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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/063

Har­te Fron­ten im Ta­rif­kon­flikt der BVG

Die Po­si­tio­nen im Ta­rif­kon­flikt der BVG lie­gen weit aus­ein­an­der. Ver­di ant­wor­tet mit ei­nem ganz­tä­ti­gen Warn­streik der Bus­fah­rer
Bus Cockpit, Busfahrer, Unternehmen finden keine Busfahrer, Fachkräftemangel

12.03.2019. (dpa/fle) - Die Ge­werk­schaft Ver­di hat für kom­men­den Don­ners­tag (14.03.2019) Bus­fah­rer der Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG) zu ei­nem Warn­streik auf­ge­ru­fen.

Im lau­fen­den Ta­rif­kon­flikt sol­len Bus­fah­rer und Be­schäf­tig­te zu­ge­hö­ri­ger Werk­stät­ten ab Be­triebs­be­ginn (et­wa 03.30 Uhr) bis 22.00 Uhr die Ar­beit nie­der­le­gen, wie ein Ver­di-Spre­cher am Diens­tag sag­te.

Der U-Bahn- und der Tram­ver­kehr sei­en hin­ge­gen nicht be­trof­fen.

Ver­di wies das Ar­beit­ge­ber­an­ge­bot nach ei­ner Ta­rif­kom­mis­si­ons­sit­zung als un­zu­rei­chend zu­rück und for­der­te zu­gleich, das An­ge­bot zu ver­bes­sern. Da­mit er­hö­hen die Ge­werk­schaf­ter vor der vier­ten Ta­rif­ver­hand­lungs­run­de am 28.03.2019 den Druck auf den Ar­beit­ge­ber. Be­reits Mit­te Fe­bru­ar hat­te es ei­nen gro­ßen Warn­streik in der Haupt­stadt ge­ge­ben - ne­ben Bus­sen blie­ben auch vie­le U-Bah­nen und Stra­ßen­bah­nen ste­hen. Da­mals wa­ren al­le BVG-Be­schäf­tig­te zum Warn­streik auf­ge­ru­fen.

Die BVG re­agier­te auf die zwei­te Warn­streik-An­kün­di­gung mit "gro­ßem Un­ver­ständ­nis", wie es von ei­ner Spre­che­rin hieß. Ta­rif­ver­hand­lun­gen soll­ten in ers­ter Li­nie am Ver­hand­lungs­tisch statt­fin­den. Ein Warn­streik sei ein letz­tes Mit­tel, aber nicht das ers­te.

Ver­di will für die rund 14.000 Be­schäf­tig­ten der BVG und ih­rer Toch­ter Ber­lin Trans­port un­ter an­de­rem ei­ne 36,5-St­un­den-Ar­beits­wo­che bei vol­lem Lohn­aus­gleich durch­set­zen. Heu­te muss knapp die Hälf­te der Be­schäf­tig­ten des Lan­des­un­ter­neh­mens 39 St­un­den ran - das sind al­le Kol­le­gen, die seit 2005 ein­ge­stellt wur­den.

Ei­ne BVG-Spre­che­rin sag­te zu die­ser For­de­rung: "Da man dann nur zur Auf­recht­hal­tung des der­zei­ti­gen Ver­kehrs­an­ge­bots qua­si über Nacht mehr als 500 neue Mit­ar­bei­ter ein­stel­len müss­te, ist dies nicht ver­han­del­bar." Das wer­de ab­ge­lehnt.

Die BVG ist das größ­te kom­mu­na­le Ver­kehrs­un­ter­neh­men Deutsch­lands und mit mehr als 2,9 Mil­lio­nen Kun­den­fahr­ten pro Tag das Rück­grat des Ber­li­ner Nah­ver­kehrs. Die S-Bahn in Ber­lin ge­hört da­ge­gen nicht zur BVG, son­dern zur Deut­schen Bahn.

Ver­di ging in die Ta­rif­ver­hand­lun­gen, die En­de Ja­nu­ar be­gon­nen hat­ten, zu­dem mit der For­de­rung nach Weih­nachts­geld auch für Neu­lin­ge, Weg­fall der un­te­ren Lohn­grup­pen und schnel­le­re Ge­halts­sprün­ge, zu­dem für Ge­werk­schafts­mit­glie­der ein­ma­lig 500 EUR. Die­se Punk­te be­tref­fen den Man­tel­ta­rif.

Das An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­läuft sich sei­ner­seits auf ei­nen Mehr­auf­wand für den Per­so­nal­be­reich in Hö­he von 65 Mil­lio­nen EUR jähr­lich, wie aus BVG-Krei­sen deut­lich wur­de. Die­ser jähr­li­che Be­trag be­zie­he sich so­wohl auf den Man­tel­ta­rif und die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ent­gelt-Ord­nung als auch auf die Er­hö­hung der Ta­bel­len­ent­gel­te - ist al­so ein Ge­samt­be­trag. Der Lö­wen­an­teil des Mehr­auf­wan­des - näm­lich rund 54 Mil­lio­nen EUR jähr­lich - ma­che die Er­hö­hung der Ta­bel­len­ent­gel­te aus.

Die Ge­häl­ter sol­len sich laut BVG-Krei­sen ge­mäß An­ge­bot in un­te­ren Ent­gelt­grup­pen – wor­un­ter auch die Fah­rer fal­len – um elf Pro­zent er­hö­hen, in hö­he­ren Ent­gelt­grup­pen um sie­ben Pro­zent. Un­ter dem Strich könn­te es rück­wir­kend zum 01.01.2019 da­mit ei­ne Er­hö­hung im Durch­schnitt von 10 Pro­zent der Brut­to­ge­häl­ter ge­ben und dann bei die­sem Wert bis En­de 2020 blei­ben. Vor Ta­gen hat­te Ver­di mit­ge­teilt, dass 65 Mil­lio­nen EUR nicht aus­reich­ten.

Die Se­nats­ver­wal­tung für Wirt­schaft, En­er­gie und Be­trie­be kom­men­tier­te ei­ne An­fra­ge zum Kos­ten­rah­men für die Ver­hand­lun­gen nicht.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Juli 2019

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