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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/222

Herbst­be­le­bung auf dem Ar­beits­markt?

Es häu­fen sich Hi­obs­bot­schaf­ten aus der Wirt­schaft, doch der Ar­beits­markt hält bis­her stand. Die Bun­des­agen­tur ist op­ti­mis­tisch
Stellenanzeige in der Zeitung, Stellenmarkt, Arbeitsmarkt

30.09.2019. (dpa/fle) - Sie­mens und die Stahl­in­dus­trie, Au­to­zu­lie­fe­rer und die Ban­ken - die deut­sche Wirt­schaft, so hat es den An­schein, muss in gro­ßem Stil Per­so­nal ab­bau­en.

Schließ­lich schwä­chelt die Kon­junk­tur hier­zu­lan­de schon seit ei­ni­ger Zeit - und die Ri­si­ken neh­men zu.

Der Ar­beits­markt aber trotzt den Hi­obs­bot­schaf­ten - bis­her. Im Sep­tem­ber sank die Zahl der Ar­beits­lo­sen auf 2,234 Mil­lio­nen, wie die Bun­des­agen­tur für Ar­beit am Mon­tag in Nürn­berg mit­teil­te.

Das ist nicht nur der nied­rigs­te Sep­tem­ber-Stand seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Es sind auch 85.000 Ar­beits­lo­se we­ni­ger als noch im Au­gust und 22.000 we­ni­ger als vor ei­nem Jahr. Sai­son­be­rei­nigt - al­so Spe­zi­al­ef­fek­te wie den Be­ginn des Lehr­jah­res her­aus­ge­rech­net - steht im­mer noch ein Mi­nus von 10 000 zu Bu­che. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sank um 0,2 Pro­zent­punk­te ge­gen­über Au­gust und liegt mit 4,9 Pro­zent so­gar wie­der un­ter der Fünf-Pro­zent-Mar­ke.

Sind die War­nun­gen von Volks­wir­ten vor ei­ner Re­zes­si­on über­trie­ben? Die Bun­des­agen­tur und das ihr an­ge­glie­der­te In­sti­tut für Ar­beits­markt und Be­rufs­for­schung je­den­falls be­trach­ten die La­ge op­ti­mis­ti­scher als an­de­re Ex­per­ten. Die Nürn­ber­ger ge­hen von ei­nem Wirt­schafts­wachs­tum von 1,1 Pro­zent für das nächs­te Jahr in Deutsch­land aus.

An­de­re Volks­wir­te, dar­un­ter Ka­tha­ri­na Uter­möhl von der Al­li­anz, se­hen die deut­sche Wirt­schafts­leis­tung 2020 da­ge­gen nur um 0,6 Pro­zent wach­sen - und Ge­fah­ren wie ein un­ge­re­gel­ter Brex­it sind da noch gar nicht voll be­rück­sich­tigt. Mar­tin Mül­ler von der Ban­ken­grup­pe KfW sagt: "Die Aus­sich­ten für die kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lung se­hen deut­lich schlech­ter aus als noch im Früh­jahr."

Der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Bun­des­agen­tur (BA), Det­lef Schee­le, warnt vor über­trie­be­nem Pes­si­mis­mus: Auch wenn im Wes­ten im Jah­res­ver­gleich so­gar ein leich­ter Zu­wachs an Ar­beits­lo­sen ver­zeich­net wird. Und ob­wohl der Rück­gang im Sep­tem­ber vor al­lem auf Hartz-IV-Emp­fän­ger, be­son­ders in Ost­deutsch­land, zu­rück­zu­füh­ren ist.

"Man kann von kei­ner kri­sen­haf­ten Ent­wick­lung am Ar­beits­markt spre­chen", sag­te Schee­le. "Am Ar­beits­markt gibt es nach wie vor ei­ne güns­ti­ge La­ge." Die Früh­in­di­ka­to­ren zeig­ten ein ge­misch­tes Bild, gä­ben aber kei­nen An­lass zu ge­ne­rel­ler Sor­ge: "Das Ar­beits­markt­ge­sche­hen kop­pelt sich wei­ter ein we­nig von der kon­junk­tu­rel­len La­ge ab."

Die Grund­la­ge für sol­che Aus­sa­gen lie­fert auch das Klein­ge­druck­te in der Sta­tis­tik. Das neue Qua­li­fi­zie­rungs-Chan­cen-Ge­setz et­wa, über das Be­schäf­tig­te im Job wei­ter­ge­bil­det wer­den sol­len. 26.000 Men­schen ha­ben von der Mög­lich­keit bis­her Ge­brauch ge­macht. Sie kom­men vor al­lem aus der Al­ten­pfle­ge und dem Trans­port­ge­wer­be. Das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be sei noch zö­ger­lich. "Die kön­nen kei­nen zur Wei­ter­bil­dung schi­cken, weil die al­le am Band ste­hen oder im Be­trieb ste­hen und ar­bei­ten", sag­te BA-Chef Schee­le.

Auch bei der Kurz­ar­beit ge­be es kei­nen Grund zum Alarm. Der­zeit be­fän­den sich 43.000 Men­schen in Kurz­ar­beit - vor der gro­ßen Fi­nanz­kri­se im Jahr 2008 sei­en es im Schnitt 100.000 ge­we­sen, sag­te Schee­le. Al­ler­dings ge­be es im­mer mehr Ge­sprächs­be­darf. Der­zeit ver­zeich­ne die Bun­des­agen­tur 25.000 neue An­zei­gen für Kurz­ar­beit.

Bei der Kon­junk­tur­ein­trü­bung ge­he die Bun­des­agen­tur da­von aus, dass es sich um ei­ne Del­le han­de­le - we­ni­ger um lang­an­hal­ten­de Pro­ble­me. Die Kon­junk­tur wer­de sich zwar nicht bis zum Jah­res­en­de er­ho­len, viel­leicht auch noch nicht im ers­ten Quar­tal 2020. Aber dann soll­te es sich nach den ge­gen­wär­ti­gen Pro­gno­sen nach oben ge­hen.

Bis­her sei Zeit­ar­beit die ein­zi­ge Bran­che, die ei­nen Rück­gang bei der Be­schäf­ti­gung ver­zeich­ne. Im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be ge­be es nach wie vor Be­schäf­ti­gungs­auf­bau. Aber auch Schee­le geht da­von aus, dass die Ar­beits­lo­sig­keit in den nächs­ten Mo­na­ten steigt - wenn auch mo­de­rat. Dass der Sep­tem­ber-Rück­gang im ver­gan­ge­nen Jahr mit 94.000 deut­li­cher war, mag ein Zei­chen da­für sein. Auch der Rück­gang im Ver­gleich zum Vor­jahr wer­de in den Mo­nats­sta­tis­ti­ken nun im­mer klei­ner. Das Be­schäf­ti­gungs­wachs­tum hal­te an, ver­lie­re aber an Schwung, heißt es. 

So fällt auch die Be­wer­tung von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil ge­mischt aus. "Wir er­le­ben wei­ter ei­nen his­to­risch ho­hen Stand bei der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Be­schäf­ti­gung", be­ton­te der SPD-Po­li­ti­ker. Es sei aber auch zu be­ob­ach­ten, dass die welt­wirt­schaft­li­che Ein­trü­bung ers­te Kon­se­quen­zen ha­be: Et­wa bei der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, die durch Zu­gän­ge aus ei­ni­gen Be­rei­chen des ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­bes be­las­tet wer­de. Soll­te es schlim­mer wer­den, sei der deut­sche Ar­beits­markt gut ge­rüs­tet.

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Letzte Überarbeitung: 13. November 2019

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