der Au­to­mo­bil­stand­ort Deutsch­land für den Hoch­lauf der Elek­tro­mo­bi­li­tät in Eu­ro­pa ist", ur­teil­te auch der Ver­band der Deut­schen Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Doch noch sind vie­le Fra­gen of­fen.

Die ge­plan­te Fa­brik in Grün­hei­de soll auf ei­ner In­dus­trie­flä­che na­he der Au­to­bahn A 10 ent­ste­hen, wo der­zeit noch Wald ist. Nach An­ga­ben von Bran­den­burgs Wirt­schafts­mi­nis­ter Jörg St­ein­bach (SPD) sol­len ge­schätzt "in der ers­ten Aus­bau­stu­fe über 3.000 Ar­beits­plät­ze" ent­ste­hen. Ori­en­tiert an der Pla­nung für die Tes­la-Fa­brik in Schang­hai sag­te er, dann "wä­ren wir ver­mut­lich bei 7.000 bis 8.000 Ar­beits­plät­zen". Die In­ves­ti­tio­nen lä­gen in mehr­fa­cher Mil­li­ar­den­hö­he. Der Start der Bau­ar­bei­ten sei für das ers­te Quar­tal 2020 ge­plant. Sub­ven­tio­nen sind im Rah­men von EU-Bei­hil­fen ge­plant.

Bran­den­burg hat nach An­ga­ben von Re­gie­rungs­chef Diet­mar Wo­id­ke (SPD) et­wa sechs Mo­na­te mit Tes­la ver­han­delt. Wo­id­ke sieht in der Fa­brik ein Pro­jekt mit Si­gnal­wir­kung für Eu­ro­pa. "Das ers­te Mal ge­lingt es, hier bei uns in Bran­den­burg zu zei­gen, dass Kli­ma­schutz und Schaf­fung von Wohl­stand und Ar­beits­plät­zen Hand in Hand ge­hen kön­nen", sag­te Wo­id­ke. Bran­den­burg sei deutsch­land­weit bei der Er­zeu­gung er­neu­er­ba­rer En­er­gi­en pro Flä­che und Ein­woh­ner vorn. Die An­sied­lung "be­deu­tet ei­ne der größ­ten In­ves­ti­tio­nen in der Ge­schich­te un­se­res Lan­des".

In Grün­hei­de war auch ein mög­li­cher Stand­ort für ein neu­es BMW-Werk, das aber nach Sach­sen ging. Bis zum künf­ti­gen Haupt­stadt­flug­ha­fen BER, der im Ok­to­ber 2020 er­öff­net wer­den soll, sind es von Grün­hei­de et­wa 25 Au­to­mi­nu­ten. Hin­zu kom­me die Nä­he zu Ber­lin mit sei­nen Fach­kräf­ten und Ta­len­ten, be­tont die Ber­li­ner Se­nats­ver­wal­tung für Wirt­schaft.

Tes­la-Chef Elon Musk hat­te das Pro­jekt über­ra­schend am Diens­tag­abend bei der Ver­lei­hung des "Gol­de­nen Lenk­rads" von "Au­to Bild" und "Bild am Sonn­tag" in Ber­lin an­ge­kün­digt. Die Fa­brik soll vor­aus­sicht­lich En­de 2021 in Be­trieb ge­hen und zu­nächst den künf­ti­gen Kom­pakt-Sport­ge­län­de­wa­gen Mo­del Y so­wie auch Bat­te­ri­en und An­trie­be bau­en. Tes­la wer­de zu­dem ein In­ge­nieurs- und De­sign­zen­trum in Ber­lin an­sie­deln, sag­te Musk. "Deutsch­land baut groß­ar­ti­ge Au­tos." Das sei ei­ner der Grün­de für die Stand­ort-Ent­schei­dung ge­we­sen.

Auch der Brex­it ha­be da­bei ei­ne Rol­le ge­spielt, sag­te Musk am Mitt­woch der Zeit­schrift "Au­to­ex­press". Die­ser ha­be ein zu gro­ßes Ri­si­ko für ei­nen Stand­ort in Groß­bri­tan­ni­en dar­ge­stellt.

Noch un­kon­kret sind die Plä­ne für die Haupt­stadt. Be­kannt wur­de nur, dass Tes­la dort ein For­schungs- und Ent­wick­lungs­zen­trum grün­den will. Wie vie­le Be­schäf­tig­te dort tä­tig sein wer­den und wo das Zen­trum er­rich­tet wer­den könn­te, blieb of­fen. Auf "ein paar Hun­dert, wenn nicht gar ein paar Tau­send" neue Jobs in Ber­lin hoff­te Wirt­schafts­se­na­to­rin Ra­mo­na Pop auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter.

"Der Pro­zess geht aber jetzt erst rich­tig los", sag­te Lu­kas Brei­ten­bach auf An­fra­ge, Spre­cher der Ber­lin Part­ner für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie. Die Ein­rich­tung wird vom Land so­wie von Kam­mern, Ver­bän­den und Un­ter­neh­men ge­tra­gen und hat­te für Ber­lin die Ge­sprä­che mit Tes­la be­glei­tet. In Fra­ge kä­men et­wa Stand­or­te in der Nä­he von Uni­ver­si­tä­ten und an­de­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen. Die Be­zir­ke und die Be­völ­ke­rung sol­len da­bei früh­zei­tig ein­be­zo­gen wer­den. Ei­nen Fall wie Goog­le, das vor ei­ni­ger Zeit we­gen mas­si­ven öf­fent­li­chen Pro­tests Plä­ne für ei­nen Stand­ort in Ber­lin-Kreuz­berg ab­sag­te, soll es nicht noch ein­mal ge­ben.

Die Ent­schei­dung Tes­las für die Re­gi­on Ber­lin hat auch bun­des­weit Be­deu­tung. Alt­mai­er treibt seit lan­gem ei­ne eu­ro­päi­sche Initia­ti­ve zum Bau von Bat­te­rie­zell­fa­bri­ken vor­an, ge­mein­sam vor al­lem mit Frank­reich. "Bei­des steht ne­ben­ein­an­der", sag­te ei­ne Spre­che­rin mit Blick auf die Tes­la-Plä­ne.

Bran­chen­ex­per­te Fer­di­nand Du­den­höf­fer dämpf­te die po­li­ti­sche Eu­pho­rie. Die Zahl der Ar­beits­plät­ze in der künf­ti­gen Fa­brik soll­te man nicht über­schät­zen, sag­te er. "Zell­fa­bri­ka­ti­on ist hoch­au­to­ma­ti­siert. Da zäh­len En­er­gie­kos­ten deut­lich mehr als Ar­beits­kos­ten." Nach der An­kün­di­gung Tes­las sei zu­dem zu über­le­gen, wel­chen Sinn die ei­ne Mil­li­ar­de EUR noch ha­be, die Alt­mai­er in ei­ne deut­sche Li­thi­um-Io­nen-Fa­bri­ka­ti­on ste­cken wol­le.

Tes­la hat­te schon seit län­ge­rem nach ei­nem Stand­ort für ei­ne "Gi­ga­f­ac­to­ry" für die Her­stel­lung von Bat­te­ri­en und Fahr­zeu­gen in Eu­ro­pa ge­sucht. An­de­re Bun­des­län­der, die eben­so auf ei­ne An­sie­de­lung von Tes­la ge­hofft hat­ten, re­agier­ten ent­täuscht, et­wa Nie­der­sach­sen und das Saar­land. Nord­rhein-West­fa­len hofft nach Aus­kunft sei­nes Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums auf Zu­lie­fer­auf­trä­ge.

Die ers­te "Gi­ga­f­ac­to­ry", die bis­her nur Bat­te­ri­en pro­du­ziert, bau­te Tes­la in der Wüs­te im US-Bun­des­staat Ne­va­da. Erst vor kur­zem wur­de in we­ni­ger als sechs Mo­na­ten ei­ne Fa­brik in Chi­na fer­tig­ge­baut. Dort sol­len bis zu 150.000 Fahr­zeu­ge pro Jahr ge­baut wer­den, zu­nächst das Mo­del 3, dann auch das Mo­del Y.

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Letzte Überarbeitung: 27. November 2019

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