HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/069

Fu­si­on von Com­merz- und Deut­scher Bank?

Ei­ne mög­li­che Fu­si­on be­flü­gelt die Ak­ti­en­kur­se der bei­den deut­schen Groß­ban­ken - Ver­di sieht da­bei 30.000 Jobs in Ge­fahr
bank_geld

18.03.2019. (dpa/fle) - An­ge­sichts der Fu­si­ons­ge­sprä­che zwi­schen Deut­scher Bank und Com­merz­bank wächst die Sor­ge vor dem Ver­lust Tau­sen­der Jobs bei den In­sti­tu­ten.

"Wir schau­en na­tür­lich auf die Zu­kunft der Ar­beits­plät­ze, um die es geht", sag­te Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Hel­ge Braun. Wenn es - wie be­rich­tet - zu tau­sen­den Ar­beits­platz­ver­lus­ten kä­me, "dann ist das na­tür­lich ein schwie­ri­ger Be­fund", sag­te der CDU-Po­li­ti­ker.

Der Bund ist seit der Fi­nanz­kri­se mit 15 Pro­zent größ­ter Ak­tio­när der Com­merz­bank. An der Bör­se be­flü­gel­te die Aus­sicht auf ei­ne Groß­ban­ken-Fu­si­on die Kur­se der bei­den In­sti­tu­te.

Die Ge­werk­schaft Ver­di will ak­tiv ge­gen ei­nen mög­li­chen dras­ti­schen Ar­beits­platz­ab­bau im Fall ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses der bei­den füh­ren deut­schen Pri­vat­ban­ken ein­tre­ten. "Dass da ein­fach zu­ge­guckt wird, da­von kann nie­mand ernst­haft aus­ge­hen", sag­te Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke. Es sei da­mit zu rech­nen, dass bis zu 30.000 Ar­beits­plät­ze dort "im Feu­er" ste­hen: "Wir wer­den das sehr kri­tisch be­glei­ten, und das auch mit un­se­ren Mög­lich­kei­ten in den Auf­sichts­gre­mi­en in der Deut­schen Bank und der Com­merz­bank." En­de 2018 be­schäf­tig­ten bei­de In­sti­tu­te zu­sam­men gut 133.000 Voll­zeit­kräf­te.

Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ist nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers nicht an den Fu­si­ons­ge­sprä­chen be­tei­ligt. Man neh­me die Ge­sprä­che zur Kennt­nis, man be­glei­te sie aber nicht, sag­te Spre­cher Stef­fen He­be­streit.

Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) und sein Staats­se­kre­tär, der ehe­ma­li­ge Gold­man-Sachs-Deutsch­land­chef Jörg Ku­kies, wer­ben seit Mo­na­ten für star­ke deut­sche Ban­ken. Zu­letzt hat­te es Me­di­en­be­rich­te ge­ge­ben, Scholz und Ku­kies hät­ten die Bank­chefs Chris­ti­an Sewing und Mar­tin Ziel­ke ge­drängt, ein Zu­sam­men­ge­hen zu prü­fen - idea­ler­wei­se vor der Eu­ro­pa­wahl En­de Mai. He­be­streit sag­te: "Ich ha­be kei­nen Druck wahr­ge­nom­men sei­tens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Fi­nan­zen."

Zu den Ge­sprä­chen zwi­schen bei­den In­sti­tu­ten woll­te Scholz bei ei­ner Kon­fe­renz in Ber­lin kei­ne Stel­lung be­zie­hen. "Es sind pri­va­te Ban­ken, sie tref­fen ih­re ei­ge­nen Ent­schei­dun­gen", sag­te er. Grund­sätz­lich sieht Scholz auch gro­ße Ban­ken durch EU-Re­geln gut ab­ge­si­chert.

Die Fu­si­ons­ge­sprä­che zwi­schen Deut­scher Bank und Com­merz­bank be­flü­gel­ten am Mon­tag die Fan­ta­sie von Bör­sia­nern. Auch wenn ein Zu­sam­men­schluss in den Ster­nen steht, leg­ten die Ak­ti­en­kur­se der Groß­ban­ken und der Deut­sche-Bank-Fond­s­toch­ter DWS deut­lich zu.

Für die im Leit­in­dex Dax ge­lis­te­ten Ak­ti­en der Deut­schen Bank ging es bis zum Han­dels­schluss um 4,2 Pro­zent nach oben. Die Pa­pie­re der Com­merz­bank ge­wan­nen im MDax der mit­tel­gro­ßen Wer­te mehr als 7 Pro­zent hin­zu. Für die Ak­ti­en der Deut­sche-Bank-Fond­s­toch­ter DWS ging es so­gar um 9 Pro­zent nach oben. An den Märk­ten wird spe­ku­liert, dass die Deut­sche Bank ih­re Mehr­heit an der DWS ver­sil­bern könn­te, um ei­ne Über­nah­me der Com­merz­bank zu fi­nan­zie­ren.

Ob die Eu­pho­rie der Bör­sia­ner ge­recht­fer­tigt ist, könn­te sich in ei­ni­gen Wo­chen zei­gen. Dem Ver­neh­men nach soll spä­tes­tens vor den Haupt­ver­samm­lun­gen der Ban­ken am 22. und 23. Mai klar sein, ob die Ver­hand­lun­gen wei­ter­ge­hen - oder das The­ma "Deut­sche Com­merz" zu den Ak­ten ge­legt wird.

Bei­de Ban­ken hat­ten am Sonn­tag nach mo­na­te­lan­gen Spe­ku­la­tio­nen an­ge­kün­digt, dass sie Ge­sprä­che über ei­nen mög­li­chen Zu­sam­men­schluss auf­neh­men. Sie be­ton­ten je­doch, dass ei­ne Fu­si­on kei­ne aus­ge­mach­te Sa­che sei. Am Don­ners­tag tref­fen sich ge­trennt von­ein­an­der auch die Auf­sichts­rä­te bei­der Kon­zer­ne. Die­se Ter­mi­ne ste­hen schon län­ger fest. Trotz­dem dürf­te das Fu­si­ons­the­ma zur Spra­che kom­men.

Be­für­wor­ter des Zu­sam­men­schlus­ses glau­ben, dass die Ban­ken nur ge­mein­sam stark ge­nug wä­ren, um sich ge­gen­über der welt­wei­ten Kon­kur­renz zu be­haup­ten. An der Bör­se ist die Deut­sche Bank - Deutsch­lands größ­tes Geld­haus - ak­tu­ell ge­ra­de noch gut 16 Mil­li­ar­den EUR wert, die Com­merz­bank rund 9 Mil­li­ar­den EUR (Stand 15.03.2019). In der Welt­spit­ze spie­len die bei­den größ­ten bör­sen­no­tier­ten deut­schen Ban­ken da­mit nicht mehr mit. Nach Ein­schät­zung des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen In­dus­trie ist ei­ne Fu­si­on nur dann ziel­füh­rend, wenn da­durch ei­ne stär­ke­re In­sti­tu­ti­on ent­steht.

Aus Sicht des Chefs der Mo­no­pol­kom­mis­si­on, Achim Wam­bach, deu­tet Ei­ni­ges dar­auf hin, dass die Kar­tell­be­hör­den den Zu­sam­men­schluss, ge­ge­be­nen­falls un­ter Auf­la­gen frei­ge­ben. Durch die Fu­si­on ent­ste­he aber "mög­li­cher­wei­se ei­ne neue Be­dro­hung für die Fi­nanz­welt, näm­lich durch ei­nen An­stieg des Sys­tem­ri­si­kos", sag­te Wam­bach, des­sen Kom­mis­si­on die Bun­des­re­gie­rung be­rät.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. Oktober 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de